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Ausgabe 12-4/1982

Produktionsgeschichte des Kinderfilms "Der Zappler"

(Hintergrund zum Film DER ZAPPLER)

Petra Haffter von C & H Film hält die verwickelt-vertrackte Produktionsgeschichte des Kinderspielfilms "Der Zappler" für relativ typisch: "Claudia Schröder hatte mit der Finanzierung ihres Films 'Konrad' ganz ähnliche Probleme." Zwei Jahre lag das Buch bei der Produktionsfirma, und es war nie klar, wann der Film realisiert und ob er realisiert werden kann. "Bereits 1980 hatte der Regisseur Wolfram Deutschmann einen Antrag beim Kuratorium junger deutscher Film gestellt. Wir hatten als weitere Schritte abgesprochen: Fernsehbeteiligung; Bundesinnenministerium Kinderfilmmittel Abteilung C; Mittel der Filmförderungsanstalt (FFA) und Berlin-Kredit. Zuerst war das Projekt auf 1,4 Millionen DM kalkuliert, was für einen Kinderfilm sehr realistisch wäre. Das Bundesinnenministerium und die FFA hatten abgelehnt. Der Ablehnungsbescheid der FFA, den wir als Produzenten brauchen, um Widerspruch einlegen zu können, wurde uns erst fünf Monate später zugestellt. Dadurch konnten wir das Buch nicht wieder einreichen und die geplante Drehzeit Sommer 1981 fiel ins Wasser. Bei der FFA war die Diskussion besonders schwierig. In der Begründung hieß es, dass das Problem der Behinderten zu lehrhaft dargestellt sei und der Stoff als Kinofilm nicht in der Lage sei, wirtschaftlich zu sein. Wirtschaftlichkeit ist aber eines der Hauptkriterien der FFA. Für die nächste Sitzung haben wir dann Widerspruch eingelegt und im September eine erneute Ablehnung bekommen. Wir haben dann das Drehbuch noch einmal überarbeitet und erneut beim Bundesinnenministerium eingereicht. Von der BMI-Kinderfilmkommission haben wir dann auch Geld bekommen. Zu diesem Zeitpunkt setzte etwas Kurioses ein: Wir erhielten vom Kuratorium des jungen Films einen Brief, dass jetzt die Zeit abgelaufen sei und die 150.000 DM, die uns zuerkannt waren, verfallen seien. Wir hatten also vom BMI die Zusage, und da sollte uns die erste Förderung schon wieder verloren gehen. Ich habe dann die Situation erklärt und darum gebeten, dass das Geld 'verlängert' wird, denn das Kuratorium ist ja in der Lage, sich freier zu verhalten und kann mit den Sachen unbürokratischer umgehen als z. B. die FFA. Das Kuratorium hat uns das Geld zugesichert und darüber hinaus aus verfallenen Geldern (von Filmen, die nicht mehr realisiert wurden) den Betrag von 150.000 auf 200.000 DM aufgestockt.

Wir arbeiteten schon ein Jahr an diesem Projekt, hatten auch schon zwei Förderungszusagen, aber immer noch kein Bargeld, d. h. alles, was überhaupt anfiel, mussten wir erstmal vorfinanzieren, weil ja erst Geld fließt, wenn die Gesamtfinanzierung steht. Mit dem Fernsehen waren wir auch schon seit 1980 in Verhandlung. Wir haben es eigentlich bei allen Sendern versucht, aber nur der Hessische Rundfunk (HR) war überhaupt bereit, sich zu beteiligen. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hatte das Projekt abgelehnt, weil sie schon einmal einen Behindertenfilm gemacht hätten, das war der Film 'Vorstadtkrokodile', der aber gar kein Kinofilm war, sondern ein Fernsehfilm. Die anderen Sender waren kleinere Sender, die gar nicht so große Etats zur Verfügung haben. Hinzu kam, dass zu dieser Zeit eigentlich auch schon die Finanzmisere bei den Sendeanstalten ausbrach, da die geplante Gebührenerhöhung nicht stattfand oder verschoben wurde. Bei der Kinderfilmfinanzierung ist es mit dem Fernsehen besonders schwierig, weil die Kinderfilmetats besonders klein sind und die Redaktionen entweder wie das ZDF sich darauf eingeschossen haben, hauptsächlich Serien aus dem Ausland zu kaufen, oder wie es der HR tut, hauptsächlich Eigenproduktionen zu realisieren, weil dadurch wenig direkte und viele indirekte Kosten für die Sendeanstalten anfallen, was den Etat nicht so belastet. Problematisch auch, dass sie in den seltensten Fällen für 70- oder 90-minütige Kinder-Kinofilme gar keine Sendeplätze haben. Und in den normalen Fernsehspielabteilungen oder in den Abteilungen, in denen über Projekte für das Film- und Fernsehrahmenabkommen entschieden wird, hat der Kinderfilm keinen Fürsprecher.

Die Fernsehbeteiligung hatten wir damals im Finanzierungsplan mit 180.000 DM angesetzt. Nachdem wir die zwei Prämien hatten, konnten wir dann auch in Berlin einreichen, was zu diesem Zeitpunkt noch unproblematisch war; zumal der Film in Berlin gedreht werden sollte, der Regisseur und die Produktion in Berlin waren. In Absprache mit dem HR haben wir versucht, eine zweite ARD-Anstalt zu finden, damit sie ihre Etats koppeln und jeder nur eine kleinere Summe gibt. Die anderen Sender sind nicht darauf eingestiegen und der HR hatte keine 180.000 DM mehr. Was wir noch bekommen konnten, war der Betrag für Lizenzverkäufe, das sind 126.000 DM als Beteiligung für eine Koproduktion. Diese Fernsehrechte sind nur für eine zweimalige Ausstrahlung innerhalb von fünf Jahren, nach Ablauf von zwei Jahren Kinoauswertung und nur für die Bundesrepublik, denn man kann für dieses wenige Geld nicht alle Rechte hergeben.

Zu dieser Zeit hatten wir das Projekt schon herunterkalkuliert auf ca. 1 Mill. DM, weil die 1,4 Mill. nicht zu erreichen waren: Wir haben die Drehzeit radikal reduziert, von den geplanten sieben bis acht Wochen auf fünfeinhalb und dann auch die Zeit des Films von 90 auf 70 Minuten verkürzt, um überhaupt den Film herstellen zu können. Die neu auftauchende Finanzierungslücke durch das Fernsehen konnten wir nicht mehr selber schließen, denn C & H Film hatte durch die Vorfinanzierung des Films über zwei Jahre hinweg so zwischen 50.000 und 60.000 DM übernommen, ohne überhaupt eine Sicherheit zu haben, dass das Projekt realisiert wird. Wir haben dann einen Koproduzenten gesucht, der mit Barmitteln einsteigt, denn von öffentlichen Stellen gab es keine Möglichkeiten mehr, den Etat aufzustocken. Klaus Sungen, der bei C & H Film ein Jahr als Produktionsleiter gearbeitet und sich selbstständig gemacht hatte, wollte mit seiner Firma 'Sungen-Grüttgen Filmproduktion' gern selbst mal was produzieren, damit sie hier in Berlin auch mal als neue Produzenten anerkannt werden, sind auf dieses Risiko eingestiegen; wobei man sagen kann, dass dies für Kinderfilmproduktionen unüblich ist. So sind wir mit 70.000 DM Kredit als Eigenmittel von Sungen-Grüttgen Filmproduktion erst im Juni 1982 – also in der heißen Vorbereitungszeit – in die Situation gekommen, dieses Projekt auch finanzieren zu können."

Aufgezeichnet von Manfred Hobsch

 

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