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Ausgabe 15-3/1983

FILMVERRÜCKT

MOVIE CRAZY

Produktion: The Harold Lloyd Corporation (William R. Fraser), USA 1932 – Drehbuch: Vincent Lawrence, nach einer Story von Agnes Christine Johnston, John Grey, Felix Adler, und der szenischen Bearbeitung von Clyde Bruckman, Frank Terry und Lex Neal – Regie: Clyde Bruckman – Kamera: Walter Lundin – Musik: Nacio Herb Brown und Archiv – Schnitt: Bernard Burton – Darsteller: Harold Lloyd (Harold), Constance Cummings (Mary) – ca. 80 Min. – s/w – 16mm-Verleih: BAG (nur für Mitglieder); Irrbild München

Filmkomödie über die Erlebnisse des vom Film besessenen Harold, der sich vorgenommen hat, eine "Filmkarriere" zu machen – der Traum vieler Menschen.

Inhalt

Aufgrund vertauschter Fotos wird der filmverrückte Harold zu Probeaufnahmen in die amerikanische Filmmetropole Hollywood eingeladen. Kaum am Bahnhof angekommen, wird er gebeten, als Passant ganz unbefangen durchs Bild zu gehen. Bereits in diesen Szenen bringt er das Filmaufnahmeteam vom Regisseur, den Hauptdarstellern bis zum Produzenten zur Verzweiflung. Schließlich verliebt er sich auch noch in die Hauptdarstellerin. Nach weiteren Verwicklungen erreicht er, dass Probeaufnahmen mit ihm gemacht werden. Seine Schwierigkeiten steigern sich, weil er immer noch nicht zwischen Schein und Realität zu unterscheiden vermag. So macht er heute der blonden Mary, morgen einer rassigen Spanierin den Hof – nicht ahnend, dass diese das Werk der Maskenbildnerin ist. Er betrügt somit Mary mit Mary selbst. Die Komplikationen erreichen einen Höhepunkt, als er bei einem Ball auf der Toilette den Frack eines Zauberers mit seinem eigenen verwechselt. Er verbreitet unter den Gästen mit Mäusen, Kaninchen, Tauben und Wasser spritzenden Blumen, die er unbeabsichtigt aus seinem Frack zaubert, große Aufregung. Harold fehlt trotz aller Erfahrungen immer noch der Durchblick im Studio. Bei dem gut gemeinten Versuch, seiner angebeteten Mary zu helfen, die gerade in einer Filmszene von seinem Rivalen bedroht wird, kommt es zu einem harten, sehr ernst gemeinten Kampf zwischen den beiden Männern, wobei die gesamte aufwändige Schiffsdekoration zu Bruch geht. Harold bleibt am Schluss der Sieger. Der zufällig anwesende Produzent versteht die gesamte Situation falsch, hält alles für ein köstliches Lustspiel und engagiert Harold als "Starkomiker".

Zum Film

Der Film beginnt mit einem für Harold Lloyd typischen Gag: Der Zuschauer glaubt, dass Harold bequem in einem Auto sitzt und sich durch die Gegend kutschieren lässt, bis sich die Kamera zurückzieht und der Zuschauer erkennt, dass Harold auf einem Fahrrad direkt neben dem Auto hergefahren ist. Zu den filmischen Höhepunkten zählt die Sequenz, in der Harold die Gäste eines Balls der "Oberen Zehntausend" durch einen vertauschten Frack in Panik versetzt. – "Movie Crazy" zählt zu den besten Tonfilm-Produktionen von Harold Lloyd.

Die Filmkomik in Person Harold Lloyds (1893-1971)

"Movie Crazy" wurde ein Welterfolg und bestätigte zu der damaligen Zeit die herausragende Leistung dieses Filmkomikers. Er zählt zu jenen Personen der Filmgeschichte, die mit ihrer kinematografischen Besessenheit eine der wichtigsten künstlerischen Erscheinungen dieses Jahrhunderts, die Filmgroteske, geschaffen haben. Das geschah zu einer Zeit, als noch wenige daran dachten, das neue Medium Film mit Kunst in Verbindung zu bringen.

Die Filmfigur gibt keine Rätsel auf und ist für jeden Filmzuschauer leicht durchschaubar und nachvollziehbar. Die komischen Szenen entwickeln sich aus Harolds übereifriger Hilfsbereitschaft. Alles möchte er besonders gut machen, besser als alle anderen. Wenn er etwas falsch gemacht hat, versucht er seine Fehler mehr als hundertprozentig wieder gutzumachen, doch bringt damit nur noch mehr durcheinander. Bei jeder Hilfe stellt er Schlimmeres an. Stets ist er bemüht, in der "großen Gesellschaft" gut aufzufallen, gleichzeitig ist er dieser Gesellschaft gegenüber misstrauisch und macht sie lächerlich. Harold Lloyd ist manchmal bemitleidenswert unbeholfen und tölpelhaft, allerdings nur bis zu einer bestimmten Grenze seiner Geduld – danach ist er in der Lage, schnell und clever zu reagieren.

Er trägt eine Hornbrille ohne Gläser und den kreisrunden Strohhut. Die Hornbrille ist das Symbol des Intellektuellen – dem der Durchschnittsbürger misstraut, dem aber auch heftig mitgespielt wird, indem seine Brille immer wieder von der Nase geschlagen und zertreten wird.

Harold Lloyd, eine der herausragenden Persönlichkeiten der amerikanischen Filmkomödie, verkörpert im Gegensatz zu Charlie Chaplin (Typ des "Einwanderers", des "Fremden") oder Buster Keaton (Typ des "Pioniers") den konformistischen, amerikanischen Durchschnittsbürger der 20er-Jahre, der bereit ist, alle Schwierigkeiten und Rückschläge bereitwillig einzustecken, weil er der Meinung ist, das wären notwendige Erfahrungen auf dem Weg zum großen Erfolg. Deshalb war Harold Lloyd einer der erfolgreichsten amerikanischen Filmkomiker der 20er-Jahre, weil seine Filmkarriere exakt der allgemeinen Ideologie und somit dem Wunschbild des Amerikaners vom Ausstieg bzw. Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen entsprach. Harold Lloyd verkörpert den Komiker der "Hilf-dir-selbst-Generation" (Raymond Durgnat).

Zum Einsatz

Der Film eignet sich als eines der besten Filmbeispiele, die Komik von Harold Lloyd darzustellen. Er könnte z. B. Bestandteil einer Filmreihe 'Berühmte Komiker der "Movie Crazy" ist ein Film, der keiner Alterseinschränkung unterliegt. Er ist genauso für Kinder (ab 6 Jahre) wie für Jugendliche und Erwachsene ein filmisches Erlebnis.

Literatur

Adam Reilly, Harold Lloyd. Seine Filme – sein Leben. Heyne TB, München 1980, 160 S. m. Abb., 5,80 DM
Wolfram Tichy, Harold Lloyd. Buchen, Luzern / Frankfurt 1979, 160 S. m. Abb., 29,-- DM

Hans Strobel

 

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