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Ausgabe 72-4/1997

"Leitfiguren braucht man immer"

Gespräch mit Connie Walther, Regisseurin des Films "Das erste Mal"

(Interview zum Film DAS ERSTE MAL)

Das folgende Gespräch wurde im September 1997 beim Internationalen Kinder- und Jugendfilmfestival in Frankfurt am Main geführt, wo Connie Walthers Film im Wettbewerb lief.

KJK: Ihr Film ist eine SWF-Produktion. War "Das erste Mal" ursprünglich fürs Kino gedacht?
Connie Walther: "Ja, es sollte eine Kino-Koproduktion werden. Die Hauptfinanzierung kam von drei Fernsehsendern. Damals war der WDR noch federführend, daneben SWF und MDR. Außerdem war die Film- und Fernsehakademie mit drin. Dann haben wir versucht, vom Filmfonds Berlin-Brandenburg eine Kinofilmförderung zu bekommen, weil ich dachte, das könnte ein gutes Thema für einen Kinofilm sein."

War der Film von vornherein für die Zielgruppe Teenager gedacht?
"Ja, wobei ich das weiter fasse. Denn ich bin absolut der Meinung, dass man sich diesen Film auch noch angucken kann, wenn man über dreißig ist. Mein Ziel war es – bei einem Fernsehfilm zumindest –, zu erreichen, dass sogar ein fünfzig- oder sechzigjähriger Mann am Fernseher zu Hause sitzen bleibt und sich für dieses Thema interessiert."

Wie wirkt sich in dieser Hinsicht die 'jugendliche Gestaltung' aus?
"Ich denke, dass die Mittel, die wir eingesetzt haben, eher verhindern, dass ein älteres Publikum dranbleibt, weil es ja doch ein relativ schneller Schnitt ist, weil es harte Schnitte sind. Also die Gestaltung wendet sich eher an ein jüngeres Publikum. Ich glaube aber, die Flut an Bildern, die täglich über die Bildschirme läuft, beeinflusst die Sehgewohnheiten der Zuschauer sicherlich stark. Die Leute sehen heute 'schneller' als noch vor einigen Jahren, als es nur öffentlich-rechtliches TV gab. Wobei – wenn's mein 87-jähriger Großvater sehen würde, der würde nicht mehr folgen können."

Sie haben bei der Vorstellung des Films vom "Mythos des ersten Males" gesprochen. Was meinen Sie damit?
"Das erste Mal ist wahrscheinlich für 98 oder 99 Prozent der Bevölkerung ein Thema. Also früher oder später bringt's jeder hinter sich bis auf die wenigen, die im absoluten Zölibat bis an ihr Lebensende leben. Von daher ist es ein universelles Thema und als solches mit einem Mythos behaftet. Grundsätzlich spielt Sexualität eine große Rolle, egal in welcher Kultur. Für alle Lebewesen ist die Fortpflanzung ein zentraler Punkt und die menschliche Sexualität ist nur eine – wenn auch bisweilen enorme – Erweiterung dieses Themas.
Jungs gehen, glaube ich, etwas anders damit um als Mädchen. Für Mädchen ist 'das erste Mal' eine Schwelle, die sie überwinden müssen. Ich greife jetzt mal auf Archetypen zurück, Jungs sind meistens immer noch – da hat sich nicht sehr viel geändert durch die Kulturen hindurch – die Eroberer und Mädels die, die erobert werden. Emanzipation hin oder her, leider. Ich wollte damit so umgehen, dass ein Mädchen sich sagt: Ich will mir jetzt einen Mann suchen, weil ich das will, und damit überfordert sie erstmal die meisten Jungs. Das war mir sehr wichtig, weil man als Mädchen durchaus die Initiative ergreifen kann."

Haben Sie zur Vorbereitung eine systematische Feldforschung gemacht?
"Nein, das war nicht systematisch und nicht repräsentativ. Ich wusste ja, welches Gefühl ich in dem Film transportieren wollte. Eins war mir besonders wichtig: Nicht altmodisch zu sein. Ich habe mir gesagt, wenn sich das wirklich verändert hat, dann ist nichts peinlicher als eine Mittdreißigerin, die einen Film macht über 15-Jährige und sich verzweifelt bemüht, jugendlich zu sein. Deswegen machte ich Interviews. Zuerst fragte ich im Freundeskreis bei älteren Leuten, wie das bei denen war, und verglich das dann mit meinen Erfahrungen. Dann habe ich ein riesiges Casting gemacht. Wir haben über 1.000 Mädchen gesehen, 500 davon live. Fast alle fragte ich zu ihrem ersten Mal. Da war ich sehr beruhigt, weil ich gemerkt habe, es hat sich wenig geändert."

Haben denn alle Mädchen geantwortet?
"Fast alle. Wir befragten die Mädchen immer alleine. Da sie sich für ein Casting gemeldet hatten, wussten sie ja, was auf sie zukommt. Sie mussten ohnehin aus sich rausgehen, weil sie ja beim Film mitmachen wollten oder wenigstens reinschnuppern. Daher war klar, dass sie in einer Prüfungssituation sein würden. Man kriegt dabei ja auch mehr mit, als die Leute mitteilen wollen. Man entwickelt außerdem eine Routine, die richtigen Fragen zu stellen und so einen Zugang zu den Mädchen zu finden. Ich habe auch ein paar Jungs befragt. Ich machte sogar einen provokanten Trailer, weil wir uns gesagt hatten, die, die wir da aufrufen, die müssen ja richtig ans Eingemachte."

Gibt es konkrete Verhandlungen mit Kinoverleihern?
"Atlantik Film in Berlin möchte den Film gern ins Kino bringen. Die verhandeln schon mit dem SWF. Es geht jetzt praktisch nur noch um die Musikrechte, die bei jedem einzelnen Titel geklärt werden müssen. Letztlich ist es nur noch eine Kostenfrage, weil der Film neu gemischt werden muss. Da es nach der Fernsehausstrahlung nur eine Zweitauswertung ist, wird Atlantik erstmal nur mit einigen Kopien in Berlin starten. Wenn man diesen Film ganz klein, also mit wenigen Kopien startet, aber ebenso sorgfältig wie liebevoll promotet, hat er möglicherweise eine gute Chance, sich durchzusetzen, ich hoffe es zumindest sehr."

Im Mittelpunkt der ersten Filmhälfte steht die Starverehrung – welche Funktion haben Idole für diese Altersgruppe?
"Idole sind einerseits Vorbilder, denn so möchte man gerne mal sein, oder es sind Vorbilder für die emotionale Entwicklung. Man verliebt sich in sie, eine Art Training für das Gefühl. Die erste Liebe ist oft eine Schwärmerei, die gar nicht danach strebt, konkret zu sein, 'Anwendung' zu finden. In diesem Alter sind Leitfiguren extrem wichtig. Das können auch Personen aus der täglichen Umgebung oder literarische Figuren sein. Ich glaube, dass man in seinem ganzen Leben immer Leitfiguren hat. Man braucht diese Entwürfe, wie man Ideale überhaupt braucht."

Was ist Ihre Leitfigur?
"Es gab verschiedene. Früher wollte ich Wissenschaftlerin werden, da wäre ich am liebsten ein zweiter Einstein geworden. Stanley Kubrick finde ich toll. Ansonsten sind meine filmischen Leitfiguren Gegenwartsregisseure. Früher gab es durchaus mal Politiker, die für mich Leitfiguren waren: Petra Kelly war eine starke Frau, mit der ich mich sehr identifiziert habe. Das war eine Gallionsfigur für eine neue politische Bewegung. Auch Martin Luther King ist eine spannende Figur gewesen."

Was ist Ihr nächstes Filmprojekt?
"Das ist etwas völlig anderes, ein knallharter Actionfilm, der 'Clown II', der Pilotfilm zur gleichnamigen Serie für RTL. Ich habe ihn gemeinsam mit Hermann Joha gemacht, der im letzten Jahr den ersten 'Clown' gedreht hat und das nicht mehr allein machen wollte. Es ist meine erste Auftragsarbeit aufgrund des 'ersten Males'."

Interview: Reinhard Kleber

 

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