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Ausgabe 74-2/1998

DANNYS MUTPROBE

THE CLIMB

Produktion: Ellipse Programme / Isambard Productions; Frankreich / Neuseeland 1997 – Regie: Bob Swaim – Drehbuch: Vince McKewin – Kamera: Allen Guilford – Schnitt: Marie-Sophie Dubus – Musik: Greco Casadesus – Darsteller: John Hurt (Chuck Langer), Gregory Smith (Danny Himes), David Strathairn (Earl Himes), Stephen McHattie (Jack McLastin), Seth Smith (Andy Sweeney), Sarah G. Buxton (Ruth Langer) u. a. – Länge: 98 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Ellipse Programme, 36 bd. de la Bastille, F-75012 Paris, Tel.: 0033-1-44 74 32 35, Fax: 0033-1-44 74 32 21 – Vertrieb in Deutschland: Atlas Film + Medien GmbH & Co. KG, Ludgeristr. 14-16, 47057 Duisburg, Tel. 0203-3786262, Fax: 0203-3786200 – Altersempfehlung: ab 8 J.

"Mit großem handwerklichen Geschick und Liebe zum Detail versteht es der Regisseur, eine komplexe und persönliche Geschichte über das Verständnis zwischen den Generationen zu erzählen", so formuliert es die Jury des 21. Kinder-Filmfestes in Berlin, die an "Dannys Mutprobe" den UNICEF-Preis für den besten Spielfilm vergab. Tatsächlich hat Bob Swaim in seinem Film wichtige lebensphilosophische Fragen in eine spannende Geschichte eingebunden. Der zwölfjährige Danny und der alte Mr. Langer lernen sich in einem amerikanischen Provinznest der 50er-Jahre auf höchst ungewöhnliche Weise kennen: Ein Pfeil, der beim Bogenschießen sein Ziel verfehlt, verwundet den alten Mann im Krankenbett. Der Unfall führt zwei Außenseiter zusammen, die beide in einer entscheidenden Lebensphase stecken. Während Langer zum Sterben in sein Heimatstädtchen zurückgekehrt ist, muss sich Danny beweisen, dass er ein ganzer Kerl ist. Als Wiedergutmachung für seinen verhängnisvollen Bogenschuss soll Danny für einige Tage den Alten pflegen. Statt sich auf seine große Mutprobe, nämlich auf einen abrissreifen Sendemast hinaufklettern, vorbereiten zu können, muss sich der Junge recht drastische Sprüche über die Religion, den Krieg und das Leben überhaupt anhören. Wenn er sich zunächst vor Langers Krankheit und dessen Sprüche fürchtet, so merkt er bald, dass er durch den Alten zunehmend mehr von der ihn umgebenden Welt versteht. Das ist plötzlich jemand, der sich an Tabugrenzen der kleinbürgerlichen Gesellschaft heranwagt. Der eigentliche Antrieb für Dannys selbst gewählte Mutprobe kommt daher, dass sein Vater, da er nicht als Soldat im Krieg war, als Feigling betrachtet wird. Dem Jungen ist das peinlich. Langer ist nun der erste in seinem Leben, der vermeintliches kriegerisches Heldentum in Frage stellt.

Für den Zuschauer werden durch eine geschickt eingeflochtene Nebenhandlung die Worte des Alten nochmals anschaulich. Der, der sich im Ort als größter Kriegsheld darstellt, erschreckt in der Nacht seine Nachbarn durch Schüsse in die Luft. Als Dannys Vater endlich den Mut findet, den Schützen zur Rede zu stellen, bricht der zusammen und erklärt verzweifelt, dass er auf Gott schieße, weil der soviel junge Männer hat elend im Dschungel sterben lassen. Auch andere existenzielle Momente des Lebens werden im Film angesprochen. Langer möchte nicht langsam vor sich hin sterben. Er bittet Danny, ihm eine Pistole zu besorgen. Damit steht die Frage nach einem würdigen Tod, aber auch die nach der Rechtmäßigkeit eines Selbstmordes im Raum. Eine Entscheidung diesbezüglich bleibt dem Jungen erspart. Er selbst ist es, der unbewusst den Alten von seinen trüben Gedanken ablenkt. Mit der Mastbesteigung hat sich Danny etwas vorgenommen, was vor ihm noch niemand geschafft hat. Solche Zielstrebigkeit beeindruckt Langer. Durch den Umstand, dass sich Danny die Hand gebrochen hat, bekommt er als ehemaliger Brückenbauingenieur die Chance, dem Jungen bei seinem Plan zu helfen. Er entwickelt eine Konstruktion, mit der Danny auch ohne zu klettern zur Mastspitze befördert wird. In der entscheidenden Nacht funktioniert das trotz Gewitter auch sehr gut. Ein kleiner Berechnungsfehler führt aber dazu, dass Danny kurz vor Erreichen seines Ziels hängen bleibt und nun weder vor noch zurück kann. Mit einer dramatischen Rettungsaktion holt Dannys Vater seinen Jungen schließlich vom Mast.

Obwohl Swaim gerade in der letzten Phase des Films mit Erfolg auf actionreiche Unterhaltungselemente setzt, geht von seiner Botschaft nichts verloren. Im Gegenteil, auch diese Einstellungen dienen wieder als Metapher für die davor diskutierten Themen. Dannys Vater hat nachgewiesen, dass als Mutbeweis keine fragwürdigen Kriegsabenteuer notwendig sind. Langer ist in Würde gestorben, weil er durch eine Aufgabe plötzlich keine Zeit mehr hatte, sich selbst zu bedauern. Danny schließlich ist reifer geworden, weil er sich Ziele gesetzt hat, die sich aus der Durchschnittlichkeit heraushoben.

Klaus-Dieter Felsmann

 

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