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Ausgabe 76-4/1998

SMOKE SIGNALS

Produktion: Shadow Catcher Entertainment, USA 1998 – Regie: Chris Eyre – Drehbuch: Sherman Alexi – Kamera: Brian Capener – Schnitt: Brian Berdan – Musik: BC Smith – Darsteller: Adam Beach (Victor Joseph), Evan Adams (Thomas Builds-the-Fire), Irene Bedard (Suzy Song), Gary Farmer (Arnold Joseph), Tantoo Cardinal (Arlene Joseph) u. a. – Länge: 88 Min. – Farbe – Verleih: Arthaus (35 mm) – Altersempfehlung: ab 12 J.

Ein "waschechter Indianerfilm", doch nicht im üblichen Sinn: "Smoke Signals" ist einer der ersten amerikanischen Spielfilme, in dem Indianer auch hinter den Kulissen die Hauptrollen spielen und die an der Kinokasse Erfolg haben dürften. Sherman Alexi vom Stamm der Spokane und Coeur D'Alene, der das Drehbuch schrieb, gilt als einer der prominentesten Indianerschriftsteller der Gegenwart, während der 28-jährige Regisseur Chris Eyre vom Stamm der Cheyenne/Arapaho damit sein Spielfilmdebüt gab.

Die Story vermittelt einesteils viel von den Identitätskonflikten vieler amerikanischer Ureinwohner, die häufig in Reservate abgedrängt und dem Land ihrer Väter und Ahnen entwurzelt wurden. Andernteils wird aber auch ein nahezu universeller Vater-Sohn-Konflikt erzählt, die Geschichte zweier junger Menschen auf der Suche nach einer väterlichen Leitfigur. Für den einen ist es der vor Jahren spurlos verschwundene Vater, für den anderen eine Art Ersatzvater und Lebensretter. Eines Tages erhält dessen Familie die Nachricht von seinem Tod. Der leibliche Sohn Victor Joseph, inzwischen zum geachteten jungen Mann gereift und Basketballstar seines Stammes, macht sich von Idaho auf den Weg ins ferne Arizona, um dort die Urne mit der Asche des Verstorbenen abzuholen. Er wird von seinem eher schwächlichen Freund Thomas Builds-the-Fire begleitet, der mit seiner Brille mal naiv, mal eher intellektuell wirkt und gar zu gern wissen möchte, wie er ein besserer Indianer werden kann.

Victor kann seinem Vater nicht verzeihen, dass dieser ihn und die Mutter damals einfach sitzengelassen hat, offenbar weil er mit sich und seinem Selbstwertgefühl als Indianer nicht mehr klar kam. Thomas hingegen hegt eher positive Gefühle und Erinnerungen gegenüber diesem Arnold Joseph und ist ihm dankbar, weil er von ihm als Baby in letzter Minute aus einem brennenden Haus gerettet wurde, in dem die leiblichen Eltern umkamen. Wie sich in vielen Rückblicken, Erinnerungsfetzen und in den Gesprächen zwischen den beiden ungleichen Reisenden herausstellt, war Victors Vater an diesem Unglück aber nicht ganz unschuldig und verkraftete es nicht, damals falsch reagiert zu haben. In der direkten Konfrontation mit dem schäbigen Wohnwagen des Verstorbenen, seinen Erinnerungsstücken und den Erzählungen seiner jugendlichen Lebensgefährtin Suzy Song müssen beide Jungen ihr Bild im Kopf von der Vaterfigur korrigieren und lernen dabei, sich und ihr eigenes Schicksal besser zu verstehen und zu akzeptieren.

"Smoke Signals" macht mit fremden Welten vertraut, schafft Verständnis und wirbt dabei gerade in der jüngeren Generation um Verständigung zwischen den Kulturen und Generationen. Er weckt Interesse für die Indianer heute, statt ein abenteuerliches Indianerbild früherer Zeiten zu reproduzieren oder die Lebensumstände der Gegenwart anzuklagen, versöhnt damit nicht nur mit den Vätern, sondern auch mit der Vergangenheit und der Geschichte des Volkes. Besonders gelungen sind die gegensätzlich angelegten Charaktere der beiden Hauptfiguren, aus denen der Film in seinen Dialogen großen Sprach- und Wortwitz entwickelt und sich fast nebenher auch noch über die Kinoklischees des Indianers in Kriegsbemalung und Lendenschurz lustig macht. So kann der friedfertige Thomas einmal nicht begreifen, warum er als Abkömmling einer Fischerfamilie unbedingt wie ein Krieger aussehen soll, und als die beiden im Fernsehen einen typischen Indianerfilm im Fernsehen sehen, heißt es: "Das einzige, was lächerlicher ist als Indianer im Fernsehen, sind Indianer, die sich Indianer im Fernsehen ansehen."

Holger Twele

 

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