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Ausgabe 72-4/1997

"'Die Furchtlosen Vier' sind zunächst einmal reine Unterhaltung, Family Entertainment, bei dem unterschiedlichen Altersstufen etwas geboten wird"

Gespräch mit Eberhard Junkersdorf, Regisseur des Films "Die Furchtlosen Vier"

(Interview zum Film DIE FURCHTLOSEN VIER)

KJK: Es ist ja eher ungewöhnlich, dass ein abendfüllender Zeichentrickfilm aus Deutschland gleich das Interesse eines amerikanischen Verleihs findet. Genau das aber ist bei "Die Furchtlosen Vier" der Fall. Das legt die Frage nahe, ob bei einem Projekt dieser Größenordnung von vornherein Wert auf die internationale Vermarktung gelegt wurde. Die Gestaltung einiger Szenen, speziell die englische Beschriftung vieler Schilder, stützt diese Vermutung.
"Ganz klar", meint dazu Eberhard Junkersdorf, "einen Film dieser Größenordnung kann man nicht machen, wenn man ihn nicht international vermarkten kann. Aus diesem Grund haben wir den Film, obwohl er in Deutschland produziert wurde, auf Englisch gedreht. Wir haben, nachdem das Drehbuch fertig war, in Kanada Sprecher gesucht und mit diesen die Sprachaufnahmen für den Film gemacht. In diesem Stadium sind auch einige zusätzliche Szenen und Filmsequenzen entstanden."

Das heißt also, die Arbeitsweise bei diesem Film ist insofern traditionell, als erst die Geschichte stehen muss, dann die Sprachaufnahme gemacht wird und danach die eigentliche Zeichenarbeit beginnt. Und dass der Film, der in Deutschland uraufgeführt wird, in der Urfassung englisch ist, also erst deutsch synchronisiert werden musste. Weshalb aber dreht man dann überhaupt einen Zeichentrickfilm wie diesen in Deutschland?
Laut Junkersdorf ist das gar nicht so verwunderlich. Ihm hatte das Drehbuch eines Freundes vorgelegen, der die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten neu erzählen wollte. Nachdem diese überarbeitet und soweit konkretisiert war, dass man sie als produktionsreif betrachten konnte, stellte sich die schwerwiegende Frage, wer soll so ein Projekt überhaupt machen. "Ich habe ja leider vom Zeichnen keine Ahnung", gibt Junkersdorf an diesem Punkt zu. "Aber nach den ersten sechs Wochen reizte mich die Sache. Ich sah mich nach einem Studio um, das die Geschichte als Trickfilm realisieren konnte, fand aber kein geeignetes. Also entschied ich: Ich mach's allein. Und so entstanden im Februar 1995 die Munich Animations Studios."

Wie ist denn nun die Tatsache zu verstehen, dass bei dem Film "Die Furchtlosen Vier" drei Regisseure im Vorspann stehen? Ist dies eine Unterteilung nach Kompetenzen, und nach welchen?
Junkersdorf: "Nun, ich bin sozusagen der Gesamtleiter, der aber in seiner Funktion als Regisseur manchmal gegen den Produzenten entschieden hat. Ich habe die Projektentwicklung gemacht und die Vorarbeit geleistet, wie etwa die Sprachaufnahmen in Kanada. Jürgen Richter ist derjenige, der die zeichnerische Arbeit geleitet hat, und Michael Coldewey ist der Computerexperte, unter dessen Regie die rund 40 Minuten Computeranimation entstanden, die in diesen Film integriert wurden."

Es sind im Film ja zahlreiche Anspielungen auf Filme, auf Personen, auf Aktualität und auf Produkte enthalten. Man erweist Bogart und Hitchcock die Reverenz, verwendet Ideen aus der "Blechtrommel" und "Aristocats", zeigt BSE-Fässer und so fort. Ist da auch einiges an Kritik beabsichtigt, oder ist das eher nebenbei für einen Teil des Publikums gemacht?
"'Die Furchtlosen Vier' sind zunächst einmal reine Unterhaltung, Family Entertainment, bei dem unterschiedlichen Altersstufen etwas geboten wird. Da ist einiges für Kinder, für Jugendliche und für Erwachsene, eben für die ganze Familie. Natürlich sind da viele Anspielungen beabsichtigt, weil in der Erzählung an Themen wie Medienhörigkeit gerührt wird. Da klingt etwa Berlusconi mit an. Gesellschaftskritik ist aber nicht das Thema des Films. Wenn man so etwas wie eine Message finden will, dann das, was der Esel auf die Frage antwortet, was er sich wünscht, nämlich dass die Vier beisammen bleiben und alle Probleme gemeinsam meistern."

Und dabei sind wir wieder beim Ausgangspunkt, bei den Bremer Stadtmusikanten, denn das ist ja eigentlich der O-Ton des Märchens.
"Ja, die wenigen Kernsätze des Märchens haben wir natürlich übernommen. Aber davon abgesehen ist die Geschichte zwar von dem ursprünglichen Märchen angeregt, ist aber völlig neu erzählt."

Was ja wohl sein muss, denn das ursprüngliche Märchen ist ja nur eine ganz kurze Erzählung. Hatten Sie außer den Drehbuchautoren auch Gagschreiber?
"Nein, Gagschreiber hatten wir absolut nicht. Aber bei den Sprachaufnahmen gab es seitens der Sprecher durchaus kleine Extempores oder Änderungswünsche, die wir dann auch berücksichtigt und in den Film integriert haben. Die Idee, dass etwa der Hahn nach seinem Rauswurf auf ein paar Perlhühner trifft, ergab sich zum Beispiel erst bei den Aufnahmen. Aber von solchen Kleinigkeiten abgesehen, wurde der Drehbuchtext nicht von Witze-Schreibern überarbeitet."

Mit Eberhard Junkersdorf sprach Wolfgang J. Fuchs

 

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