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Ausgabe 74-2/1998

HÄRTETEST

Produktion: Lichtblick in Koproduktion mit dem NDR; Deutschland 1997 – Buch und Regie: Janek Rieke – Kamera: Florian Ballhaus – Schnitt: Brigitte Kirsche, Margot Neubert – Musik: Jan Dvorák – Darsteller: Janek Rieke (Jonas), Lisa Martinek (Lena), Gerhard Garbers (Vater), Katrin Saß (Mutter), Sebastian Münster (Thilo) u. a. – Länge: 79 Min. – Farbe – Verleih: Jugendfilm, im Vertrieb von Nil-Film, München (35 mm); KJF-Medienverleih (Video) – Altersempfehlung: ab 14 J.

Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Janek Rieke (Jg. 1971) greift in seiner erfrischenden Beziehungskomödie "Härtetest" Motive aus seinem Video-Spielfilm "Die letzten Helden" wieder auf, mit dem er bereits 1990 einen Hauptpreis beim Bundeswettbewerb "Jugend und Video" gewann. "Härtetest", sein erster 'richtiger' Langspielfilm, erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen dem Muttersöhnchen Jonas und der radikalen Öko-Aktivistin Lena und handelt von den vielfältigen Schwierigkeiten, den eigenen Weg im Leben zu finden. Der Film (mit Gastauftritten der Regisseure Hark Bohm und Alexander Mitta) kam beim Publikum – u. a. beim Ophüls-Wettbewerb in Saarbrücken – so gut an, dass er nun auch regulär in die Kinos kommt.

Jonas ist 26, wohnt aber noch wohlbehütet im "Hotel Mama" bei seinen Eltern. Er guckt keine Horrorfilme, fürchtet sich vor Schlangen, fährt vorsichtig Auto und nimmt keine Drogen. Später soll er einmal das Geschäft seines Vaters übernehmen, der es als Reeder zu Reichtum und Ansehen gebracht hat. Als ihn seine Freundin verlässt, weil sie ihn für den größten Feigling aller Zeiten hält, versteht Jonas die Welt nicht mehr. Seine Freunde raten ihm vergeblich, sich einfach eine andere zu suchen. Doch dann trifft er Lena, die das genaue Gegenteil von ihm ist, und verliebt sich in sie. Aber für diese Liebe muss er kämpfen, und das liegt eigentlich nicht in seiner Natur. Lena fordert von ihm den Beweis, dass er kein "Weichei" ist, und spannt ihn für ihre radikalen Aktivitäten im Kampf für eine bessere Umwelt ein. Aber auch mit einem eifersüchtigen Nebenbuhler, mit schlecht gelaunten Skinheads und schließlich mit seinen Eltern muss sich Jonas auseinandersetzen, bis die beiden wirklich zueinander finden können.

Bereits die Eingangssequenz, in der Jonas als Off-Erzähler sein bisheriges Leben Revue passieren lässt, nimmt derart für diesen jugendlichen Antihelden ein, dass man ihm im weiteren Verlauf des Films einige "Fehler" gerne nachsieht, was ja auch Lena und seine Freunde tun. Überhaupt gelingt es dem Film auf sympathische Weise, in allen Personen neben ihren lustvoll herausgearbeiteten Schwächen auch ihre positiven Seiten zu entdecken. Die Mutter, die ihren Sohn nicht loslassen kann, der auf seinen Sohn eifersüchtige Vater, der Jonas sogar schlagen will, als er beinahe vor dem geschäftlichen Ruin steht, sie lieben letztlich ihr Kind. Und selbst bei den üblen Skinheads findet der Regisseur am Ende noch ein Stück Menschlichkeit in einem visuellen Traumbild, obwohl sie gerade eine Vergewaltigung versucht hatten. Durchgängig hält sich auch das dramaturgische Stilprinzip, bei jeder drohenden Katastrophe den Zufall in Form des einfallsreichen Drehbuchs zu Hilfe kommen zu lassen und damit die wirkliche Eskalation von Konflikten strikt zu vermeiden. Geradezu Slapstick reif ist, wie Jonas gewaltlos und fast ohne Energieaufwand mit einer ganzen Horde von Skinheads fertig werden muss, die ihm auch kräftemäßig weit überlegen sind.

Solche Unwahrscheinlichkeiten am laufenden Band tun dem Film keinen Abbruch, geht es doch in dieser Komödie trotz vieler Identifikationsmöglichkeiten und vielleicht auch Erinnerungen an die eigene Biografie weniger um das reale Leben, als um ein nachvollziehbares Spiel mit Rollenbildern und die oft tragikomischen Versuche, den Fußangeln des Lebens aus dem Weg zu gehen und erwachsen zu werden. Problemlösungen in Rambo-Manier schließt der Film aus, und selbst ein Weichei darf man schließlich sein, wenn man sich wenigstens Mühe gibt, es nicht zu sein.

Holger Twele

 

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