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Ausgabe 73-1/1998

"Ideal sind die Filme, die gut gemacht sind und die das Publikum berühren."

Gespräch mit Christian Meinke, Geschäftsführer der Münchner Film Agentur (MFA)

(Interview zum Film MEISTERDETEKTIV KALLE BLOMQUIST LEBT GEFÄHRLICH, zum Film DIE KLEINE ZAUBERFLÖTE und zum Film DER KÖNIG DER MASKEN)

Christian Meinke (geb. 1949 in Rostock) gründete 1994 zusammen mit Fabian Arséguel in München den Filmverleih MFA, zu dessen Programm neben ausgewählten internationalen Filmen wie "Antonias Welt" auch ein interessantes Spektrum an Kinderfilmen zählt, so die Neuverfilmung von "Meisterdetektiv Kalle Blomquist lebt gefährlich", der neue Film von Curt Linda, "Die kleine Zauberflöte" und der Preisträger vom Internationalen Kinder- und Jugendfilmfestival Frankfurt 1996, "Der König der Masken" (R.: Wu Tian Ming, Hongkong/VR China).

KJK: Ist "Meisterdetektiv Kalle Blomquist" Ihnen angetragen worden?
Christian Meinke: "Ich habe den Film beim Kinderfilmfest / Berlinale 1997 gesehen und sofort mein Interesse bei Taurus-Film angemeldet."

Mit wie vielen Kopien haben Sie den Film gestartet?
"Mit 120 Kopien. Wir sind ziemlich groß eingestiegen – nicht so groß wie die Warner, die gleich mit 400 oder 500 Kopien rauskommen, doch für unsere Verhältnisse groß."

Von welchen Überlegungen sind Sie ausgegangen bei der hohen Zahl der Kopien?
"Erst mal vom Optimismus, dass der Film laufen könnte, und dann auch von der Überlegung, dass für jedes gute Kino eine Kopie verfügbar sein sollte."

Und wie ist die bisherige Erfahrung?
"Insgesamt positiv. Wir hatten zwar großes Pech mit dem Start Ende September 1997, denn da herrschte dummerweise, nachdem der ganze Sommer verregnet war, noch mal Badewetter. Von daher hatten wir bei diesem Start wacklige Knie, aber dann hat der Film angezogen. Wir haben durch den schlechten Start sicher erst mal was verloren, aber jetzt sind wir zufrieden damit."

Wie lange rechnet man als Verleiher bei Kinderfilmen mit der Laufzeit – fünf Jahre oder so?
"Meistens länger, es gibt Filme, die gehen noch mit 10, 20 Jahren."

Und als nächsten Film starten Sie ...
... "'Die Kleine Zauberflöte' von Curt Linda, und danach kommt 'Der König der Masken', in synchronisierter Fassung, dafür haben wir aber noch keinen Starttermin."

Der nächste Start ist also "Die kleine Zauberflöte", wie haben sich da die Kontakte zu Curt Linda ergeben?
"Das war eigentlich ganz einfach. Wir hatten in der Zeitung gelesen – wir wollen ja nicht wildern in fremden Gewässern und eigentlich war das Molto Menz' Gewässer (Beaufilm), der diesen Job damals bei der Filmwelt mit dem 'Kleinen Gespenst' wunderbar gemacht hat und so hatten wir nie daran gedacht – aber dann lasen wir, dass Curt Linda und Molto Menz sich getrennt haben und nahmen Kontakt mit Herrn Linda auf, und dann ging alles sehr schnell. Der Film hatte ja eine sehr schöne Premiere beim Filmfest München im Juni 1997, und der Zeitpunkt des Starts gleich danach wäre gut gewesen. Aber den ursprünglichen Termin Oktober konnten wir nicht halten, so haben wir gesagt, wir müssen jetzt im Januar rauskommen. Vor Weihnachten wäre es unmöglich gewesen wegen der großen Konkurrenz mit 'Hercules', 'Benjamin Blümchen', 'Sirga die Löwin' und 'Ein Fall für die Borger'. Die Pressebetreuung für 'Die kleine Zauberflöte' liegt bei der Agentur Flohr & Kunze. Es gibt ein schönes Beiheft und einen Flyer zum Film. Und interessant ist, dass sich die Schulen melden."

120 Kopien für "Kalle Blomquist" sind erst mal hohe Kosten ...
"Wir haben einen Antrag gestellt auf Förderung, da es ein europäischer – kein nationaler – Film ist, und bekamen eine Förderzusage von der EU. Dabei müssen drei europäische Länder zusammenarbeiten, in diesem Fall sind das Deutschland, Österreich und Luxemburg. Die Förderung minimiert das unternehmerische Risiko, es ist kein geschenktes Geld, ich sehe es als so eine Art Ausfallbürgschaft. Zur Finanzierung des Filmstarts nützt es überhaupt nichts, denn bis die Gelder kommen, ist der Film schon längst gestartet."

Wenn der Film "Die kleine Zauberflöte" zum Beispiel von einem Verleih in Berlin übernommen würde, könnte der dann auch bayerische Verleihförderung bekommen?
"Ich glaube ja, es gibt einen Bayernbezug schon durch die Produktion hier. Die Länderförderungen sind ja überhaupt für die jeweiligen Länder lukrativ, weil man sich verpflichten muss, das Geld in demjenigen Land auszugeben, das heißt, wir geben mit der Herstellung der Kopien mehr als doppelt soviel Geld in Bayern aus, als wir durch die Länderförderung bekommen. Die haben da keinen Nachteil: Wenn die 150.000 Mark geben, müssen wir 350.000 Mark hier ausgeben. Das ist doch für das Land eine ganz hochwertige Wirtschaftsförderung. Außerdem arbeitet die bayerische Filmförderung schnell und unbürokratisch."

Zum Begriff Marketing: Um einen Film erfolgreich zu starten, welche Vorstellung haben Sie von einem guten Marketing?
"Marketing ist ein Begriff, der alles und gar nichts sagt. Ein gutes Marketing ist, wenn man 10 Mark investiert, um dadurch 20 Mark einzunehmen. Wenn man 20 Mark investiert und dadurch 10 Mark einnimmt, war's ein schlechtes Marketing, und wenn ich gar nichts investiere und auch gar nichts einnehme, war's auch kein gutes Marketing. Es gibt ca. 20 gute Agenturen in Deutschland, wir überlegen uns, welche Agentur die richtige ist für unseren Film und dann läuft die Öffentlichkeitsarbeit extern. Eine gute Pressearbeit schließt auch gute Fotos mit ein, und das ist oft ein Problem. Von deutschen Filmen kommen meistens nur drei Fotos, die fast alle unscharf sind. Dann muss man aus der Kopie welche rausnehmen, manchmal klappt das aber auch nicht. Das ist ein Defizit."

Sie verleihen also den Film und die Werbung überlassen Sie einer Agentur.
"Wir machen natürlich Vorgaben. Wir setzen uns zusammen – die haben Ideen, wir haben Ideen, wir machen also das und jenes zusammen. Ich finde nicht gut, wenn der Verleih seine eigene Presseabteilung hat, das möchte ich gar nicht. Ich finde es wesentlich kreativer, wenn das jemand von außen ist, der an das Projekt rangeht, so dass es nicht so eine bürokratische Routine gibt."

Wie hoch ist zum Beispiel der Startetat für "Kalle Blomquist"?
"500.000 Mark für Kopien und Marketing – aber da lachen die anderen nur drüber, das ist ein Bruchteil von dem, was Warner zum Beispiel ausgibt."

Welche Kriterien sind für Sie als Verleiher ausschlaggebend, um einen Kinderfilm in Ihr Programm aufzunehmen?
"Ich habe 1983 zwei holländische Filme gekauft, das war damals noch eine Seltenheit, plötzlich war ich der Spezialist für holländische Filme. Deshalb sehe ich mich aber nicht als Verleiher für holländisches Kino. Das ist auch bei Kinderfilmen so – jetzt sind interessante Kinderfilme da, ich kann aber nicht ausschließen, dass wir 1998 oder 1999 keine interessanten Kinderfilme finden, dann bringen wir vielleicht keine Kinderfilme raus. Wir sehen uns als Universalverleih für das, was wir interessant finden."

Das heißt, die Filme müssen interessant sein. Was ist für Sie interessant?
"Es muss eine große Qualität sein und die Vorstellung, dass es für diese Qualität auch ein Publikum geben könnte. Es gibt Filme, die sehr toll sind, aber wo man von vornherein sieht, dass es dafür überhaupt kein Publikum – oder nur sehr begrenzt – gibt. Ideal sind die Filme, die gut gemacht sind und die das Publikum berühren. Das sollte zusammenkommen. Ein Film, der Kinder und Erwachsene interessiert, muss einen Kick haben."

Bei der "Kleinen Zauberflöte" – was hat Sie da veranlasst?
"Ein wichtiger Test ist auch immer meine Tochter, die ist fünf, und die ist völlig abgefahren auf die 'Zauberflöte' und schon 'Das kleine Gespenst'. Dann der Witz, den der Film hat. Und kleinere Kinder denken immer so in Einzelteilen, die sehen den Film nicht als gesamtes, durchgängiges Werk, und insofern ist 'Die kleine Zauberflöte' auch ein Film für die Gruppe der Vier- bis Achtjährigen. Also der kommt auch bei den Kleineren gut an. Und dann natürlich, dass es ein deutscher Zeichentrickfilm ist, mit einem wunderbaren Thema, und die Idee fand ich schon immer sehr gut. Manchmal hört man von Ideen und von den Verfilmungen und denkt, oh, das ist toll."

Was war für Sie ausschlaggebend, den "König der Masken" ins Programm zu nehmen?
"Die einfach überragende Qualität des Films, und zwar im emotionalen Bereich, der berührt ja wahnsinnig. Das ist richtig so ein Kino, wo man weint und lacht und mitlebt, bisschen altmodischer Film, außerdem toll gemacht, die Darsteller sind gut – und der Affe ist doch hervorragend, bei Kindern eine ganz wichtige Figur. Außerdem habe ich eine Beziehung zum Hongkong-Film seit Ewigkeiten, habe viele Hongkong-Film schon gekauft."

Mit den genannten drei Filmen haben Sie ein außergewöhnliches Spektrum für Kinder bzw. Familien im Verleihprogramm.
"Das ist eine Arbeit, die uns momentan gut gefällt, die wir auch ganz gerne weitermachen wollen. Es sei denn, dass der Markt für Kinder so voll ist, dass Disney jeden Monat was raus bringt, dass wir uns wieder zurückziehen. Diese Arbeit macht Spaß. Ich erinnere mich auch gerne daran, als ich selbst Kino in Berlin gemacht habe. Das Schönste war immer diese wilde Kinovorführung am Sonntagnachmittag, wenn die Nachbarskinder hereinstürmten. Das Kino, das wir damals gekauft hatten, war ein Bezirkskino mit einer Stammkundschaft von Kindern aus der Umgebung. Es hatte ursprünglich 500 Plätze, wir reduzierten das dann auf 300 Plätze, und das war jeden Sonntag ausverkauft, eben diese frühe Vorstellung 13.00 oder 13.30 Uhr, das Kino nach dem Mittagessen. Das war ein wilder Haufen. Das klassische Kinderkino um 15.00 Uhr – so das 'Astrid-Lindgren-Kinderkino' – ist ja mehr jenes, wo die Eltern mit den Kindern hingehen, während 13.00 Uhr am Sonntag, das waren die traditionellen Vorstellungen, wo die Kinder alleine hingingen, wo die Eltern die Kinder hinschickten mit fünf Mark für Eintritt und 'ne Süßigkeit. Das war mit das Tollste, was ich in meiner Laufbahn als Kinomacher kennen gelernt habe."

Durch die Kinderkinoarbeit kamen Sie also auf den Geschmack. Die Liebe zum Kino für Kinder und Ihre Nähe zum Kinderfilm ist dort grundgelegt worden?
"Ja, ich komme ja aus dem Kinobereich, habe 1977 angefangen, Kino zu machen, Programmkino in Berlin, das war das Yorck Kino, ich arbeitete mit Georg Kloster, mit dem ich das Kino zusammen betrieb, und kooperierte mit Manfred Salzgeber. Wir zeigten da schon etwas besondere Filme. Der echte Kinderfilm, den die Kinder damals wollten, war aber 'Spider' (Echsenfilm), der lief als Kindervorstellung in den Berliner Bezirkskinos sonntags 13.00 Uhr. Und was uns von den Disponenten der großen Verleihfirmen sonst so als Jugendfilm angeboten wurde! Das Schärfste war 'Die Nacht der reitenden Leichen', das lief unter Jugendfilm."

Unter welchem Begriff lief Ihr Programm?
"Kinderkino – wir haben auch täglich Kinderkino gemacht, das wurde vom Senat gefördert. Es gab regelmäßig jährlich den Förderpreis vom Senat für Kinderkino, für das Bali von Manfred Salzgeber und das Yorck Kino. Das Bali Kino hat dann Helgard Gammert von Salzgeber gekauft, der damals beruflich nach Rotterdam ging."

Gibt es für Sie eine Unterscheidung zwischen Kinderfilm und Familienfilm?
"Theoretisch habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht. Von meiner persönlichen Sicht her würde ich nur sagen: Am besten sind eigentlich Filme, die ich als Vater Lust habe, mit meiner Tochter anzugucken. Zum Beispiel 'Pumuckl' mag ich mir ganz gern mit ihr anschauen, während 'Benjamin Blümchen' ich nur grässlich finde – aber die Kinder finden den toll."

Interview: Christel Strobel / Hans Strobel

 

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