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Ausgabe 76-4/1998

TRÄUME BIS ANS ENDE DER WELT

DIGGING TO CHINA

Produktion: Moonstone Entertainment / Davis Entertainment Classics / The Ministry of Film; USA 1998 – Regie: Timothy Hutton – Buch: Karen Janszen – Kamera: Jörgen Persson – Schnitt: Dana Congdon, Alain Jakubowicz – Musik: Cynthia Millar – Darsteller: Kevin Bacon (Ricky Schroth), Mary Stuart Masterson (Gwen Frankovitz), Evan Rachel Wood (Harriet Frankovitz), Cathy Moriarty (Mrs. Frankovitz), Marian Seldes (Leah Schroth) – Länge: 98 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Arsenal (35mm) – Altersempfehlung: ab 12 J.

Es ist das Jahr 1969, die Zeit des Aufbruchs. Aber nicht in der amerikanischen Provinz. Dort herrscht noch der alte Mief, bleiben die verkrusteten gesellschaftlichen Strukturen bestehen. Die zehnjährige Harriet gilt bei ihren Klassenkameraden als unausstehlich, weil sie sich in eine Phantasiewelt flüchtet und für triviale Kindervergnügungen kein Interesse zeigt. Mal erwartet sie mit gepacktem Koffer UFOs und Aliens, dann gräbt sie einen Tunnel, um nach China zu kommen (der Originaltitel lautet "Digging to China"), ihrer Neugier sind keine Grenzen gesetzt. Das aufgeweckte Mädchen hängt an ihrer etwas angejahrten Mutter, die sich gerne ein Gläschen gönnt und sonst mit der älteren, leicht nymphomanen Tochter Gwen ein ziemlich heruntergekommenes Motel führt. Als eines Tages der geistig behinderte Ricky mit seiner Mutter im Motel absteigt, findet Harriet in ihm einen Freund, der ihr endlos zuhört und dem sie neue Worte beibringt, mit dem sie lachen und in andere Welten flüchten kann. Den 30-Jährigen betrachtet sie quasi als gleichaltrigen Spielgefährten.

Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter erfährt Harriet ein gut gehütetes Familiengeheimnis: Die ungeliebte Schwester Glen ist ihre eigentliche Mutter. Aus Scham, im Alter von sechzehn ein uneheliches Kind zu bekommen, überließ sie die Kleine der Großmutter. Harriet ist geschockt und stößt Gwen von sich, zumal die ihr den Umgang mit Ricky, der in ein Heim kommen soll, verbietet. Die beiden Außenseiter schließen sich noch enger zusammen und eines Tages laufen sie einfach davon, verstecken sich. Doch Ricky wird krank, will zu seiner Mutter zurück. Das missglückte Abenteuer verbindet die beiden noch mehr, sie treffen sich im Geheimen. Die Situation eskaliert, weil Engstirnigkeit und Vorurteile unschuldiges Verhalten falsch interpretieren.

Das Spielfilmdebüt des amerikanischen Schauspielers Timothy Hutton mag vielleicht manchmal noch etwas hölzern sein (ein Dramaturg hätte sicherlich einige Holprigkeiten vermeiden können), überzeugt aber durch dichte Atmosphäre und Schauspieler, vor allem die junge Evan Rachel Wood, die aus über 130 Aspirantinnen ausgesucht wurde und ihre Rolle mit Lebendigkeit füllt. Sensibel zeichnet Hutton die Annäherung zwischen zwei Einzelgängern, die ohne Verständnis aufwuchsen und sich für einen Moment lang in ihrer emotionalen Einsamkeit treffen und gegenseitig Hilfe geben. Gegen den Optimismus des Mädchens, das glaubt, mit ihrer Kraft und ihrem Willen die Welt verändern zu können, steht die Wirklichkeit. Rührend vor allem die Szene, in der Harriet ewige Freundschaft schwören will und der Mann versucht, ihr die Hoffnungslosigkeit dieses Unterfangens zu erklären, weil er immer auf dem gleichen Status bleiben, sie aber erwachsen wird. Oder wenn Harriet auf einer "Hochzeit" mit Ring besteht und ihm dabei naiv einen Kuss gibt, nur den jetzigen Augenblick der kleinen Revolte spürt.

"Träume bis ans Ende der Welt" ist ein Film über das Ende der Kindheit und den ersten Schmerz der Trennung, die Rebellion gegen die hermetisch abgesteckte Erwachsenenwelt, aber auch die Betrachtung einer "Familie", die keine ist, auch wenn sich am Ende zwischen Glen und Harriet so etwas wie Verständigung und Sympathie anbahnt.

Margret Köhler

 

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KJK-Ausgabe 76/1998

 

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