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Ausgabe 76-4/1998

GEVATTER TOD

Produktion: Fernsehen der DDR, 1980 – Regie: Wolfgang Hübner – Buch: Wera und Claus Küchenmeister, nach dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm – Kamera: Hans-Jürgen Sasse – Schnitt: Karin Kusche – Musik: Karl-Ernst Sasse – Darsteller: Dieter Franke (Gevatter Tod), Jan Spitzer (Jörg), Hannes Fischer (Bürgermeister), Janina Hartwig (Barbara), Erika Pelikowsky (Muhme Ursel), Bert Paul (Stanislaus) u. a. – Länge: 75 Min. – Farbe – Verleih: Progress (35mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Es ist Sommer. Ein ärmlich gekleideter Mann läuft durch die Felder auf der Suche nach einem Paten für sein Neugeborenes, das 13. Kind. Bei den Menschen in seiner Umgebung, die ebenso arm sind wie er selber, kann er niemanden finden, der Verantwortung für den Lebensweg des kleinen Jörg übernimmt. Gott und Teufel, die ihre Dienste anbieten, lehnt der Vater ab. Da kommt eine kraftvolle, Vertrauen erweckende männliche Gestalt auf einem behäbigen Ochsen des Weges. Es ist der Tod, kein Wesen, das Angst und Schrecken auslöst, sondern ruhige Gewissheit ausstrahlt. Er soll der Gevatter für den Sohn sein, denn der Tod erscheint dem Vater als die einzige Gerechtigkeit in diesem ungerechten Leben: Denn vor dem Tod sind alle gleich, ob arm oder reich.

Jörg reift heran. Da er alle Heilkräuter seiner Heimat kennt, bestimmt der Gevatter ihn zum Medicus. Mit dem Auftrag, die Kunst des Heilens zu erlernen und mit der Ermahnung, am Ende eines jeden Lebens den Tod zu akzeptieren, schickt er ihn zum Studium in ferne Länder. Gut ausgebildet kehrt Jörg zurück und lässt sich in der aufstrebenden Reichsstadt Görlitz nieder. Als er ein Kind vor dem Erstickungstod rettet, ist der Gevatter, der am Kopfende des kleinen Patienten gestanden hat, zufrieden. Wenn er an den Füßen des Kranken steht, bedeutet das den Tod. Das weiß Jörg. Ein Wissen, das er dennoch eines Tages missbraucht. Er rettet dem todgeweihten Bürgermeister das Leben aus egoistischen Motiven und legt damit den Grundstein für seinen Ruhm und Reichtum. Der Tod warnt ihn, noch einmal gegen die Regeln zu verstoßen. Als die Pest in die Stadt kommt, respektiert Jörg den Tod, so weh es ihm auch tut, dass der kleine Stanislaus seine Mutter verliert. Jörg nimmt den Jungen bei sich auf. Als aber das Leben der Bürgermeistertochter Barbara, der sein Herz gehört, durch eine plötzliche Krankheit auf dem Spiel steht und ihm bei deren Heilung das Glück winkt, streut er alle Bedenken in den Wind  und wendet seine List erneut an. Zum zweiten Mal hat sich Jörg schlauer als der Tod gewähnt, einmal zu viel. Der Gevatter, von Herzen gut, führt ihn an den Fluss des Lebens draußen vor den Toren der Stadt. Hier erst begreift Jörg die Unabwendbarkeit und Unbestechlichkeit des Todes.

Diese Szene gehört zu den stärksten dieses sorgfältig inszenierten Films nach dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm, dessen Handlung im Mittelalter angesiedelt ist. Mit großer Aufrichtigkeit, klarer Sprache, symbolhaften Bildern und tiefer Weisheit wird die Geschichte erzählt. Die Autoren Wera und Claus Küchenmeister ließen sich von einem Gedicht aus dem Mittelalter dazu inspirieren, dem Tod ein menschliches Antlitz zu verleihen, nicht Furcht, sondern Vertrauen einflößend. Der Tod als Teil eines natürlichen Kreislaufs. "Gevatter Tod" ist 1980 als Produktion des Fernsehens der DDR im DEFA-Studio für Spielfilme Babelsberg entstanden mit der Intention, auch Kindern zu vermitteln, dass Geburt, Leben und Tod zusammengehören. Die Filmautoren stellen sich mit dieser Geschichte einem schwierigen Thema, weichen nicht in religiöse Deutungen und Erklärungen ab, sondern machen die Verantwortung des einzelnen bewusst und zeigen Grenzen menschlicher Einflussnahme auf. Und damit ist der Film von immerwährender Aktualität.

Die einzelnen Figuren und Schauplätze sind mit Bedacht gewählt und ausgefeilt worden, und auch der Kern des Märchens ist erkennbar geblieben, wie die folgende Kinderkritik bestätigt: "Ich kannte das Märchen schon und fand es ganz toll. Und der Film war auch gut. Die Geschichte des Märchens war nicht irgendwie verändert und man hat alles wieder erkannt. Außerdem waren die verschiedenen Personen (fast alle) genau so dargestellt, wie ich sie mir, als ich das Märchen gelesen habe, auch vorgestellt habe." Das schrieb die 13-jährige Marianne, die den Film 1981 im Kinderkino München gesehen hat. Lobenswert, dass Progress-Film "Gevatter Tod" wieder ins Kino bringt, nachdem er beim Filmfest München 1998 als "Filmische Entdeckung" große Beachtung fand.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 76-4/1998 - Hintergrund - "Gevatter Tod" – Beispiel einer filmischen Adaption

 

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