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Ausgabe 74-2/1998

"Ich habe alles gut verkraftet"

Rosi Schindler, 31, Bürokauffrau, denkt zurück an das Jahr 1980, Höhepunkt war die Premiere des Films "Rosi und die große Stadt" im Berliner Zoopalast. Sie spielte die Hauptrolle und fühlte sich nur in diesem Moment ein wenig als Star.

(Interview zum Film ROSI UND DIE GROSSE STADT)

KJK: Wie ist das echte Münchner Kindl Rosi Schindler zum Film gekommen?
Rosi Schindler: "Einfach so, per Zufall. Gloria Behrens, die in derselben Siedlung wohnt wie meine Eltern, hat mich engagiert. Ich glaube, Gloria Behrens hatte das Drehbuch mehr oder weniger für mich geschrieben, vom Typ her. Ich war als Kind oft in ihrem Garten, sie hat mich kennen gelernt, meine ganze Art. Sie hat mir von ihrem Drehbuch erzählt. Ich hatte schon vorher bei ihr mitgespielt, einmal mit meiner besten Freundin. 'Moni' hieß der Film, meine Freundin hatte die Hauptrolle, ich eine kleine Nebenrolle. Das hat Spaß gemacht, war interessant."

Und dann bekamen Sie eine Hauptrolle, neben Gerhard Polt, der Rosis Vater spielte und Django Edwards als Englischlehrer, gedreht wurde in Berlin. War das nicht ein tolles Gefühl?
"Ich weiß das alles nicht mehr so genau ..."

Besteht noch Kontakt zu Gloria Behrens?
"Ja, wir sehen uns ab und zu, auch bei Wiederaufführungen, und verstehen uns auch heute noch."

Wie war das damals in der Schule, in der Clique, ist bei den anderen Kindern da nicht so etwas wie Neid aufgekommen?
"Nein, das war problemlos. Ich hatte keinen Spleen oder so was, bin total auf dem Teppich geblieben. Aber ein bisschen bewundert haben sie mich schon, na klar."

Kam die große Leere nach dem Drehen, das berühmte Loch, in das man fällt nach so einer Arbeit? Immerhin standen Sie monatelang im Mittelpunkt.
"Ich bin zurück zu den Eltern, die stolz auf mich waren, zurück in meine Klasse, und alles ging normal weiter."

Wie haben Sie die Premiere im Berliner Zoopalast in Erinnerung?
"Ich glaube, ich bin extra hingeflogen. Das Kino war total voll, das war dann schon ungewöhnlich, irgendwie einmalig, aber ich habe alles gut verkraftet, absolut positiv."

Wollten Sie nach diesem Erfolg Schauspielerin werden?
"Nein, die Idee hatte ich nicht. Ich habe es ausprobiert, es war toll."

Hat unter der Filmarbeit die Schule gelitten?
"Ja, vielleicht ein wenig. Ich bin schon ein paar Monate vor Drehbeginn nach Berlin gegangen für die Vorbereitung. Dort ging ich auch in die Schule, und die Produktion hatte einen Privatlehrer organisiert."

War das Schauspielern, Darstellen, schwierig?
"Nein, ich konnte es spielend, weil es wirklich so war. Ich war das erste Mal in Berlin, alles war neu für mich und ich hatte in der ersten Zeit Heimweh. Ist doch klar. Ich war ein Kind und so lange von zu Hause weg. Aber jedes zweite Wochenende flog ich nach München."

Wo waren Sie während der Drehzeit in Berlin untergebracht?
"Ich wohnte bei der jungen Familie des Beleuchters. Zu denen bestand noch länger Kontakt. Es wurde nicht jeden Tag gedreht, so hatten wir Zeit, durch die Stadt zu stromern. Die Frau des Beleuchters hat mir viel gezeigt, das war schon neu für mich, allein vom Alter her, in irgendeine Kneipe gehen, Punker treffen ... Auch außerhalb des Drehens war es interessant."

Mussten Sie Ihren Text auswendig lernen?
"Das war alles sehr locker und auch mir überlassen. Man musste nicht wortwörtlich sagen, was im Drehbuch stand, nicht auswendig lernen, halt sinngemäß. Es wurden ja sowieso immer nur kurze Teile gedreht, und singen ging mit Playback. Eigenes habe ich rein gebracht, habe gesagt, so wie ich es halt sage."

Ist zwischen den Mädchen Rosi, Jutta und Ayla eine Freundschaft entstanden, wie im Film?
"Während des Drehens ja, danach noch eine Zeit, aber dann hat es sich aufgelöst. Und Gerhard Polt als mein Vater, das war super, ein ganz toller Mensch, seitdem habe ich ihn aber nicht wieder gesehen, leider. Aber Django Edwards. Er ist ab und zu in München zu einem Gastspiel, dann gehe ich hin."

Kann er sich an Sie erinnern?
"Na klar!"

Wie sehen Sie heute aus der Distanz diese "Kinderarbeit" beim Film?
"Es war eine schöne Zeit, unvergessen, anstrengend auch, jeden Tag arbeiten, lernen. Die schulischen Leistungen haben wie gesagt ein bisschen nachgelassen, aber nur kurzzeitig. Das ist es allemal wert."

Kann es eine Gefahr für Kinder sein, eine Hauptrolle beim Film zu spielen und dann wieder ins normale Leben zurückkehren müssen?
"Eine Gefahr? Damals sicher nicht. Vielleicht heute. Es kann sein, dass manche Kinder ein bisschen abheben, weil die Medien ja ganz anders sind als früher, aggressiver, präsenter. Ich war doch kein Star ..."

Würden Sie Kindern heute von der Filmarbeit abraten?
"Nein, warum denn? Jedes Kind, das die Möglichkeit dazu hat, soll es probieren. Es ist bestimmt eine interessante Erfahrung. Sicher, es gibt manches, was auch mir nicht so gepasst hat, die Rock'n Roll-Einlagen zum Beispiel. Ich bin halt keine Tänzerin, da musste ich üben. Aber es ging schon. Als Kind sieht man das lockerer. Es passierte nichts gegen das eigene Wesen, alles war mit meinem Einverständnis und in Abstimmung mit mir."

Und die Gage, zehntausend Mark, was macht ein Kind mit soviel Geld?
"Für ein Kind mit elf Jahren ist das ein großer Batzen. Ich habe es meinem Vater geliehen. Er hat's gebraucht für eine Hypothek. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mir irgendetwas Besonderes gekauft habe, offene Wünsche hatte ich nicht. Das Geld hatte keine Bedeutung für mich, es war mir wurscht, ob es auf der Bank liegt oder sonst wo. Meinem Vater hat es gut getan."

Was ist geblieben?
"Eine schöne Erinnerung – und der Film."

Interview Gudrun Lukasz-Aden

 

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