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Ausgabe 73-1/1998

PAPIERFLIEGER

MOOSKAK-E KAGHAZI

Produktion: Islamic Republic of Iran Broadcasting (IRIB); Iran 1997 – Drehbuch und Regie: Farhad Mehranfar – Kamera: Morteza Poursamadi – Darsteller: Hashem Hakemzadeh, Reza Hakemzadeh, Asghar Kohan Ghanbarian, Anis Shakouri u. a. – Länge: 90 Min. – Farbe – Vertrieb: Cine Media International (CMI), 64-Hedayat-St., Yakhchal Ave., Tehran 19497, Iran, Tel.: +9821 254 8032, Fax: +9821 255 1914 – Altersempfehlung: ab 6 J.

Wenn kleine Kinder in Deutschland zum ersten Mal in ihrem Leben die Bekanntschaft mit dem Medium Film machen, so hat das in unserer hoch technisierten und von Bildern überfluteten Welt eine andere Qualität, als wenn ein ganzes Dorf, Jung und Alt gleichermaßen, zum ersten Mal mit dem Gemeinschaftserlebnis 'Film' konfrontiert wird, wie es beispielsweise in ländlichen Regionen des Iran heute noch geschehen kann. Über die kulturübergreifende Faszinationskraft des Mediums, die Wechselwirkung von Realität und Fiktion und das Verhältnis von Tradition und Moderne am Beispiel des Films hat Farhad Mehranfar in seiner nordiranischen Heimat einen Kinofilm gedreht, der auch für jüngere Kinder geeignet und verständlich ist. "Papierflieger" ist sein Debüt als Spielfilmregisseur; davor drehte er zahlreiche Kurzfilme, mit denen er auch hierzulande Erfolg hatte.

Im Auftrag des iranischen Kulturministeriums reist der Filmvorführer und Beamte Hakemzadeh mit Auto und Projektionseinrichtung in abgelegene Dörfer des Landes, um den Menschen dort, die oft noch nie einen Film gesehen haben, 16mm-Filme vorzuführen. In den Schulferien nimmt er seinen kleinen Sohn Reza mit, für den es die erste Reise zusammen mit dem Vater ist. Die erste Vorführung soll in einem kleinen Dorf mitten im Bergwald stattfinden. Begeistert werden die beiden dort empfangen, obwohl die Bewohner noch gar nicht wissen, was sie am Abend erwartet. Der Vater richtet alles für die Aufführung her und ruht sich dann aus. Unterdessen freundet sich Reza mit den Kindern an und baut ihnen kleine Papierflieger, während diese von ihrem Leben im Dorf erzählen und man auch einiges über die uralten Rituale erfährt, mit denen der Frühling angekündigt wird. Nach Einbruch der Dunkelheit zeigt Hakemzadeh zur allgemeinen Belustigung zuerst einen Film von Charlie Chaplin und dann ein Melodram über die unglückliche Liebe einer jungen Frau, die ihren Geliebten nicht heiraten darf, weil die Eltern einen anderen Bräutigam für sie vorgesehen haben. Darauf reagieren die Bewohner betroffen, denn ein ähnlich gelagerter Fall spielt sich gerade in ihrem Dorf ab und findet später durch den Film eine unerwartete 'Lösung'. Als Reza mit seinem Vater am nächsten Morgen weiterreist, müssen beide das Versprechen geben, möglichst bald wiederzukommen.

"Der Papierflieger" besticht durch seine einfach und klar erzählte Geschichte, seine poetische Bildsprache und seinen ruhigen Erzählrhythmus. Er zeigt ein grünes, von Wiesen und Wäldern bedecktes Iran, das eher an mitteleuropäische Regionen als an die Wüsten- oder (Stadt-)Landschaften etwa in den Filmen von Kiarostami und Panahi erinnert. Regisseur Mehranfar beschwört die Faszinationskraft der Natur und des Films gleichermaßen und demonstriert, wie das Medium Film ganz unmittelbar und spielerisch die Kluft zwischen Stadt und Land, zwischen einer fast mythischen Naturauffassung und moderner Technik zu überwinden vermag und für Toleranz und Achtung vor dem Unbekannten und Fremden wirbt. Dabei vertraut er mehr auf Bilder und Taten als auf Worte, etwa wenn der Vorführer zu einem Nachtessen in das Haus eines Greises eingeladen ist, der als einziger der Vorführung nicht beiwohnen konnte, und diesem, nach dem Wesen des Films befragt, antwortet, aus Filmen könne man lernen, Filme können die Menschen erziehen. Worauf der Greis nur skeptisch erwidert, was eigentlich die Menschen machten, bevor es den Film gab. Manchmal ins Trudeln gerät "Der Papierflieger" allerdings durch die allzu penetrant hervorgehobene pädagogische Absicht, die dem ansonsten leichtfüßigen Film etwas streng Belehrendes verleiht, und das selbstherrliche Verhalten des Vaters, insbesondere auch gegenüber Kindern.

Holger Twele

 

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