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Ausgabe 76-4/1998

KAYLA

Produktion: Ciné Action / Taurusfilm GmbH & Co.; Kanada / Deutschland 1997 – Regie: Nicholas Kendall – Buch: Peter Behrens – Kamera: John Berrie, Jan Thijs – Schnitt: Claude Palardy – Musik: Milan Kymlicka – Darsteller: Tod Fennell (Sam), Meredith Henderson (Jaynie), Bronwen Booth (Althea), Brian Dooley (August) u. a. – Länge: 96 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Betafilm GmbH & Co., Robert-Bürkle-Str. 2, 85737 Ismaning, Tel. 089-9956 2321, Fax 089-9956 2703 – Altersempfehlung: ab 8 J.

Inhalt

Der Film spielt im Winter 1920/21 in Kanada. Nachdem die Mutter des zwölfjährigen Sam wieder geheiratet hat, ziehen beide in ihr neues Zuhause im Norden Kanadas. Sams Vater war ein berühmter Polarforscher, der von einer Expedition nicht zurückgekehrt ist. Dies möchte der Junge allerdings nicht wahrhaben; er glaubt nicht an den Tod seines Vaters. In seiner neuen Umgebung hat es Sam anfangs nicht leicht. Schon am ersten Schultag kommt es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Sam und seinen neuen Klassenkameraden, da sie am Tod von Sam's Vater nicht zweifeln. Vor allem Jaynie, die mit ihrem verwitweten Vater in der Nachbarschaft wohnt, ist sich dessen sicher und lässt dies Sam auch spüren. Als Sam die nächsten Tage wegen Krankheit im Bett bleiben muss, bringt ihm Jaynie die Hausaufgaben. Nach anfänglichem Desinteresse entdeckt Sam ein Paket in Jaynies Hand, eine von ihr selbst gebastelte Holz-Ente. Sam bewundert ihre handwerklichen Fähigkeiten im Umgang mit Holz, und es entwickelt sich ein freundschaftliches Gespräch zwischen ihnen. Zum Abschied schenkt Jaynie ihm die Ente, die erste Freundschaft ist geschlossen.

Eine weitere Freundschaft entwickelt Sam zu einem in der Gegend wildernden Hund, in dem er einen Leithund seines Vaters zu erkennen glaubt. Bei seinem Weg von der Schule nach Hause verfolgt er den Hund, wobei er einige Meter einen Abhang hinunterstürzt und erst einmal bewusstlos liegen bleibt. Der Hund, der ihn anfänglich angeknurrt hatte, beschnuppert ihn und versucht ihn aufzuwecken. Als Sam wieder zu Bewusstsein kommt, erschrickt er sehr, ist sich aber klar, dass dieser Hund ihm sein Leben gerettet hat. Er versucht, ihn mit nach Hause zu locken und gibt ihm den Namen "Kayla", nach dem Schlittenhund des Vaters.

Neben diesen beiden Freundschaften nehmen allerdings die Probleme in seiner neuen Familie zu. Sein Verhältnis zu seinem Stiefvater ist nicht so gut, da er ihn immer mit seinem eigenen Vater vergleicht. Die Mutter fühlt sich zwischen ihrem jetzigen Ehemann und Sam hin und her gerissen und spürt, wie sie den Zugang zu ihrem Sohn mehr und mehr verliert. Als sie zufällig die Aufzeichnungen ihres ersten Mannes findet, will sie diese eigentlich vernichten, um einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit zu ziehen. Sie entschließt sich jedoch, diese Notizen ihrem Sohn zu geben, um auf diesem Wege dessen Zuneigung wieder zu gewinnen. Interessiert studiert Sam die Aufzeichnungen, vor allem die detaillierten Skizzen seines Vaters von verschiedenen Hundeschlitten. Hierbei kommt ihm die Idee zur Teilnahme am jährlichen Hundeschlittenrennen des Dorfes, und gleichzeitig erinnert er sich an die handwerklichen Fähigkeiten von Jaynie, die er für seinen Plan gewinnen kann. Klar ist auch schon, wer die Schlittenhunde sein werden: Kayla und die beiden Haushunde des Stiefvaters.

Die Freundschaft zwischen Sam und Jaynie wird auf eine harte Probe gestellt, als es darum geht, wer den von Jaynie meisterlich gebauten Schlitten lenken darf. Nach einigen Machtproben wird dieser Konflikt letztlich nicht gelöst, aber dadurch entschieden, dass sich Jaynie am Bein verletzt. Dennoch lässt sie es sich nicht nehmen, den Hunden vor dem Rennen heimlich die selbst geschnitzten Glücksbringer umzubinden. Als Sam während des Rennens stark in Rückstand gerät und dem Aufgeben nahe ist, sieht er diese Glücksbringer, schöpft neue Hoffnung und gewinnt schließlich das Rennen. Im Ziel erkennt er den Beitrag von Jaynie zu seinem Erfolg an und präsentiert sich zusammen mit Jaynie und Kayla auf dem gemeinsamen Siegerfoto.

Bewertung

In sensibler Weise werden die Personen vorgestellt, die in unterschiedlicher Art mit dem Verlust verstorbener Menschen umgehen. Sam, der sich in seine eigene "Realität" zurückzieht und den Tod seines Vaters nicht wahrhaben will und sich so von seinen Mitmenschen distanziert; Jaynie, die in Sams Mutter eine Ersatzmutter findet; Sams Mutter, die in einer neuen Beziehung versucht, der Zukunft ins Auge zu sehen, durch ihren Sohn allerdings immer wieder in die Vergangenheit geholt wird; schließlich Jaynies Vater, der sich anfangs von seinen neuen Nachbarn distanziert und sich ihnen nachher durch die Freundschaft der beiden Kinder öffnet.

Für viele Kinder sind Trennungen oder Abschied von geliebten Menschen Alltag und jeder hat seine individuelle Art, darauf zu reagieren. In diesem Film bieten sich den Kindern vier Alternativen, solche Situationen zu meistern – alle vier Charaktere bewältigen ihr Schicksal erfolgreich. Vielleicht findet sich das eine oder andere Kind in einer der Identifikationsfiguren wieder. Auch mit der Herausforderung, ein neues Elternteil zu akzeptieren, müssen sich Kinder oft auseinander setzen. Der Film geht auf alle Familienmitglieder feinfühlig ein (Stiefvater, Mutter, Sohn) und beschreibt die langsame Annäherung zwischen Sam und seinem neuen Stiefvater. Als Integrationsfigur dient Kayla, über die sich Sam und sein Stiefvater näher kommen. Gemeinsame Interessen, sei es ein Tier oder ein Hobby, können Kindern und deren Stiefeltern im Annäherungsprozess helfen. Auch wenn es darum geht, neue Freundschaften zwischen Kindern zu schließen, wie bei Jaynie und Sam, spielen gemeinsame Hobbys oder Ziele eine wichtige Rolle.

Der Film ist für die Kinderfilmarbeit gut geeignet. Er bietet sehr schöne Landschafts- und Tieraufnahmen in den verschneiten Wäldern Kanadas und entführt die Zuschauer in eine noch unverfälscht naturverbundene Welt. Aktuelle Problematiken sind ebenso enthalten wie Spannung, Humor und Action. Bei den Kindern, die ihn beim Kinderfilmfest München (Juni 1998) sahen, kam der Film gut an. Sie gaben "Kayla" bei der Abstimmung mit großer Mehrheit eine gute bzw. sehr gute Bewertung.

Christine Lösch

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 74-4/1998 - Interview - "In die Historie bin ich gegangen, weil ich vor solchem Hintergrund die Charaktere besser herausarbeiten konnte"

 

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