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Ausgabe 74-2/1998

"In die Historie bin ich gegangen, weil ich vor solchem Hintergrund die Charaktere besser herausarbeiten konnte"

Gespräch mit Nicholas Kendall aus Kanada, Regisseur des Films "Kayla"

(Interview zum Film KAYLA)

Die kanadisch-deutsche Koproduktion "Kayla" lief im Wettbewerbsprogramm des diesjährigen KinderFilmfestes Berlin und wird beim 16. Kinderfilmfest /Filmfest München 1998 in der Reihe Münchner Erstaufführungen zu sehen sein. Die Geschichte des Films spielt im Norden von Kanada am Anfang des Jahrhunderts und handelt von einem Zwölfjährigen, der auf die Rückkehr seines vor Jahren im Eis verschollenen Vaters hofft. In einem der Wolfshunde, die um das Haus schleichen, glaubt er den Schlittenhund Kayla zu erkennen, den der Vater seinerzeit auf seine Expedition mitgenommen hatte. Sam zähmt das Tier und gewinnt mit ihm und mit Hilfe des Nachbarmädchens Jaynie, das ihm einen Rennschlitten gebaut hat, das Schlittenrennen in der Stadt.

Das nachfolgende Interview mit Nicholas Kendall (geb. 1949 in Manchester) fand im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin im Februar 1998 statt.

KJK: Sie kommen eigentlich aus England, sind dann nach Kanada gegangen ...
Nicholas Kendall: "Als ich neun Jahre alt war, emigrierte meine Familie nach Kanada. Ich habe dort die Schule besucht und anschließend Theaterwissenschaften studiert. Dann ging ich nach London und habe dort Film studiert. Anschließend arbeitete ich erneut in Kanada als Dozent für Dokumentarfilm und Kamera, machte Filme für das Fernsehen und drehte 1992 mit 'Cadillac Girl' meinen ersten Spielfilm."

War es die Faszination von kanadischer Kultur, die Sie zu Ihrem nächsten Spielfilm, "Kayla", inspiriert hat?
"Das kann man so nicht sagen. Für mich ist das eine universelle Geschichte. Sie könnte heute oder vor 20 Jahren spielen. In die Historie bin ich gegangen, weil ich vor solchem Hintergrund die Charaktere besser herausarbeiten konnte. Das Leben war damals härter. Der Schnee war noch eine elementare Herausforderung. Unter solchen Rahmenbedingungen konnte ich bei dem, was ich über die Leute erzählen wollte, besser auf den Punkt kommen. Es war die harte Situation, die mich interessierte, und nicht ein folkloristischer Hintergrund. Für die Kinder wollte ich zeigen, wie sich Menschen entwickeln. Gehen sie aufeinander zu oder verschließen sie sich oder können sie sich unter bestimmten Bedingungen auch ändern."

Trotzdem, Sam kommt von der Stadt aufs Land. Ist hier nicht auch eine Auseinandersetzung zwischen moderner Zivilisation und traditioneller Lebensweise angelegt?
"Sicher spielt das eine Rolle. Doch vordergründig ist die Frage, wie findet Sam ein Verhältnis zu seinem neuen Vater, wie geht er mit seinem Egoismus im Verhältnis mit Jaynie um, oder wie findet er Vertrauen zu seiner Mutter, die ihn ja wegen seines eigentlichen Vaters belogen hat. Jaynie und ihr Vater müssen über den Tod der Mutter und Frau hinwegkommen. Führt das zu Verbitterung oder erwachsen hier neue Kräfte für die Bewältigung des Lebens. Um das alles zu zeigen, habe ich den Hintergrund in gewisser Weise schwarz-weiß gezeichnet. So denke ich, werden die menschlichen Beziehungen für die Kinder darstellbar."

Sam ist ein ungewöhnlicher, sehr in sich ruhender Junge. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm und den anderen Darstellern?
"Mein Motto ist, dass ich mir beim Casting sehr viel Zeit lasse. Ich muss sehr viele Kinder sehen. Dann stelle ich die Auswahl immer wieder in Frage. Dabei musste ich einige gute Sams weglassen. Wenn die Kinderdarsteller passen, dann muss auf die Konstellation zu den erwachsenen Schauspielern gesehen werden. Beim Drehen lege ich auf Teamwork Wert. Obwohl ich die Linie nie aus der Hand gebe, möchte ich alle Darsteller in die Überlegungen einbeziehen. Mit Stars ist das manchmal schwierig. Die sind sauer, wenn es nicht so gemacht wird, wie sie es sich denken. In diesem Fall ging das mit Henry Czerny, der Sams neuen Vater spielt, und Brian Dooley als August sehr gut. Sie haben sich zwar geäußert, aber nicht dominiert."

Hier muss sich natürlich die Frage nach den Hunden anschließen. War die Arbeit mit ihnen sehr schwierig?
"Zunächst einmal war der Hundetrainer hervorragend. Aber auch 'Alaska', so heißt der Filmhund 'Kayla' wirklich, war ausgesprochen begabt. Wir brauchten für ihn kein Double. Unterschätzt hatte ich die Szene, wo der Hund allein im Bild ist. Irgendwo muss der Trainer stehen, um dem Tier seine Befehle zu geben. Dabei darf er aber nicht ins Bild kommen."

Bei den Kostümen haben Sie fast eine stilisierte Ausstattung. Jeder Darsteller wird bereits durch die jeweilige Kleidung charakterisiert.
"Wir hatten mit Nicoletta Massone aus Italien eine sehr gute Kostümbildnerin. Sie hat lange alte Vorlagen studiert und dann die Kleidung sehr genau den einzelnen Darstellern zugeordnet. Ein Problem war übrigens, dass die Originalkleidung lange nicht so warm ist wie heutige Sachen. Die Darsteller haben ganz schön gefroren."

Faszinierend sind auch die winterlichen Aufnahmen. Es wird das Gefühl vermittelt, dass diese Jahreszeit eine große Rolle für die Geschichte spielt.
"Ja, der Winter war ein Hauptdarsteller. Es musste kalt sein. Dadurch wird die Handlung in Bewegung gesetzt. Wer aber einen solchen Hauptdarsteller hat, braucht Geld und Geduld."

Dass Sie Geduld haben, glaube ich Ihnen sofort. Wie sind Sie aber an das Geld für den Film gekommen?
"Das war eine Mischfinanzierung. Wir haben etwa 2,9 Millionen kanadische Dollar, das entspricht etwa einer ähnlichen Summe in Mark, gebraucht. Dieses Geld kam vom staatlichen Filmfonds, vom Fernsehen, von einem Verleih und auch von der deutschen Firma Taurus."

Läuft der Film in Kanada im Kino?
"Ja, er wird kommen. Doch es ist wie überall, die Leinwände sind mit amerikanischen Produktionen voll. Ich weiß nicht, wie lange mein Film gezeigt werden kann. Allerdings wird er auch im Fernsehen laufen."

Interview: Klaus-Dieter Felsmann

 

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