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Ausgabe 80-4/1999

"Ohne die Filmförderung Hamburg wäre das Projekt nicht zustande gekommen"

Ein Gespräch mit dem Regisseur Miko Zeuschner und der Produzentin Anja Jabs

(Interview zum Film DER HUND AUS DER ELBE)

In Zusammenarbeit mit der Hamburger Filmwerkstatt und dem Aufbaustudium Film der Universität Hamburg hat die Studio Hamburg Produktion 1998 den Kinderfilm "Der Hund aus der Elbe" realisiert, wobei das ZDF als Koproduzent fungierte. Damit räumte Studio Hamburg erstmals dem begabten Filmnachwuchs die Möglichkeit ein, unter professionellen Bedingungen einen 90-Minuten-Fernsehfilm herzustellen. Das Drehbuch schrieb der renommierte Autor und Regisseur Bernd Schadewald (der 1991 und 1993 den Adolf-Grimme-Preis für die Fernsehspiele "Schicksalsspiel" und "Der Hammermörder" erhielt) gemeinsam mit Donald Kraemer. Regie führte Miko Zeuschner, der bei Hark Bohm, dem Gründer und Leiter des Studiengangs, studierte und 1996/97 seinen Abschlussfilm "Jeden Tag Weihnachten" vorgelegt hat. Die Kamera führte mit Frank Küpper ein weiterer Absolvent des Aufbaustudiums – er studierte bei dem berühmten Kameramann Michael Ballhaus und volontierte bei der Hollywood-Produktion "Mit aller Macht" von Mike Nichols. Von dieser in Hamburg erstmaligen Zusammenarbeit zwischen Nachwuchs, Produktionsfirma, ZDF und der Filmförderung Hamburg versprechen sich die Beteiligten eine wichtige Innovation für die Filmwirtschaft. Zu der Low-Budget-Produktion, die für 1,6 Millionen Mark in 30 Tagen gedreht wurde, trugen das ZDF 800.000 Mark und die Hamburger Filmförderung 600.000 Mark bei.

"Der Hund aus der Elbe" wurde auf dem Max Ophüls-Festival in Saarbrücken 1999 uraufgeführt, lief im Wettbewerb des Festivals "Goldener Spatz" in Gera und mit großem Erfolg beim Kinderfilmfest/ Filmfest München.

KJK: Von wem ging die Initiative zu diesem ungewöhnlichen Projekt aus?
Anja Jabs: "Der Anstoß kam von Studio Hamburg Produktion. Ich bekam das Buch auf den Tisch und fand, dass das eine spannende und ergreifende Geschichte ist, die man verfilmen müsste. Dagmar Ungureit von der ZDF-Redaktion Kinder und Jugend teilte diese Ansicht. Die Frage war nur, wie man so eine aufwändige Geschichte angesichts der Budgetknappheit auf die Beine stellen könnte. Dirk R. Düwel, der Geschäftsführer von Studio Hamburg, sorgte dann dafür, dass der Stoff nicht in der Schublade verschwand. Sein Vorschlag war, eine Nachwuchsproduktion zusammen mit der Hamburger Filmwerkstatt zu realisieren. Und wenn sich das ZDF eine Beteiligung daran vorstellen könnte, kümmern wir uns um den Rest.
Die ZDF-Redaktion, die dem Nachwuchs gegenüber generell sehr aufgeschlossen ist, war Feuer und Flamme. Ohne die Filmförderung Hamburg wäre das Projekt aber nicht zustande gekommen. Die Förderung hatte seit längerem eine Zusammenarbeit mit der Filmwerkstatt, die zum Aufbaustudium Film gehört, ins Auge gefasst. Das Projekt bot nun Absolventen und Nachwuchskräften die Möglichkeit, ihren ersten 90-Minuten-Spielfilm zu drehen."

Welche Positionen im Stab waren denn mit Absolventen besetzt?
Miko Zeuschner: "Regie und Kamera. Ansonsten hat sich das Team aus vielen jungen Leuten zusammengesetzt, von denen ich einige mitgebracht habe. Der Aufbaustudiengang ist ja nicht so groß. Da gibt es eben nur Kamera, Drehbuch, Regie und Produktion. Wir waren auch nur fünf Regie- und vier Drehbuchstudenten."

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Filmwerkstatt und dem Aufbaustudiengang Film?
Miko Zeuschner: "Das Aufbaustudium Film ist an der Universität Hamburg angesiedelt, während die Filmwerkstatt ein eingetragener Verein ist, der Studentenfilme und Sonderveranstaltungen finanziert. Beide gehören zusammen, wobei die Werkstatt gewissermaßen der wirtschaftliche Teil des Studiengangs ist."

Ist es Ihr erster Kinderfilm?
Miko Zeuschner: "Ja. Ich denke auch, man kann sehr viel in seiner eigenen Kindheit finden, woraus sich schöpfen lässt. Ich habe auch schon einmal ein Drehbuch für einen Kinderfilm geschrieben, aber nie verfilmt."

Wie waren die Dreharbeiten mit den drei jungen Darstellern?
Miko Zeuschner: "Die drei waren sehr professionell. Sie haben komödiantisches Talent und spielen extrem auf den Punkt. Ich finde, dass Kinder sehr schnell begreifen, was man will. Man darf sich aber nicht schwammig ausdrücken, sondern muss genau sagen, was man erwartet. Nach meiner Ansicht sind die drei mindestens genauso schnell wie erwachsene Schauspieler. Sie hatten auch schon Kameraerfahrung und haben klare Vorstellungen über ihre Zukunft. Tobias Pippig, der den Matthias spielt, möchte auf jeden Fall Schauspieler werden und Fjodor Olev, der den Alex verkörpert, will Regisseur werden."

War es ein originärer Stoff von Bernd Schadewald?
Anja Jabs: "Nein, das Drehbuch beruht auf dem Roman 'Der aus den Docks' von Mario Giordano. Das Buch ist im August 1997 bei Rowohlt erschienen. Aus dem Drehbuch von Schadewald und Donald Kraemer hat Miko seine Regiefassung gemacht."

Am Schluss bleibt unklar, warum die Familie von Alex in eine andere Stadt zieht. Wieso?
Miko Zeuschner: "Das ist in der Tat eine Drehbuchschwäche. Ich habe versucht, das heraus zu schreiben oder zu erklären, denn es ist ein bisschen gewollt. Die Storyline im Film ist zwar dieselbe wie im Roman, der Showdown aber ganz anders. Im Film überlebt Alex einen Messerstich, im Roman wird Alex auf einem Schiff erschossen. Die Familie zieht weg, um ein neues Leben anzufangen. Insofern ist dieser Umzug ein Relikt."
Anja Jabs: "Wir haben den Tod von Alex lange in den Drehbuchfassungen beibehalten. Es gab dann aber mehrere Seiten, u. a. die Filmförderung Hamburg, die gesagt haben: Einen Kinderfilm machen wir gerne mit euch, aber das Ende ist nicht kindgemäß, vor allem nicht, wenn der Tod des Kindes nicht erklärt wird."

Warum spielt ausgerechnet ein Kampfhund die tierische Hauptrolle?
Anja Jabs: "Das ist ja gerade das Besondere an der Geschichte. Ich suche immer nach Stoffen, die etwas
Neues oder einen speziellen Blickwinkel haben. Es gibt schon zigtausend Freundschafts- und Liebesgeschichten, aber eben noch keine mit einem Pitbull in einer Hauptrolle. Ein Kampfhund jagt einem ja eher Angst ein als dass man sich an ihn herantraut. Dass uns eine Geschichte zwischen einem solchen Hund und Kindern beim Dreh vor Schwierigkeiten stellen würde, war uns klar."

Gab es keine Bedenken gegen den Einsatz eines Pitbull?
Miko Zeuschner: "Alle hatten einen großen Respekt vor den Dreharbeiten. Da kam natürlich die Frage auf: Kann man denn so einen Hund mit Kindern überhaupt zusammenbringen? Als wir diese Kampfhunde zum ersten Mal sahen, haben wir auch erst mal gezuckt."
Anja Jabs: "In der Romanvorlage war es ein Bullterrier. Das haben wir geändert, weil Bullis ziemlich hässlich aussehen, so dass es schwierig wird, Sympathien aufzubringen. Pitbulls – American Stafford Terrier – sehen hingegen in der Regel freundlicher aus. Beide sollte man aber nicht unterschätzen, denn es sind absolut keine Schoßhunde, sondern sehr kräftig gebaute Tiere. In dem Pitbull Otto hatten wir aber einen sehr aufgeweckten und gutmütigen Vertreter seiner Art."

War es denn schwierig, den Hund für den Dreh zu dressieren?
Anja Jabs: "Mit Marco Heyse und Matthias Felsch hatten wir zwei gute junge Tiertrainer aus Hamburg engagiert. Die beiden haben bei Jo Bodemann, einem der bekanntesten Tiertrainer in Deutschland, gelernt, dann aber ihren eigenen Weg gefunden. Sie holten den Hund aus einem Tierheim in Berlin, wo er acht Monate verbracht hat, und hatten dann nur zwei Wochen Zeit, um Otto auf die Dreharbeiten vorzubereiten. Er hat während der Drehzeit bei ihnen gewohnt und nach dem Dreh ein neues Zuhause bei den Eltern des einen Trainers gefunden, wo Otto sich sehr wohl fühlt."

Mit Miko Zeuschner und Anja Jabs sprach Reinhard Kleber

 

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