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Ausgabe 77-1/1999

"Hot Dogs – Wau, wir sind reich"

Gespräch mit Regisseur Michael Schoemann und Produzent Dietmar Kablitz über ihren neuen Zeichentrickfilm

(Interview zum Film HOT DOGS – WAU, WIR SIND REICH)

Im März 1999 bringt Polygram Filmed Entertainment den Film "Hot Dogs – Wau, wir sind reich" in die Kinos, der von der ORB Film & TV Produktion GmbH in Zusammenarbeit mit EIV und ZDF entsteht. Im Oktober 1998 war es möglich, bei der Herstellung des Films den Machern über die Schulter zu schauen und Dietmar Kablitz (Produzent) und Michael Schoemann (Produzent und Regisseur) zu befragen. Der Film, der unter dem Arbeitstitel "Die Dollar Dogs" begonnen wurde und für die internationale Auswertung den Titel "The Millionaire Dogs" erhält, soll der Auftakt zu einer Fernsehserie werden, für die bereits 13 Folgen in Planung sind.

In "Hot Dogs" geht es um Miss Lilly, die ihren fünf Hunden und einem Papagei die Villa und eine Million in bar hinterlässt. Die Erben geraten in einen Konsumrausch, was es Miss Lillys Neffen Ronnie und dessen Zwillingsschwester Maggie erleichtert, einen Plan in die Wege zu leiten, den Tieren ihr Erbe streitig zu machen. (Im Nachhinein kommt man irgendwann auf die Frage, ob die Vornamen der Zwillinge nicht doch mit Bedacht auf Reagan und Thatcher anspielen.) Am Ende geht der Film gut aus und die Tiere helfen wieder zusammen, um aus Miss Lillys Haus eine Art Tierpension zu machen.

Dietmar Kablitz betont, dass das Thema "für die Zielgruppe der Kinder von 3 bis 11 Jahren und der sie begleitenden Eltern" gedacht ist. "Wir sind der festen Überzeugung, dass es bei Kindern den Bedarf an schönen, charmanten, spannenden und unterhaltsamen Tierfilmen noch gibt. Wir wollen daher einen Film ins Kino bringen, wie es ihn seit geraumer Zeit nicht mehr gegeben hat. Das Ende des Films ist dann der Ausgangspunkt für eine Fernsehserie. Die Tiere eröffnen im Haus ein Heim für heimatlose und ausgesetzte Tiere und in jeder Folge kommt jeweils ein Tier zu diesem Haus und wir erleben dann seine Geschichte."

KJK: Ist denn die Serie schon verkauft?
Kablitz: "Es gibt verschiedene Interessenten. Wir haben 13 Folgen in Vorbereitung, und das ZDF, das Koproduzent beim Film ist, hat natürlich auch an der Serie großes Interesse."

Wie kam es denn eigentlich zu dem Titel des Films? Der sollte doch ursprünglich "Dollar Dogs" heißen.
Kablitz: "Der Titel des Films war etwas schwierig, weil die deutsche Sprache nicht ganz so knackig ist. Deshalb hatten wir den Arbeitstitel 'Dollar Dogs'. Das Projekt wurde 1994 begonnen und dann wieder beiseite gelegt, weil wir andere Sachen gemacht haben. Die reine Produktion begann 1996 in Ludwigsburg. Es dauerte einige Zeit, bis die Tiere, die Personen, das Dekor und einfach alles so aussah, wie wir uns das vorstellten. Vor der eigentlichen Produktion entstanden rund 3000 bis 4000 Zeichnungen zum Storyboard, und es wurden zahllose 'Locations', Schauplätze, entworfen. Jetzt ist es so, dass die 200.000 DIN A3-Zeichnungen der Figuren in Spanien zu Papier gebracht werden, dann kommen sie zu uns und werden hier in den Computer eingescannt und koloriert. Danach wird alles digital mit den Hintergründen kombiniert. Dass wir in Spanien zeichnen lassen, ist einerseits eine Kostenfrage, andererseits eine Qualitätsfrage. Wir finden die Qualität, die wir geliefert bekommen, toll; sie liegt weit über dem, was man aus Asien bekommt."

Die Arbeit hier im Studio ist also letztlich so etwas wie Postproduction. Wie lange dauert denn das Zusammensetzen der einzelnen Elemente zum fertigen Film?
Kablitz: "Die reine Produktionszeit hier im Studio dauert rund 10 Monate, eine Zeit, die große Studios nicht schaffen, und das, obwohl wir im Vergleich zu jenen keinen Qualitätsverlust haben. Alles was außerhalb des Studios gemacht wird, ist hand-made. Bei uns hier in München ist der digitale Bereich."

Hier war zu sehen, dass die gemalten Hintergründe im Computer nach Bedarf überarbeitet und per Mausklick farblich – etwa von Tag auf Nacht – geändert werden können. Spart das Zeit und Geld?
Kablitz: "In der Tat. Kosten entstehen aber an ganz unerwarteten Punkten. Sie müssen wissen, um all diese Bildelemente so zusammenzusetzen, dass ein Film daraus wird, sind riesige Mengen an Speicherkapazität erforderlich. Wir bewegen uns nicht im Bereich von Gigabytes, sondern von Terrabytes und haben uns bei einer Spezialfirma in Kalifornien ein entsprechendes Speichermedium besorgt. Nachdem wir geschildert hatten, was wir brauchen, hieß es, das wird um die 50.000 Dollar kosten. Bis das Gerät mit allem Drum und Dran, insgesamt ein eher bescheidener, unscheinbarer Kasten, auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten war, kostete der Spaß eine halbe Million Dollar. Trotz der gigantischen Datenmengen, die hier abgespeichert werden können, passt der komplette Film aber nicht auf ein einzelnes Speichermedium. Im Computer ist der Film nur in drei Teilen im Terrabytebereich abzuspeichern."

Sie sind sicher schon allein wegen dieser Investition interessiert, dass die Arbeit mit Trickfilmen später weitergeht, sei es in Serie, sei es mit anderen Filmen. Aber wie ist das mit dem Datentransfer auf Film? Wie lange dauert das?
Kablitz: "Die Auflösung ist da mittlerweile so gut, dass man es auf Film nicht mehr merkt, wenn im Computer gearbeitet worden ist. Ein Unterschied zum herkömmlichen Filmbild ist nicht zu erkennen. Um den Film aus dem Computer heraus auf Film zu belichten, braucht es 10 Sekunden pro Bild, also doch eine gewisse Zeit. Deshalb warten wir nicht die Fertigstellung im Computer ab, sondern kopieren schon laufend auf Film um und setzen die Einzelteile dann wie üblich zusammen."

Sie haben zwar eigentlich keine Kamera, aber doch einen erfahrenen Kameramann, der die Bildgestaltung überwacht. Was für eine Funktion hat der?
Kablitz: "Zum einen sagt er uns, wie manche Szenen filmischer wirken, etwa wenn er vorschlägt, eine Szene nicht durchlaufen zu lassen, sondern mit Schnitt – Gegenschnitt zu arbeiten. Zum anderen sitzt er aber auch an einem Rechner und kombiniert die Teile, die die anderen Mitarbeiter vorbereitet haben, zu einem kompletten Bild."

Ihr Kameramann hat gesagt, der Computer ersetzt sozusagen die Multiplan-Kamera, die es früher ermöglicht hat, realistische Fahrten "ins Bild" zu machen und dabei die unterschiedlichen Bildebenen so zu verändern, als filme man in der Wirklichkeit.
Kablitz: "Wir könnten uns gar nicht leisten, so ein riesiges Monstrum wie Disneys Multiplan-Kamera in die Büroräume zu stellen. Dank Computer ist das aber auch nicht erforderlich. Übrigens hat das Zusammensetzen der Bildelemente gegenüber der klassischen Trickfilmaufnahme noch einen weiteren Vorteil. Wenn man früher für eine Szene mehrere Zelluloidfolien übereinander legen musste, weil in einem Bild mehrere Aktionen gleichzeitig liefen, gab es wegen der Dicke des Folienpacks durch die Beleuchtung immer wieder leichte Schattenlinien rings um die Figuren, die zwar dem Zuschauer kaum auffallen, die aber doch stören."

Bei der Aufbereitung alter Zeichentrickfilmklassiker – etwa von Disney – für die Videoauswertung korrigiert man ja inzwischen solche Details ebenfalls per Computer. Das ist dann quasi die "nachgebesserte" Version der Filme. Aber kommen wir von der Technik noch einmal zum Film zurück. Wieso haben Sie sich auf Tiercharaktere konzentriert, wo doch die meisten klassischen Trickfilme Disneys immer schon Menschen zeigten?
Kablitz: "Die großen Studios – Disney, Spielberg, Dreamworks, Fox – wollen heute die Kinder, Teens und Kids, und die Erwachsenen global erfassen. Denen reicht es nicht mehr, die Drei- bis Zwölfjährigen zu bekommen. Erstens zahlen die dafür weniger, zweitens ist der Markt nicht so groß. Wir hingegen sagen, wir wollen uns wirklich hundertprozentig auf eine Zielgruppe konzentrieren. Wenn wir die Drei- bis Zwölfjährigen mit einem Film – sagen wir mal – beglücken können, wo auch die Eltern das Gefühl haben, in den Film können wir die Kinder problemlos reinschicken, das ist ein charmanter Film mit nicht zu viel Brutalität, der hat gewisse Qualitäten, dann ist das Risiko schon mal ein bisschen minimiert. Der zweite Punkt ist: Man muss sich vorstellen, es werden weltweit immer mehr Multiplex/Cinemax-Theater eröffnet und viele Kinos benötigen gerade in den 14 Uhr- und 17 Uhr-Vorstellungen solche Filme."
Schoemann: "Wir sind sicher, dass wir zumindest unsere Investitionen amortisieren können. Erstens ist es uns gelungen, den Film rein aus Deutschland heraus zu finanzieren, und sämtliche internationalen Vermarktungsrechte – Kino, Fernsehen, Video, Musik und Merchandising – liegen bei uns. Das ist der wirtschaftliche Aspekt. Der zweite Punkt ist ein sehr interessanter Punkt, was den Markt betrifft. Wir sind nämlich überzeugt, dass Kinder nicht out sind. Wir sind überzeugt, dass im Erfahrungsbereich der Kinder Tiere immer vorhanden sind, gerade und vor allem auch Hunde."

Und diese Präferenz greifen Sie auf?
Schoemann: "Die Kinder bevorzugen nun einmal die Tiere im Zeichentrickfilm. Filme wie 'Hercules' oder 'Pocahontas', die nahezu reine 'Menschenfilme' sind, liegen da einfach etwas neben der Linie."
Kablitz: "Der alte Walt Disney hat immer gesagt, 'It must be too funny for words' und 'Ihr müsst mit Tieren arbeiten'. Das gilt nach wie vor. Wir denken, dass wir damit richtig liegen und auch Kinder erreichen können. Wenn man bedenkt, dass eines der nächsten Disney-Projekte ein Spice Girls Film sein soll ...

Die Handlung von Ihrem Film ähnelt doch stark "Aristocats" und die Figuren erinnern klar an das Figurenarsenal von "Susi und Strolch". Ist das beabsichtigt?
Kablitz: "Sagen wir mal so, unser Art Director und viele unserer Leute haben früher auch bei Disney gelernt, haben weltweit natürlich jeden Stil drauf, den es gibt. Und ich habe ja gesagt wir wollen zurück zum Charme der alten Disney-Filme, wie 'Dschungelbuch', und es würde mich gar nicht stören, wenn ein Kritiker später sagt, das ist eine Art Disney-Film. Wenn Sie mich fragen, ob das gewollt ist, dann möchte ich gern dazu sagen, wir wollen eine gewisse Qualität im Film haben, also wird es irgendwo auch eine gewisse Ähnlichkeit geben. Aber wir haben völlig eigenständige Charaktere mit Eigenschaften, die sie bestimmt in einem Film noch nicht vorgefunden haben. Von der Anmutung her wollen wir auch nichts liefern, was nach billiger Fernostware aussieht, und dann kommt man, weil es aus der Vergangenheit keine anderen Vergleichsmöglichkeiten gibt, beim Vergleich automatisch zu Disney."

Wenn also Disney-Stil, gibt es dann im Film auch Songs?
Schoemann: "Wenn ich sage Disney-Stil, meine ich nicht eigentlich einen Musical-Stil, obwohl es vier Songs im Film gibt. Die sind jedoch wirklich bewusst dramaturgisch eingesetzt, und nicht im Hinblick auf den Musik- und Merchandising-Bereich."

Wie sieht es mit den Synchronsprechern aus? Der Film wird ja, wegen der internationalen Vermarktung zunächst englisch eingesprochen.
Kablitz: "Richtig. Wir hätten bei Polygram natürlich jede Menge Namen zur Auswahl gehabt, und man hat uns auch diesbezüglich zugeredet. Aber wer interessiert sich beim Trickfilm schon für die Namen der Sprecher? Wir wollten allenfalls für eine einzige Figur einen namhaften Sprecher haben, aber ansonsten Spezialisten, die gut Trickfilme sprechen können. Unser Hauptaugenmerk war nicht, erkennbare Sprecher zu haben, sondern Sprecher, bei denen die Kinder nach dem Film zum Beispiel sagen, das war tatsächlich der Hund."
Schoemann: "Viele renommierte Schauspieler sind gar nicht in der Lage, synchron zu sprechen. So mancher Schauspieler, der visuell gut rüberkommt, wirkt oft eindimensional, wenn nur seine Stimme eingesetzt wird. Einzig für den Papagei haben wir uns um einen wirklichen Top-Künstler bemüht, den wir aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht benennen wollen."

Das Gespräch führte Wolfgang J. Fuchs

 

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