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Ausgabe 54-2/1993

FRANKIE, JONNY UND DIE ANDEREN

Produktion: Trans-Film und Viet-Filmproduktion mit WDR, SWF und BR, Bundesrepublik Deutschland 1993 – Regie und Buch: Hans-Erich Viet – Kamera: Sophie Maintigneux – Musik: Kambiz Giahi – Darsteller: Detlef Kuper (Frankie), Paul Herwig (Jonny), Marco Meulenkamp (Max), Claudia Meyer (Alice) u. a. – Länge: 90 Min. – Farbe – Verleih (35mm): z. Zt. noch offen, Anfrage bei: Trans-Film GmbH, Merseburger Str. 3, 1000 Berlin 62, Telefon 030/7842057, Fax 7811032

In Ostfriesland ist nicht gerade der Bär los. Für Jugendliche bleibt nur der Suff in der Eckkneipe, das sinnlose Autofahren auf Landstraßen oder ein paar tumbe Dorffeste, die auch nicht gerade als Exponent einer dynamischen Jugendkultur gelten. So langweilen sich auch Frankie und seine fünfköpfige Gang. Die 17-18-Jährigen möchten etwas erleben. Nur was? Bei einem Einbruch in einen Spielwarenladen erbeuten sie ein paar japanische Schwerter und Kampfanzüge. Für Frankie ist das der Auslöser, eine schlagkräftige Truppe von Ninja-Kämpfern auf die Beine zu stellen. Im Wattenmeer wird jetzt hart trainiert und fernöstliche Meditation versucht, auch wenn die Jugendlichen eigentlich wenig von Ninja-Weisheiten aus dem Japan des 15. Jahrhunderts begreifen. Als sie dann noch aus einer Disco geworfen werden und Jonny sich mit dem Auto und einem Mädchen verzieht, droht die Gruppe auseinander zu brechen. Um das Gruppengefühl wieder zu stärken, plant Frankie eine neue Aktion, die aber misslingt ...

Hans-Erich Viet, Co-Regisseur von Detlev Bucks "Karniggels" und für seine Dokumentation "Schnaps im Wasserkessel" 1991 mit dem "Förderpreis der Deutschen Filmkritik" in Duisburg und 1992 mit dem "Adolf-Grimme-Preis" in Bronze ausgezeichnet, entwirft mit hintergründigem Humor und differenziertem Blick für die einzelnen Charaktere das Lebensgefühl vieler Jugendlicher, zeigt ihre kleinen Fluchten aus der Trostlosigkeit eines genormten Alltags. Seine verlorenen Helden versuchen mit Abenteuer-Surrogaten ihrem Dasein einen Sinn zu geben. Wenn Frankie, der sensible Anführer der Truppe, die fernöstlichen Philosophien nachplappert, ohne sie wirklich zu verstehen, ist das ein zum Scheitern verurteilter Vorstoß, aus der Enge auszubrechen. Zudem haben die Bewohner Ostfrieslands wenig Sinn für Philosophien, die dann noch in Gewalt umschlagen. So enden die Jugendlichen auf der Polizeistation, nachdem sie einen Feuerwehrwagen angesteckt haben.

"Frankie, Jonny und die anderen" ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie man ohne Effekthascherei Spannung erzielen kann, wenn die Geschichte in sich stimmt. Und auch der trockene Humor dieses norddeutschen Landstrichs vermittelt sich in seiner speziellen Ausprägung, wenn die Bewohner ohne ein Wort oder eine Geste zuviel auf den Punkt kommen. Hans-Erich Viet, selbst aus Ostfriesland stammend, will Gewalt zeigen, die sich allmählich aus einem Alltag entwickelt, der Sehnsucht nach Veränderung, Leere und sinnlose Aggression provoziert. Von dem derzeit bei Filmemachern beliebten Trend, rechts-extreme Jugendliche als Sujet zu nehmen, hält er nicht viel, "da die Realität den Film schon einholt, bevor er abgedreht ist". Bis auf einen Darsteller, Paul Herwig, arbeitete er mit Laiendarstellern aus der Region, was dem Film zusätzliche Authentizität verleiht. Dieser unterhaltende und gleichwohl kritische Film unterscheidet sich wohltuend von den pseudo-ambitionierten und pseudo-tiefgründigen deutschen Produktionen, die mit dem pädagogischen Zeigefinger winken, in der Hoffnung, die Fördergremien würden dieses mit barer Münze honorieren.

"Frankie, Jonny und die anderen", mit dem Preis des Saarländischen Ministerpräsidenten beim Filmfestival "Max Ophüls-Preis" 1993 ausgezeichnet, ist das, was im deutschen Kino oft fehlt: Intelligente Unterhaltung.

Margret Köhler

 

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