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Ausgabe 79-3/1999

DER SCHATZ, DER VOM HIMMEL FIEL

Produktion: SK Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft; Österreich 1999 – Regie: Wolfram Paulus – Buch: Wolfram Paulus, Wolfgang Haberl – Kamera: Hans Selikovsky – Schnitt: Adi Walisch – Musik: Serdar Ateser, Andy Baum – Darsteller: Lisa Trischler (Lucy), Nino Kratzer (Flori), Ozan Caliskanoglu (Ali), Rolf Zacher (Henry), Dietmar Mössmer (Heiner) u. a. – Länge: 82 Minuten – FSK: ab 6 – Agentur: Cine Pro (35mm) – Altersempfehlung: ab 6 J.

Flori und Lucy, zwei Kinder, die die gleiche Schule besuchen, treffen sich während ihrer Ferien in der Türkei. Lucy ist mit ihrer alleinstehenden Mutter dort, Flori mit seinem Vater. Eigentlich wollen sie nichts miteinander zu tun haben, aber dann spricht aus einem Lautsprecher der gute Geist Ahmed mit Lucy. Er ist – nach eigener Aussage – dafür zuständig, dass Ferienkinder schöne, abenteuerliche Ferien erleben. Und deshalb soll sie sich mit Flori und mit Ali zusammentun. Lucy kennt Ali, denn er besucht die gleiche Klasse wie sie und Flori. Momentan macht er Ferien bei seinem Großvater in dem türkischen Ferienort, in dem sich auch Flori und Lucy befinden. Gegen den Willen von Flori und Ali, die in dem Alter sind, in dem Buben Mädchen doof finden, drängt Lucy auf einen Besuch der Burg Bodrum, von der es laut Alis Opa die Sage gibt, dass dort einst ein Schatz vom Himmel fiel. Auch Lucy findet dort ihren Schatz, der vom Himmel fällt. Es sind Edelsteine, die Henry und Heiner, zwei deutsche, ewig streitende Ganoven unterwegs im Auftrag eines türkischen Hehlers, entwendet haben. Wegen einer drohenden Kontrolle durch die Polizei, werfen die beiden das Samtsäckchen mit den Edelsteinen über die Burgmauer. Nachdem Lucy es gefunden hat, entspinnt sich eine wilde Jagd quer durch die Türkei bis nach Istanbul, wo Alis Schwester, eine Schlagersängerin, ein großes Konzert gibt.

Ahmed entpuppt sich dabei als guter Geist, der im wirklichen Leben Automechaniker ist und deshalb nicht immer für die Nöte der Kinder zur Verfügung steht. Auf die Dauer fühlt er sich von seinem Nebenberuf ohnehin überfordert, so dass er schließlich das Geistern an den Nagel hängt. Am Ende sind die Gangster verhaftet, der gestohlene Schatz an die türkischen Behörden zurückgegeben, Floris Vater und Lucys Mutter werden wahrscheinlich ein Paar, und Alis Opa schwört, nie wieder Urlaubskindern Märchen zu erzählen, außer ...

Wolfram Paulus hat, wie in seinem "Rucksack voller Lügen" (1997), Kinder wieder in eine Ausnahmesituation gesteckt. Sie wollen in den Ferien etwas erleben – so wie die Kinder beim "Rucksack" keinen Schulausflug machen wollten, sondern ein Fußballspiel besuchen. Hier nun greift eine überirdische Macht ein und hilft den Kindern, ein von den Erwachsenen unbelastetes Abenteuer zu erleben. Das alles ist recht flott inszeniert und läuft mit zielsicherer Präzision ab wie ein gut geschmiertes Uhrwerk (einer Turmuhr, nicht einer filigranen Barockuhr). Ein Schritt führt zum nächsten. Auch wenn sich mancher Weg als Umweg entpuppt, kommt man schließlich doch ans Ziel. Unterwegs sieht man viel Lokalkolorit und wird von allerlei überraschenden Wendungen der Geschichte verblüfft.

Besonders amüsant ist, dass bestimmte Elemente aus Comic-Geschichten übernommen werden. Etwa, dass die Kinder immer wieder einmal gemeinsam den gleichen Text sagen, weil sie sich absolut einig sind. Auch die Eltern und die beiden Ganoven sind mit launigen Texten bedacht, so dass für Jung und Alt unter den Zuschauern eine ganze Menge Schmunzelsituationen aufgeboten werden, die den Urlaubskrimi relativieren.

Die Geschichte wird geradlinig erzählt, die Kameraführung ist immer auf Zack, die Musik eine perfekte Mischung aus türkischen und europäischen Elementen, und der Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. Wie schon in früheren Filmen, besticht Paulus auch diesmal dadurch, dass er die Kinder in den Vordergrund stellt und die Eltern und sonstigen Erwachsenen mehr zu Statisten degradiert. (Einzige Ausnahme der gute Geist, der letztlich ein naiver, Kind gebliebener Erwachsener ist.) Anders als bei Enid Blyton-Verfilmungen hat man bei dieser Geschichte zudem den Eindruck, dass es sich bei den Hauptpersonen um halbwegs normale Kinder handelt und nicht um ewig junge Detektive. Daher ist ihr Abenteuer auch etwas, das einmalig ist und bleiben wird.

"Der Schatz, der vom Himmel fiel" wird seinem Titel überaus gerecht. Er ist ein Schatz, der vielen Kindern gefallen wird, und das nicht nur auf dem Kinderfilmfest beim Filmfest München. Das Publikum stimmte, wie bei den Präsentationen beim Filmfest üblich, darüber ab, wie ihm der Film gefallen hat. 95 Prozent sehr gut und fünf Prozent gut waren die stolze Bilanz für Paulus' neuesten Kinderfilm. Dieses Urteil war mehr als verdient, weil der Film mit Blick auf die Kinder gemacht ist und nie von oben herab auf sie einwirkt, sondern aus der Sicht der Kinder erzählt und daher Witz und Humor nie aufgesetzt wirken lässt.

"Der Schatz, der vom Himmel fiel" ist einer jener seltenen Kinderfilme, die eine reale Situation der Kinder – Ferien mit den Eltern – nehmen und daraus eine leichte Abenteuerkomödie machen, in der man nicht ständig vom erhobenen Zeigefinger des Pädagogen gestört wird. Dass die Kinder schon überlegt hatten, wie man den Fund zu Geld machen könnte, wird nicht zuletzt als Fehlentscheidung deklariert, indem der gute Geist dafür sorgt, dass die Edelsteine an deren Besitzer, den türkischen Staat, zurückgegeben werden. So ist auch der moralischen Gerechtigkeit Genüge getan, ohne dass den Kindern gepredigt werden muss, gefälligst Fundsachen gleich beim Fundbüro abzugeben. Wie auch immer: Die Publikumswertung entspricht ganz generell der Wertung, die dieser Film in jeder Hinsicht verdient hat.

Wolfgang J. Fuchs

 

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