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Ausgabe 3-3/1980

ICH LIEBE DICH

I LOVE YOU – JE T'AIME

Produktion: Orion Pictures Company, USA 1979 – Drehbuch: Allen Burns. nach dem Roman "E=MC² , Mon Amour" von Patrick Cauvin – Regie: George Roy Hill – Kamera: Pierre William Glehn – Darsteller: Laurence Olivier, Arthur Hill, Sally Kellerman, Diane Lane, David Dukes, Thelonious Bernard, Broderick Crawford – Länge: 108 Min. – Farbe – 35mm-Verleih: Tobis Filmkunst, Bismarckstr. 108, 1000 Berlin 12 – FSK: ab 6 Jahren, ffr.

Seit einigen Jahren ist in den Kinos geradezu eine Schwemme von Jugend-Nostalgie-Filmen zu verzeichnen: Den Anfang machten "Eine schwedische Liebesgeschichte", "Die letzte Vorstellung", "American Graffiti" und "Meine kleinen Geliebten", die jeder für sich genommen unbestreitbare Qualitäten hatten. Mit "Her mit den kleinen Engländerinnen" erfolgte ein Wandel zur publikumsträchtigen Ausbeutung modischer Nostalgie, Jugend wurde als Zustand einer schönen und wertvollen Zeit beschrieben und Einblicke in die eigentlichen Nöte der Pubertät wurden der Unterhaltsamkeit geopfert. George Roy Hills neuer Film, der im Original viel treffender "A Little Romance" heißt, ist als phantastische Liebesgeschichte um die Freundschaft der 13-jährigen Teenager Daniel und Laura angelegt – Bezüge zur Realität werden von Anfang an ausgeklammert.

Wenn sich zwei Liebende in Venedig unter der Seufzerbrücke bei Sonnenuntergang und dem Glockenschlag des Campanile küssen, wird ihre Liebe von ewiger Dauer sein. Diese so schöne (und unglaubliche) Legende erzählt ein alter Mann im Park zwei 13-Jährigen, die sich gerade kurz zuvor bei Dreharbeiten eines Films kennen gelernt haben. In eine philosophische Diskussion vertieft, gehen sie spazieren, als ihnen ein Fußball vor die Füße rollt. Beim Zurückschießen geht der alte Mann zu Boden, woraufhin er die beiden Teenager Laura und Daniel zu heißer Schokolade und Kuchen einlädt.

Das Ganze spielt im sonnigen Paris: Daniel ist ein französisches Arbeiterkind, das verrückt nach amerikanischen Kinofilmen ist, während der Herr Papa als Taxifahrer verrückt nach amerikanischen Touristen ist, weil er die am besten bescheißen!, kann; und Laura ist die reiche Tochter amerikanischer Eltern und lebt mit Mama und Stiefvater zurzeit in Paris, verfügt über einen erstaunlichen Intelligenzquotienten, ist stark an europäischer Kultur interessiert und liest Hölderlin und Heidegger.

Und da auch Daniel einen hohen Intelligenzquotienten hat, dauert es gar nicht lange, bis Daniel und Laura immer mehr gemeinsame Interessen entdecken und Gefühle erster Liebe füreinander empfinden. Selbstverständlich fällt ihnen wieder die Venedig-Gondel-Legende ein – sie wollen nach Venedig ... Aber wie kommen zwei Teenager über die Grenze nach Italien und wer bezahlt es? Daniel ist ein As im Wahrscheinlichkeitsrechnen und Lauras Vater arbeitet in der Computerbranche: Das zusammengenommen ermöglicht ihnen, die Chancen beim Pferderennen zu errechnen, und der alte Mann aus dem Park spielt gute Fee, besorgt das Geld und begleitet die beiden auf ihrer Reise nach Italien. Laura ruft von unterwegs ihre Freundin Natalie an, die den Eindruck gewinnt, Laura sei gekidnappt worden. Onkel Julius, der alte Mann aus dem Park, wird nun für einen Kindesentführer gehalten und die Polizei macht Jagd auf alle drei, doch wie im Märchen erreichen sie Venedig und erfüllen sich ihren Traum ...

George Roy Hill, der zur Freude des Kinopublikums und zum Leid der miesepetrigen Kritiker schon oft in seinen Filmen ("Zwei Banditen", "Der Clou" nur darum bemüht war, den Zuschauer zu unterhalten, beweist mit diesem Film über die Freundschaft von zwei 13-Jährigen, dass er ohne große Stars auskommt (ausgenommen vielleicht Laurence Olivier als Onkel Julius) und die zarten Gefühle erster Liebe von Heranwachsenden bebildert, ohne die so obligatorischen Sex-Szenen zu verwenden.

Zur vergnüglichen Unterhaltung, die der Film bereitet, kommt eine gehörige Portion von Ironie: In der Anfangssequenz sitzt Daniel im Kino und etliche Filmschnipsel, unter denen sich auch eine Szene aus "Butch Cassidy und Sundance Kid" ("Zwei Banditen") befindet, sind Beleg seiner Vorliebe für US-Filme (des weiteren zu sehen: John Wayne in "Marshal"-Pose und wie sollte es anders sein – Bogey!) Und als Daniel das Kino verlässt, stiehlt er – wie einst Truffaut – aus dem Kinofoyer ein Aushangfoto. Eine Szene, die Truffaut in einer Traumsequenz der "amerikanischen Nacht" ebenso vortrefflich in Szene setzte.

Als Daniel, Laura und Onkel Julius in Verona bemerken, dass die Polizei hinter ihnen her ist, scheinen sie in einer Sackgasse zu sein, doch nachdem sie einander die Wahrheit sagen – Julius bekennt, ein Taschendieb zu sein, Laura gesteht, dass sie mit ihren Eltern wieder in die Staaten zieht – schöpfen sie neuen Mut: Also das schöne, alte Kinothema von Leuten, die sich einer Sache verschreiben und vom einmal eingeschlagenen Weg nicht abzubringen sind, was George Roy Hill bereits in seinem Film "Tollkühne Flieger" thematisiert hatte. Aber der Film ist voll gepackt mit vielen anderen Verweisen auf frühere Hill-Filme – Gesetzesbrecher spielten schon oft eine wichtige Rolle und bereits 1964 griff er mit "Henrys Liebesleben" das Thema der dahinschwindenden Unschuld auf: Ein notorischer Frauenheld wird zum umschwärmten Idol zweier Teenager, die ihn nicht mehr aus den Augen lassen und einige seiner Abenteuer durchkreuzen.

Manfred Hobsch

 

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