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Ausgabe 14-2/1983

"Das kann doch nicht nur ein Strohfeuer zum Jahr des Kindes gewesen sein ..."

Interview mit der Produzentin Petra Haffter von C&H-Film

(Interview zum Film BANANEN PAUL)

Petra Haffter, 30, ist die einzige Filmproduzentin, die zwei lange Kinderspielfilme gemacht hat: "Bananenpaul" und "Der Zappler". Bei anderen Produktionsfirmen war der erste Kinderfilm gleichzeitig auch der letzte. Sie ließen schnell wieder die Finger davon. Trotz schlechter Erfahrungen sieht Petra Haffter auch für die Zukunft Kinderfilme als festen Bestandteil ihrer Produktionsarbeit. Die KJK sprach mit Petra Haffter in Berlin anlässlich der diesjährigen Filmfestspiele/Kinderfilmfest.

KJK: "Bananenpaul" war dein erster Kinderfilm. Wie bist du überhaupt darauf gekommen, Kinderfilme zu machen?
Petra Haffter: "Eigentlich haben wir nicht vorgehabt, einen ausschließlichen Kinderfilm zu machen. Ein Gedanke war vorangegangen: Wir haben uns angeguckt, welche Filme im Kino erfolgreich sind, dabei ist uns aufgefallen, dass die erfolgreichsten Filme der letzten Jahre Kinderfilme waren, 'Krieg der Sterne' z. B., jetzt 'E.T.' – Filme, die von kleinen Kindern genauso gern gesehen werden wie von Erwachsenen."

Also war es dein Ziel, mit "Bananenpaul" möglichst viele Kleine und Große in die Kinos zu locken?
"Das war der Grundgedanke. Es war nie unser Ansatz, pädagogisch daherzukommen. Das ist mir wichtig, hier noch einmal zu betonen. Es geht um den Unterhaltungswert ... Wir möchten gern etwas machen, wo Kinder nicht ausgeschlossen sind, und wo auch Erwachsene ihren Spaß haben, also Kino allgemein."

Trotzdem: "Bananenpaul" ist ja wohl ein Kinderfilm ...
"Er wurde als Kinderfilm eingeordnet. Es war nicht unsere Absicht, ihn so zu benennen, aber wegen der Finanzierung, er bekam Gelder aus der Kinderfilmförderung. Es war 1976, das Jahr nach dem 'Jahr des Kindes', das Jahr, in dem in der Bundesrepublik die Kinderfilmförderung eingerichtet wurde. Es wurde uns nahe gelegt, an diesen Topf heranzugehen."

Damals war ja der Kinderfilm sozusagen ein brachliegendes Feld ...
"Ja, Produzenten und Regisseure waren aufgerufen, es zu bearbeiten. Auf dieses Versprechen haben wir uns eingelassen ..."

Auf was für ein Versprechen?
"Man hatte versprochen, dass man sich für diesen Bereich engagieren würde, auch beim Verleih, bei den Kinos ... Es gab ja fünfzehn Jahre lang überhaupt keine Kinderfilme in unserem Land. Wir sind noch immer der Meinung, dass es richtig ist und wichtig, Kinderfilme herzustellen. Wir haben also mit 'Bananenpaul' den Sprung gewagt."

Es blieb nicht bei dem einen Kinderfilm; dieses Jahr ist "Der Zappler" zu sehen.
"Das Drehbuch wurde uns vorgelegt. Der Autor hat eine Produktion gesucht, die bereit war, einen Kinderfilm zu produzieren. Bei jungen Produktionen kommen eigentlich leichter Kinderfilmprojekte auf den Tisch. Bei etablierten wagt man offensichtlich nicht, so etwas anzubieten, denn hierzulande gilt der Kinderfilm noch immer als etwas 'Minderwertiges'."

Also seht ihr euch unter diesem Aspekt als eine junge Produktion, die es als Chance begreift, dass Etablierte die Finger vom Kinderfilm lassen?
"Wir haben uns gesagt: Wir wollen Kinderfilme herstellen, wir wollen das Publikum ansprechen, wir wollen uns um das Kinopublikum von morgen kümmern."

Immerhin seid ihr die einzige Produktionsfirma, die zwei lange Kinderspielfilme produziert hat, zudem noch zwei, die mit Preisen ausgezeichnet wurden; beim Kinderfilmfest Berlin 1982 ("Bananenpaul") und 1983 ("Der Zappler") und auf dem Filmfestival in Luxemburg ("Der Zappler") sowie auf dem Kinderfilmfestival in Tomar/Portugal, wo "Bananenpaul" den ersten Preis bekam.
"Nach 'Bananenpaul' haben wir uns gesagt, dass wir es noch einmal wagen. Man kann etwas nicht nur einmal machen. Das ist der Fehler, der rundherum gemacht wird. Das wäre doch sonst nur ein Strohfeuer gewesen ... Wir haben uns gesagt, Kinderfilm ist ein Teil unserer Arbeit. Wir machen auch was anderes. Wir betrachten den Kinderfilm als eine Schiene, auf der wir weiterarbeiten wollen."

Wie klappte die Finanzierung vom "Zappler"? Was ist mit der Kinderfilmförderung?
"Die Finanzierung vom 'Zappler' war wesentlich schwieriger als die von 'Bananenpaul'. Dieser war in die Kinderfilm-Euphorie gefallen. Inzwischen haben das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesinnenministerium die Kinderfilmförderung schon wieder reduziert. Aber wir waren der Meinung, dass 'Der Zappler' nicht nur eine Entscheidung für das Projekt war, sondern eine filmpolitische. Wir wollten deutlich machen: Kinderfilm darf nicht als fünftes Rad am Wagen mitgeschleift werden. Wir haben uns darauf verlassen, dass Verleiher und Kinos an dem Strang mitziehen. Und da sind wir enttäuscht."

Wieso? Läuft "Bananenpaul" nicht gut?
"Doch, 'Bananenpaul' läuft sogar sehr gut, ist ins Ausland verkauft worden, man kann sagen, der Film ist erfolgreich. Aber sein Erfolg ist natürlich nicht zu vergleichen mit 'normalen' Filmen. Ich habe gerade ein Gespräch gehabt mit unserem Weltvertrieb, der sagte, er glaubt nach wie vor daran, auch wenn er uns im Moment nicht sehr viel Verkaufsergebnisse auf den Tisch legen kann. Es braucht eben seine Zeit ..."

Und wie ist es mit der Fernsehauswertung?
"Nach fünf Jahren kommt er ins Fernsehen, solange ist ja bei Kinderfilmen Fernseh-Sperre. Nun stellt sich die Frage: Ist das hilfreich oder nicht? Ist diese Sperrfrist gescheit? Wäre es nicht sinnvoller, parallel zu fahren, Fernsehen und Kino ..."

Da gibt's ja wohl geteilte Meinungen.
"Ja, aber Kinder sehen sich gern Filme drei, viermal an, wenn sie ihnen gefallen, freuen sich auf ihre Lieblingsszenen. Ich glaube, dass eine Fernsehausstrahlung der Kinoauswertung kaum ins Gehege kommen würde."

Wie sieht es mit dem Vertrieb von Kinderfilmen aus?
"Auch da ist es wichtig, mehrere Kinderfilme zu haben. Ich glaube, dass sich bei Kinderfilmen der Rückfluss viel länger hinzieht. Denn die sind ja ganz anders einsetzbar. Es sind Filme, die immer wieder laufen können."

Deine anfängliche Euphorie ist offensichtlich realistischer Skepsis gewichen. Wo liegt es am meisten im Argen?
"Man braucht Geld für Public Relations – siehe 'E.T.' – und ebenso für Grundlagenforschung, die unbedingt betrieben werden muss. Man darf nicht kurzsichtig sein, sondern muss sehen, dass es nicht nur um momentane Erfolge geht ... Hier bei uns wird es schon wieder abgebrochen, ehe es richtig angefangen hat. Ich weiß nicht, wie lange wir als einzelne Produktion den Atem haben, das weitermachen zu können."

Neben dem Atem – was macht es außerdem noch schwer, gute Kinderfilme herzustellen?
"Es ist noch immer nicht geschafft, dass erfahrene Regisseure und Regisseurinnen Kinderfilme machen. Daraus folgt, dass fast ausschließlich Nachwuchskräfte darin ihre Chance sehen. Und die haben nicht die Erfahrung. Kinder sind ein hartes, schwieriges Publikum. Sie haben ein Gespür dafür, ob die Geschichte gut erzählt ist, ob die Dramaturgie stimmt, vor allem dafür, wenn beides nicht stimmt ..."

Wie geht's weiter?
"Ich finde, dass man diesen Kampf nicht aufgeben darf. Einmal aus persönlichen Erwägungen, ich möchte eine angefangene Arbeit fortsetzen. Mit dem Abdrehen ist es nicht getan. Die Arbeit geht kontinuierlich weiter, was die Betreuung angeht. Trotz schlechter Erfahrungen: Ich kann nicht sagen, dass sich meine Haltung geändert hat. Ich finde es nach wie vor wichtig und richtig, Kinderfilme herzustellen, trotz Ärger wegen der Förderung. Ich finde es auch wichtig, dass Kinderfilme genügend finanziert sind. Im Augenblick ist es so, dass die Filme ausgesprochen mager und mit wenig Geld hergestellt werden sollen. Man braucht aber für die Produktion von Kinderfilmen eigentlich mehr Stab, viel längere Drehzeit, viel längere Vorbereitungszeit – Kriterien, die die Herstellungskosten eines Films erhöhen. Warum nun gerade Kinderfilme in die Ecke von Low Budget- und Nachwuchsfilmen gedrängt werden, ist überhaupt nicht zu verstehen."

Meinst du, dass es keine Schublade Kinderfilm geben sollte?
"Ich glaube, dass der Begriff 'Kinderfilm' den Produktionen, die mit diesem Stempel auf den Markt gekommen sind, nicht gut getan hat. Ich sehe das parallel zu dem Aufkleber 'Spiel gut'. Da kann man ebenfalls sicher sein, dass Kinder dieses Spielzeug nicht anrühren. Man merkt das immer wieder an den Reaktionen von Leuten: Wir sind stolz auf 'Bananenpaul', erzählen zum Beispiel, dass der schon seit so und soviel Wochen hintereinander läuft, und bekommen zur Antwort 'ist doch nur ein Kinderfilm' ..."

Das Gespräch mit Petra Haffter führten Gudrun Lukasz-Aden und Christel Strobel

 

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