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Ausgabe 79-3/1999

DOWNHILL CITY

Produktion: ZDF / DFFB / Talent House; Deutschland 1999 – Regie und Buch: Hannu Salonen – Kamera: Stephan Wagner – Schnitt: Julia Oehring – Musik: 22 Pistepirkko – Darsteller: Teemu Aromea (Artsi), Franka Potente (Peggy), Andreas Bruckner (Hans), Michaela Rosen (Doris), Sebastian Rudolph (Sascha), Axel Werner (Fabian) u. a. – Länge: 96 Min. – Farbe – Verleih: noch offen – Altersempfehlung: ab 14 J.

Der Film beginnt im unwirtlichen, winterlichen Kaurismäkiland. Protagonist Artsi und seine Band spielen vor wenigen gelangweilten Leuten in einem heruntergekommenen Schuppen gute Songs. Die Gage: ein Hunderter für alle und ein Kasten Bier. Ein Gig, für den sie zweihundert Kilometer angereist sind. So kann es nicht weitergehen. Ausgestattet mit dem gesparten Geld seiner Mutter und allen guten Wünschen seiner Musikerfreunde macht Artsi sich auf den Weg nach Süden – nach Berlin. Berlin, die kalte Stadt, die Stadt der Hoffnung. Auch für Peggy, die aus Sachsen kommt (wie man hört) und sich in einem Burger-Laden "den Arsch aufreißt", damit ihr Freund seinen gestählten Body fürs Kickboxen bewahren kann. Hier strandet auch Doris, die Lady, die ihr permanent klingelndes Handy in den Müll wirft und sich ins "Downhill City" einmietet, einer rotplüschigen, seelenvollen Absteige, die bessere Zeiten erlebt hat. Wie sein Besitzer, der gealtert ist in dem Etablissement. Der müde ist, auch von all den Zahlungsschwierigkeiten, in denen sich seine Gäste befinden. Er mag sie, aber sie können ihm kaum noch seine Existenz garantieren.

Im "Downhill City" landet auch Artsi, komponiert Songs, verschickt Tapes. Andere Menschen kreuzen auf, begegnen sich, gehen ein Stück gemeinsam des Wegs. So wie Artsi und Peggy – ein Reigen der Vergeblichkeit. Artsis Mühen gehen ins Leere. Er muss das Hotel verlassen, landet bei den Autonomen in einer der letzten mietfreien Idyllen, deren Abriss bereits besiegelt ist. Findet Arbeit in einer Müllsortieranlage, trifft dort auf Menschen, die "das Herz am rechten Fleck" haben und findet auf wundersame Weise seine Gitarre wieder. Da ist noch Fabian, ein alt gewordener Rebell, besessener wie erfolgloser Schriftsteller, das nötige Geld in einem Pizza-Service verdienend, der seinem stotternden Bruder gehört. Ein unwürdiges Leben. Und doch verliert niemand seine Würde. Eine Gesellschaft von Losern, keine Verlierer. Was ein Loser ist, erklärt der Kickboxtrainer: "Nicht die Niederlage macht dich zum Verlierer. Das bist du nur, wenn du liegen bleibst, nicht wieder aufstehst." Sie stehen alle wieder auf. Und sei es im Knast, wie Sascha, der Junge mit den großen Träumen und der kleinen kriminellen Energie.

Der 27-jährige Finne Hannu Salonen, Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, hat einen wunderbar menschlichen Film gedreht, ohne das "wahre Leben" am Rande der Gesellschaft zu glorifizieren, ohne seine Figuren – die Etablierten, die Jungen, die Alten, die Männer, die Frauen, die Homosexuellen – zu denunzieren. Besonders stark: Doris, die hinabsteigt ins "Downhill City", die verletzbar ist wie alle, die sich Liebe holt, aber auch Liebe gibt. Jede Figur ist glaubwürdig, die Dialoge stimmen, nichts ist nebensächlich. Alles erzählt eine Geschichte. Am Ende sind alle da, wo sie schon einmal waren. Und doch ist es ein Film voller Lebensmut, denn das Gegen-den-Strom-Schwimmen ist auch ein Schwimmen, kein Untergang. Die letzte Szene knüpft an die Eingangssequenz. Wir sind wieder im finnischen Winter, in einem Musikclub. Der Raum ist voll. Die Musiker sind glücklich. Und Artsi widmet seiner vergeblichen Liebe in Berlin einen poetischen Song.

Gudrun Lukasz-Aden

 

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