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Ausgabe 11-3/1982

KÖNIGREICH DER DIAMANTEN

HIRAK RAJAR DESHE

Produktion: Department of Information and Cultural Affairs, Government of West Bengal, Indien 1980 – Buch, Regie, Kostüme und Musik: Satyajit Ray – Kamera: Soumendu Roy – Schnitt: Dulal Dutta – Darsteller: Tapan Chatterjee (Goopy), Robi Ghosh (Bagha), Soumitra Chatterjee (Udayan), Utpal Dutta (König von Hirak) – Länge: 118 Min. – Farbe

Dieser Spielfilm war einer der 21 indischen Beiträge beim 2. Internationalen Kinder- und Jugendfilmfestival in Madras 1981. Er erzählt eine Geschichte, die zwar in der Vergangenheit spielt, aber deutliche politische Bezüge hat: Goopy, Bagha und dem Lehrer Udayan gelingt es mit Witz und Klugheit sowie mit Hilfe der Bauern, Minenarbeiter und Schulkinder, die Gerechtigkeit und Freiheit im Staate Hirak wieder zu erlangen.

Goopy und Bagha, verheiratet mit den zwei Töchtern des Königs von Sundi, führen ein unerfülltes und langweiliges Leben, als sie eines Tages eine Einladung des Königs von Hirak erhalten, der seine Thronbesteigung feiern will. Genannt nach der Diamanten-Mine, Hauptquelle des Reichtums, ist aber das Königreich Hirak ein Polizeistaat, beherrscht von einem selbstgefälligen und tyrannischen König. Dessen Wissenschaftler hat gerade eine Gehirnwasch-Maschine gebaut, die die Kraft hat, alle Andersdenkenden in unterwürfige Subjekte zu verwandeln.

Eines Tages beschließt der König von Hirak, die einzige Schule des Landes, wo der idealistische und sozial gesinnte Lehrer Udayan lehrt, aufzulösen, weil sie den Kindern half, zwischen Recht und Unrecht, zwischen Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden. Bevor der Lehrer als der Hauptverantwortliche gefangen genommen werden kann, gelingt es ihm, in die Berge zu fliehen. Von dort plant er, den diktatorischen Herrscher zu stürzen. Mit Hilfe von Goopy und Bagha, die er von dem Unrechtssystem überzeugen kann, sowie mit der Unterstützung der Bauern und Minenarbeiter gelingt es dem Lehrer, den Diktator von Hirak zu stürzen. Nachdem er den Herrscher durch seine selbst entwickelte Gehirnwaschmaschine – allerdings mit einem anderen, sozial und menschlich gesinnten Inhalt – geändert hat, ist dieser einer der Aktivsten, um die monumentale Statue, die er zu Ehren seiner Thronbesteigung anfertigen ließ, zu stürzen und zu zertrümmern.

Zeitgenössische Fabel

Der Film ist eine Fortsetzung von S. Rays erstem Kinderfilm, "Die Abenteuer von Goopy und Bagha" (1969), mit den gleichen Hauptdarstellern, nur mit dem Unterschied, dass Ray gesellschaftspolitische Vorstellungen bewusst in die Story des Films mit verarbeitet hat. Die Sequenz z. B., in welcher der tyrannische König arme Leute vertreiben und ihre Zelte abreißen und verbrennen lässt, weil sie der Beweis für seine Unrechtsherrschaft sind, erinnert an eine Maßnahme von Indira Gandhi: Sie wollte Ende der 60er-Jahre in ähnlicher Weise verfahren, als sie in Delhi unter dem Schlagwort "Weg mit der Armut" Slums niederreißen ließ, die Leute aufs Land verbannt wurden und nicht mehr in die Stadt zurückkehren durften.

"Die Abenteuer von Goopy und Bagha" entstanden auf der Grundlage eines Märchens von Upendra Kishore Ray, dem Großvater des Filmregisseurs, der Schriftsteller und Künstler war. Einige seiner Kinderbücher gehören zu den Klassikern indischer Kinderliteratur. Die gesellschaftlichen Bezüge wurden als orientierende und aufklärerische Kriterien für den jungen Zuschauer eingearbeitet. Der Film "Hirak Rajar Deshe" schafft auf unterhaltsame Art und Weise Identifikationsmöglichkeiten, z. B. für die sozial wünschenswerten Vorstellungen des jungen Lehrers, der sich listenreich gegen ein diktatorisches Regime, verkörpert durch den – noch zusätzlich eitlen – König, zur Wehr setzt und sich am Ende mit seinen sozialen und freiheitlichen Vorstellungen durchsetzt.

Ein ernsthaft "lustiger" Film

Diese für Kinder gut verständliche Botschaft wurde von Satyajit Ray mit großer Könnerschaft in beeindruckende Bilder umgesetzt. Dabei benützt er die unterhaltsame filmische Vermittlung (Musik, Gesang, Action, Komik, Zaubereien und Abenteuer), die seiner Meinung nach besonders geeignet sind, Bewusstsein zu entwickeln. Das entspricht auch seinen Vorstellungen von einem Kinderfilm, der auf verschiedenen Ebenen existiert, und deswegen für Kinder und Erwachsene von Interesse ist. Ray verwendet eine besondere Form der Komik, indem er die beiden Hauptdarsteller teilweise in Reimen sprechen und singen lässt. Weiter verkörpern beide auch eine gewisse Naivität und Tollpatschigkeit, gepaart mit Klugheit. So tragen sie dazu bei, das totalitäre Regime in seiner dummen Machtarroganz zu entlarven und lächerlich zu machen. In ihrer Menschlichkeit bieten sie sich als gute Identifikationsfiguren an. Sie erleichtern es dem Zuschauer, die Welt, die Menschen und Herrschaftsstrukturen kennen und verstehen zu lernen.

Regisseur Satyajit Ray

Ray wurde am 2. Mai 1921 in Kalkutta geboren. Sein Vater Sukumar Ray und sein Großvater Upendra Kishore Ray waren bekannte bengalische Schriftsteller und Künstler. Satyajit Ray studierte Ökonomie am Presidency College der Universität Kalkutta. Von 1940 bis 1942 lernte er Malerei und Grafik bei Rabindranath Tagore (Nobelpreisträger). Von 1942 bis 1956 arbeitete er bei einer englischen Public Relations Firma, dessen künstlerischer Direktor er seit 1946 war. 1947 gründete er zusammen mit seinem Arbeitskollegen Chidananda Dasgupta den ersten indischen Filmclub, die 'Calcutta Film Society'. Angeregt durch den Neorealismus, vor allem beeinflusst durch Filme wie "Fahrraddiebe" von Vittorio de Sica und seine Bekanntschaft mit Jean Renoir, der 1951 in Indien seinen Film "Der Strom" drehte, begann der mit den Arbeiten zum Film "Panther Panchali" ("Klagelied der Straße"), den er 1955 fertig gestellt hat. Satyajit Ray schreibt seine Drehbücher selbst; seit 1961 macht er auch die Musik und entwirft die Kostüme zu seinen Filmen.

Filmografie (nur Kinderfilme):

1969 "Goopy gyne Bagha byne" ("Die Abenteuer von Goopy und Bagha"); P: Poornima Pictures, Calcutta – R und M: Satyajit Ray – B: nach einer Geschichte von Kishore Ray
1974 "Sonar Kella ("Die goldene Burg"); P: Government of West Bengal – B, R und M: Satyajit Ray – Auszeichnung: 1. Preis bei dem Internationalen Kinder- und Jugendfilmfestival, Teheran 1975
1978 "Joi Baba Fellunath" ("Der Elefanten Gott"); Auszeichnung: Bester Kinderfilm, New Delhi 1978
1980 "Hirak Rajar Deshe" ("Königreich der Diamanten")

Hans Strobel

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 12-3/1982 - Interview - "Das Königreich der Diamanten"

 

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