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Ausgabe 79-3/1999

MUTTERLIEBE

MEHR-E MAADARI

Produktion: Farabi Cinema Foundation / Varahonar; Iran 1998 – Regie: Kamal Tabrizi – Buch: Kamal Tabrizi, Reza Maghsudi – Kamera: Aziz Sa'ati – Schnitt: Hassan Hassandust – Musik: Keyvan Jahanshahi – Darsteller: Fatemeh Motamed Aria (Mina), Hossein Soleimani (Mehdi), Golshid Eqbali (Ahu), Jamshid Esmailkhani (Obstverkäufer), Mohamad Davudnejad (Sozialarbeiter) – Länge: 90 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Farabi Cinema Foundation, 55, Sie-Tir Ave., IR-Tehran 11 385, Tel. 0098-21-6708156, Fax 0098-21-6708155 – Altersempfehlung: ab 8 J.

Mehdi, ein Waisenjunge aus Teheran, ist wieder einmal in der Jugenderziehungsanstalt gelandet. Dabei träumt er doch davon, der in seiner Phantasie lebendigen, engelsgleichen Mutter zu begegnen, um endlich dem Leben zwischen Straße und Erziehungsanstalt abzuschwören. In der neuen Sozialarbeiterin Mina, die mit Engagement und Idealismus an der Resozialisierung der straffälligen Kinder arbeitet, glaubt er seine Wunschmutter gefunden zu haben. Er reißt aus, um sie vor ihrem Haus zu erwarten, wird aber zunächst streng von ihr zurückgewiesen. Als sie seiner beharrlichen Art des Wartens nicht mehr standhalten kann, gibt sie nach und lässt ihn in ihre Wohnung. Dort freundet sich Mehdi schnell mit Minas Tochter Ahu an und gibt sich ganz der Illusion hin, in Mina seine Mutter gefunden zu haben. Sie jedoch, die Mehdi ins Herz geschlossen hat, gerät in einen Gewissenskonflikt. Einerseits ist es ihre pädagogische Pflicht, Mehdi ins Erziehungsheim zurückzubringen, andererseits weiß sie von Mehdis Abscheu gegenüber dem Heim und seiner großen Zuneigung für sie. Schweren Herzens entschließt sie sich für die vernünftigere Lösung und informiert das Erziehungsheim. Als die Pfleger Mehdi holen kommen, fühlt sich dieser von seiner "Mutter" verraten und auch Ahu weint ihrem "großen Bruder" nach. Minas Versuch, den Jungen in der Erziehungsanstalt wieder zu sehen, ist vergeblich: Mehdi ist (wieder) ausgerissen.

Kamal Tabrizi entwirft in "Mutterliebe" ein differenziertes und subtiles Charakterbild seiner beiden Protagonisten. Zunächst Mehdi, der in seiner Suche nach Geborgenheit und Zugehörigkeit immer wieder neue Belege und Situationen findet, um vor allem sich selbst zu beweisen, dass Mina seine Mutter ist. Bis zum Schluss, als die Pfleger ihn holen, kann er sich und den anderen nicht eingestehen, dass sein konstruiertes Wunschbild nicht von Bestand ist. Er klammert sich an seine Vorstellung, weil sie für ihn das einzig Erstrebenswerte bedeutet. Aber was ist der Grund, dass Mehdi schließlich nicht wiederkommt? Hat er eingesehen, dass sein Wunschdenken ihm nicht wirklich etwas bringen kann? Der Film gibt keine eindeutige Antwort darauf. Die Besetzung der Rolle des Mehdi mit Hossein Soleimani ist besonders gut gelungen, da er mit seinem Teheraner Straßenslang dem Film trotz der schwierigen Thematik auch erfrischend witzige Seiten gibt. Dieser spezifische Humor geht bei einer versuchten Übersetzung leider etwas verloren. Und auch Fatemeh Motamed Aria überzeugt als Sozialarbeiterin Mina, die im Konflikt zwischen Gefühl und Verstand im Grunde nur falsche Entscheidungen treffen kann, auch deswegen, weil es für die Jugendkriminalität und Straßenkinderproblematik keine universellen Lösungen gibt.

Natürlich wünscht man sich als Zuschauer während des Films, dass Mehdi bei Mina und Ahu bleiben kann, also ein Happy End, was aber dem Film seine Stärke nehmen würde und als unrealistische Konsequenz dem dargestellten Problem nicht gerecht werden würde.

Sahar Rahimi

 

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KJK-Ausgabe 79/1999

 

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