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Ausgabe 73-1/1998

ADIEU PAPA

ADEUS, PAI

Produktion: MGN Filmes; Portugal 1996 – Regie und Buch: Luis Filipe Rocha – Kamera: Joao Abel Aboim – Schnitt: António Perez Reina – Musik: Delfins – Darsteller: José Afonso Pimentel (Filipe), Joao Lagarto (Manuel) u. a. – Länge: 85 Min. – Farbe – Weltvertrieb: MGN Filmes, Rua de S. Bento, 644 4° Esq., 1250 Lisboa, Portugal, Telefon +351 1 3887276, Fax +351 1 3887281 – Altersempfehlung: ab 10 J.

Bislang hat der 13-jährige Filipe die Ferien stets bei seinen Großeltern verbracht. In diesem Sommer jedoch überrascht ihn sein Vater, ein viel beschäftigter Geschäftsmann, mit dem Vorschlag, erstmals einen gemeinsamen Urlaub zu verbringen. Auf den Azoren angekommen, nutzt der Junge die Gelegenheit, den Vater über das andere Geschlecht auszufragen – sozusagen von Mann zu Mann –, erst recht nachdem er in der Nachbarschaft des idyllisch gelegenen Ferienhauses ein hübsches Mädchen kennen gelernt hat. Filipe freut sich außerdem sehr darüber, dass sich der Vater nach jahrelangen Versäumnissen endlich Zeit für ihn nimmt. Bei gemeinsamen Ausflügen ans Meer scheint das erstarrte Verhältnis zwischen beiden allmählich aufzutauen. Für den Sinneswandel des Vaters gibt es allerdings einen triftigen Grund: Er leidet an Lungenkrebs und hat nicht mehr lange zu leben. Als Filipe zurückkehren muss, bleibt der Vater auf der Insel und verabschiedet sich mit einem lebensfrohen Tanz. Es stellt sich jedoch heraus, dass Filipe das alles nur geträumt und in seiner Schule in einem Aufsatz niedergeschrieben hat. In der Realität in Lissabon bleiben Vater und Sohn einander weiter irritierend fremd.

Psychologisch differenziert und wunderschön fotografiert ist vor allem der Annäherungsprozess zwischen Vater und Sohn auf der Insel. Aufgelockert wird das sensibel inszenierte portugiesische Familiendrama durch einige humoristische Szenen, etwa wenn der linkische Vater bei einem Besuch an der Küste ins Meer fällt. Umso härter fällt der Kontrast der Wirklichkeit aus, in der das Familienleben nach strengen Konventionen abläuft, die starke emotionale Beziehungen beinahe zu ersticken scheinen.

Als Zeichen der Hoffnung gibt der 1947 in Lissabon geborene Regisseur Luis Filipe Rocha, der seine Filmkarriere 1975 als Regieassistent von Peter Lilienthal bei dessen Produktion "Es herrscht Ruhe im Land" begann, dem Publikum mit auf den Weg, dass die Fürsorge der ebenfalls unter der häufigen Abwesenheit ihres Mannes leidenden Mutter und Filipes lebhafte Phantasie den Jungen vor der seelischen Erstarrung bewahren dürfte. Von der Gesamtkomposition der Urlaubs-Phantasmagorie einmal abgesehen, die immerhin etwa zwei Drittel des Films ausmacht, manifestiert sich die beachtliche Fähigkeit Filipes zur Imagination auch darin, wie er etliche Menschen aus seiner Alltagswelt in der niedergeschriebenen und vom Regisseur visualisierten Geschichte zu präzise konturierten Kunstfiguren stilisiert. Die beiden Hauptdarsteller José Afonso Pimentel und Joao Lagarto bewältigen ihre schwierigen Aufgaben mit Bravour.

Reinhard Kleber

 

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KJK-Ausgabe 73/1998

 

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