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Ausgabe 73-1/1998

SELMA UND JOHANNA

SELMA & JOHANNA, EN ROADMOVIE

Produktion: Cinetofon AB / Sandrew Film AB / Sveriges Television / Svenska Filminstitutet; Schweden 1997 – Regie: Ingela Magner – Drehbuch: Sara Heldt, Ingela Magner – Kamera: Dan Myhrman, Michael Spicer – Schnitt: Lasse Lundberg – Musik: Anders Henriksson, Coste Apetrea – Darsteller: Anna Sjögren (Johanna), Grete Havnesköld (Selma), Johan Widerberg (Conny), Jan Mybrand (Per), Kjell Bergqvist (Kjellmann), Jakob Eklund (Johannas Vater) – Laufzeit: 91 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Cinetofon AB, Gamla Filmstaden, S-171 30 Solna, Schweden, Tel. +46 8 7303898, Fax: +46 8 7303899 – Altersempfehlung: ab 8 J.

Endlich ist das lange Schuljahr vorbei und alle können glücklich in die Ferien gehen. Naja, fast alle, denn die elfjährige Johanna ist nicht so glücklich, weil sie die vierte Klasse wegen ihrer Konzentrationsschwäche wiederholen soll, was sie nur höchst ungerecht findet; vor allem, weil es auch die Trennung von ihrer besten Freundin Selma bedeuten würde. Als sie sich beim Direktor beschwert, rät der ihr mit typisch erwachsener Arroganz Kindern gegenüber, sie könne den Fall ja vor den Europäischen Gerichtshof in Strassburg bringen. Die aufgeweckte Johanna nimmt ihn beim Wort, schlachtet ihr Sparschwein und überredet Selma, mit ihr gemeinsam auf die Reise zu gehen. Doch schon die Fahrt zu Johannas Oma auf dem königlichen Schloss Helsingborg gestaltet sich schwierig, da der Fahrpreis die finanziellen Mittel der zwei übersteigt. Sie versuchen es mit Schwarzfahren, werden erwischt, können fliehen und zwei alte Damen überreden, sie in ihrer klapprigen "Ente" mitzunehmen. Bei einer Autopanne wechseln sie das Fahrzeug und verstecken sich auf einem LKW; leider vergessen sie jedoch ihre Rucksäcke im Auto der netten alten Damen.

Inzwischen haben die Eltern der zwei das Verschwinden der Töchter bemerkt und schalten die Polizei ein, die sich des Falles in Gestalt des ebenso überkorrekten wie eitlen Beamten Kjellmann annimmt. Begleitet wird der – übrigens gegen Kjellmanns Willen – von Johannas geschiedenem Vater, einem etwas chaotischen Mittdreißiger. Die zwei Mädchen sind inzwischen zwei "Cowboys" begegnet, dem elternlosen Brüderpaar Per und Conny, die in ihrem Straßenkreuzer von amerikanischen Highways und der großen Freiheit träumen. Zwar bedarf es einiger Überredungskünste, bis die zwei die Kinder mitnehmen, aber am Ende sind sie doch ein gutes Team. Ein Team, das Kjellmann und Johannas Vater immer eine Nasenlänge voraus ist. Erst als der Polizist bereits aufgegeben hat, treffen die Kinder eher zufällig auf Johannas Vater und alle sind wieder glücklich und zufrieden. Und Johanna muss auch gar nicht mehr nach Strassburg, denn Kjellmann hat den Direktor mit dem ihm eigenen Durchsetzungsvermögen "überredet", damit Johanna doch nicht sitzen bleiben muss.

Ingela Magner schuf hier ein hübsch-harmloses Road Movie, das beim Ansehen viel Vergnügen bereit und gar nicht mehr will, als reine Unterhaltung zu bieten. Natürlich hat dieses Konzept auch seine Schwächen: So droht den Mädchen nie wirkliche Gefahr; alles und alle um sie herum scheint ihnen wohl gesonnen. Dafür besticht der Film durch die zwei gewitzten Hauptdarstellerinnen, denen man abnimmt, dass sie sich (beinahe) jeder Situation gewachsen zeigen. Auch die elaborierten Nebenfiguren verleihen dem Film das Leben, das eine solche Geschichte braucht: Da sind die zwei Brüder, deren Eltern bei einem schrecklichen Verkehrsunfall starben, den sie heute noch als Trauma mit sich herumtragen. Da ist der Polizist Kjellmann, der zusammen mit Johannes Vater genau das gegensätzliche Paar abgibt, das in solchen Storys für Humor sorgt. Ein zuweilen brillant gespielter Mädchenfilm, in dem die als "Lotta" in den Filmen von Johanna Hald bekannt gewordene Grete Havnesköld erneut einen Beweis ihres Talents liefert. Zudem bietet Ingela Magner den Kids ein Genre, das im Kinderfilm – wegen des geringen Alters der Protagonisten – naturgegeben nicht gerade häufig ist: das Road Movie. Untermalt von spritziger Musik entstand so ein unterhaltsamer kleiner Film, den man nicht über- aber auch nicht unterbewerten sollte. Denn auch und gerade im Kinderkino sollte immer Platz sein für Unterhaltung, die nicht mehr sein will als genau das, was wir Erwachsenen ja auch immer mal wieder gerne sehen: Entertainment mit einem Schuss Eskapismus, das aber nicht vollkommen realitätsfern daherkommt und uns mit witzigen Geschichten, fetziger Musik und guten Darstellungen 90 Minuten Spaß bietet. Denn niemand will immer nur hohe Kunst und finsteren Realismus sehen.

Lutz Gräfe

 

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