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Ausgabe 80-4/1999

MISSING LINK

Produktion: Theorema Films / Die Zweite Hauskunst / CineTé; Niederlande / Deutschland / Belgien 1998 – Regie: Ger Poppelaars – Buch: Timo Veltkamp, Ger Poppelaars – Kamera: Walther Vanden Ende – Schnitt: Mario Steenbergen – Musik: Alain Van Zeveren – Darsteller: Nick van Buiten (Rick Veenema), Tamar van den Dop (Lydia Veenema), Johan Leysen (Ed Oudeweetering) u.v.a. – Länge: 90 Min. – Farbe – Vertrieb: Theorema Films, Van Haalstraat 52, NL-1051 HH Amsterdam, Tel. 0031-20-688 1843, Fax 0031-20-686 3574 – Altersempfehlung: ab 10 J.

Eine niederländische Kleinstadt im Jahre 1955: Der fantasievolle Rick begeistert sich für eine Dschungelexpedition, die im Kongo nach dem Ursprung der Menschheit suchen will. Seine Mutter Lydia schenkt dem Elfjährigen einen alten Atlas, der seinem Vater gehörte, der im Zweiten Weltkrieg angeblich heldenhaft im Dienst der britischen Luftwaffe gefallen ist. In dem Atlas findet er eine Abbildung über die Menschheitsgeschichte und entdeckt eine Lücke zwischen den Entwicklungsstufen vom Affen zum Menschen, das Titel gebende "Missing Link". Aus einem Zeitungsbericht erfährt Rick, dass die Forschungsgruppe unter Leitung des Professors Oudeweetering gerade dieses Bindeglied in Afrika vermutet.

Nun hält den Jungforscher nichts mehr: Nach einem Streit mit der Mutter reißt er aus und fährt mit einer Freundin nach Brüssel, um die Forschergruppe kurz vor der Abreise darauf aufmerksam zu machen, dass diese am falschen Ort suchen will. Unterwegs erfährt er aus einem mitgenommenen Tagebuch der Mutter, dass sein Vater kein Pilot war, sondern ein verheirateter Wissenschaftler. Am Ende der Reise begegnet Rick sogar seinem wirklichen Vater.

In dem niederländisch-deutsch-belgischen Kinderfilm "Missing Link" von Ger Poppelaars (Jahrgang 1953) sucht der junge Held nicht nur nach dem "fehlenden Bindeglied" in der Evolutionsgeschichte, sondern auch nach dem Schlüssel zur eigenen Herkunft. Indem er die von der Mutter verschwiegene Wahrheit über seinen Vater entdeckt, muss er sich vom verklärten Bild des väterlichen Kriegshelden verabschieden. Durch den Wegfall des Vater-Idols fällt es dem Knaben außerdem leichter, den aufschneiderischen, aber im Grunde netten Freund der Mutter endlich zu akzeptieren. Rick geht so rasch große Schritte zum Erwachsenwerden. Auf der anderen Seite eröffnet die Enthüllung der Mutter die Chance, nach der jahrelang aufrecht erhaltenen (Not-)Lüge dem Sohn endlich offen und ohne schlechtes Gewissen gegenüber treten zu können.

Der Regisseur, der bisher vor allem TV-Filme und Dokumentationen über Themen aus der Bildenden Kunst gedreht hat, erzählt diesen schmerzlichen Prozess auf drei Ebenen: die Jetztzeit wechselt sich mit Szenen, die auf dem Tagebuch der Mutter beruhen, sowie Ricks Dschungelfantasien ab. Während die komplexe Erzählstruktur in Poppelaars zweitem Spielfilm nach "Die drei besten Dinge im Leben" (1992) gerade jungen Zuschauern den Zugang nicht eben erleichtert, sorgen der lakonische Dialogwitz und ein per Computertrick animiertes Skelett für eine gute Portion Amüsement.

Wie etliche jüngere Filme aus den Benelux-Ländern ("Der Ball", "Madelief", "Das Pusteblumenspiel", "Rosie") fehlt auch in "Missing Link" ein Elternteil, schildert auch Poppelaars einen dramatischen Entwicklungsprozess in einer schwierigen familiären Konstellation. Ausführlicher und intensiver als die genannten Filme zwingt hier die Aufdeckung der Vaterschaft am Ende auch die Erwachsenen, sich endlich mit den verdrängten Fehlern der Vergangenheit auseinander zu setzen, um selbst hoffentlich für die Zukunft zu lernen.

Reinhard Kleber

 

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