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Ausgabe 14-2/1983

"Fünf Freunde in der Tinte"

(Film in der Diskussion zum Film FÜNF FREUNDE IN DER TINTE)

Inhalt

Fünf Freunde – zwei Mädchen, zwei Jungen und ein großer Hund – machen ohne Eltern einen mehrtägigen Radausflug. Sie treffen dabei einen verwöhnten Jungen aus reichem Haus, der ein Stück mit ihnen fährt. Eine Verbrecherbande jedoch will diesen Millionärssohn entführen, und so verfolgen zwei Männer die Kinder auf ihrer Fahrt. In einem günstigen Moment schnappen sie zu, erwischen aber das falsche Opfer, nämlich den jüngsten der fünf Freunde. Die übrigen drei Kinder, der Millionärssohn und der Hund machen sich mutig auf die Verfolgungsjagd und entdecken das Versteck der Kindesentführer, ein einsames Haus. Sie schaffen es gemeinsam, dort einzudringen, werden aber vom Chef der Verbrecherbande entdeckt und ebenfalls festgehalten. Bei einer, natürlich heimlichen, Hausinspektion nachts entdeckt der älteste der fünf Freunde das Versteck seines irrtümlich entführten Bruders, bringt aber auch sonst noch allerhand in Erfahrung. Die Kinder überlisten am nächsten Tag die Entführer, schmuggeln den Millionärssohn aus dem Gelände, bevor die Verwechslung entdeckt wird und können sich selbst aus ihrem Versteck befreien. Inzwischen ist die Polizei informiert, die Verbrecher geraten in Panik und wollen fliehen. Die Kinder und der Hund können jedoch die Männer festhalten und der Polizei übergeben. Durch ihren Spürsinn, Mut und Einsatz haben die fünf Freunde eine Kindesentführung vereitelt und eine Verbrecherbande überführt.

Stellenwert des Films

Katrin Hedmans Film "Fünf Freunde in der Tinte" vertritt eine Filmgattung, die für den deutschen Kinderfilm eigentlich bedeutungslos war: den Kinderkrimi. In Großbritannien, bei der Children's Film Foundation, fast einzig vorstellbare Form des Kinderfilms, in anderen Ländern auch durchaus gepflegt, konnten sich solche Krimi-Abenteuergeschichten für Kinder in Deutschland nicht durchsetzen. Hier macht sich wohl der starke Einfluss von Pädagogen in der Filmzensur bemerkbar. Ist dieser Film also von daher eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Kinderfilm, so fällt er doch gleichzeitig in die große Kategorie der Verfilmungen berühmter Kinderliteratur. Ein großer Teil dieser Verfilmungen geht auf die Bücher von Enid Blyton und Astrid Lindgren zurück, deren Romane bei den deutschen Kindern und Jugendlichen weit verbreitet waren. Alle diese Filme sind Co-Produktionen mit verschiedenen skandinavischen Ländern und in der Regel dürfen diese Filme auch eher diesen Ländern zugeschrieben werden, als dem deutschen Kinderfilm.
(Aus: Begleitmaterial des 8. Intern. Kinderfilmfestivals Frankfurt/M. 1982, Retrospektive des deutschen Kinderfilms seit 1945)

Bewertung

Der Film "Fünf Freunde in der Tinte" hat eine logisch aufgebaute, durchgehende Handlung, die allen Ansprüchen an Spannung und Effektivität entspricht. Zugleich gibt es viele lustige und muntere Szenen, so dass die Kinder auch Spaß und Vergnügen haben. Es werden in der Geschichte kindliche Wünsche angesprochen, wie ein gemeinsamer Ausflug mit Freunden ohne Erwachsene oder der nach einem eigenen Haustier, und durch die Verwirklichung werden die fünf Freunde zum Vorbild für die Zuschauer. Etwas banal ist dabei die klischeehafte Rollenverteilung auf ängstliche Spaghetti kochende Mädchen und starke furchtlose Jungs; vor allem das knabenhafte Mädchen "Georg" unterstreicht dies noch. Etwas komisch oder dumm werden alle Erwachsenen dargestellt, auch hier die typischen Rollenzuweisungen: Die Verbrecher sind alle Männer, und die Haushälterin ist naiv und gutmütig und lässt sich herumkommandieren. Angenehm dargestellt ist dagegen, wie die Kinder miteinander umgehen und sich gegenseitig helfen, auch wenn es Schwierigkeiten gibt. Etwas zu harmlos erscheint die "Kindesentführung". Diese Darstellung kann bei den Kindern den Eindruck erwecken, dass es nicht ein gefährliches Verbrechen ist, sondern eher ein spannendes Ereignis, bei dem man gut Detektiv spielen kann. Im Ganzen gesehen ist dieser Film spritzig und unterhaltsam, regt aber nicht unbedingt zum Nachdenken an, was sich bei einem Gespräch mit 9- bis 12-jährigen Kindern nach dem Film zeigt.

Heidi Bornemann

 

Zeitgenössische Kritiken

Paula Linhart im kath. "film- dienst" (17 119, 1970):

"... Die Geschichte, nach einem viel gelesenen Jugendbuch der Schriftstellerin Enid Blyton gedreht, läuft mit betulichem Umstand an und ein betulicher Stil, in dem das Wohlverhalten der Kinder und ihr unerschrockener detektivischer Eifer als Verhaltensnormen dominieren, nimmt ihr die Realitätsbezogenheit.

Es wird, trotz konstruierter Gefährlichkeit, nie ganz ernst und auch den Gangstern sieht man ihr vergebliches Spionieren und Agieren schon an der Nasenspitze an. Ein Schock ist deshalb auch für die jüngeren Jahrgänge nicht zu befürchten, obwohl das Spannungselement im Rahmen der kleinen Vergnüglichkeiten und Unterhaltungsbefriedigung bis zum Ende durchgehalten wird. Als 'Lebensmodell' ist der ganze Ablauf zu harmlos durchsichtig, aber vom Stoff her bieten sich Assoziationen zur Wirklichkeit an, so dass sich die Geschichte nicht ganz ins Luftleere verflüchtigt, sondern mit der einen oder anderen Überlegung und aus dem Hinterhalt das glatte Schema ein paar nützliche Kratzer erhält ... Die Regie hat die Kinder zwar reichlich beschäftigt, aber zu wenig Vitalität und Individualität aus ihnen herausgelockt. So zeigt auch diese deutsch-dänische Produktion, dass die Voraussetzungen für einen empfehlenswerten Kinderfilm nach der pädagogischen Konzeption und dem formalen Anspruch hoch liegen und sich nicht mit redlichen Absichten und bunten Effekten zusammenbasteln lassen."

Eckhart Schmidt im "Münchener Merkur" vom 30.11.1970:

"Ein etwas unauffälliger, aber durchweg sympathischer Kinderfilm aus Dänemark. Ohne die Kinder mittels Buch oder Regie allzu sehr in Erwachsenen-Klischees zu zwängen, spult – nach Motiven von Enid Blyton – die Regisseurin Katrin Hedman die abenteuerliche Geschichte einer Radtour ab, die mit der Entführung eines Millionärssohns endet. Zur Abwechslung betätigen sich die Kinder einmal nicht als Supermänner, sondern setzen alles dran, ihrem von den Gangstern versehentlich gekidnappten Freund mit Hilfe der Polizei aus der Klemme zu helfen. Katrin Hedman verzichtet dabei auf die üblichen Krimi-Effekte und die üblichen altklugen Kinderfilmmätzchen – eineinhalb Stunden Unterhaltung, die man sich gefallen lassen kann."

 

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