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Ausgabe 15-3/1983

"Ich möchte vor allem keine pädagogischen Filme machen"

Interview mit Claudia Schröder, Regisseurin des Films "Konrad aus der Konservenbüchse"

(Interview zum Film KONRAD AUS DER KONSERVENBÜCHSE)

KJK: Du bist ja auf dem Gebiet des Kinderfilms ein "Newcomer". Was hast du bisher gemacht?
Claudia Schröder: "Ich bin 1953 geboren. Studiert habe ich in Braunschweig und Hamburg, und zwar hauptsächlich Kunsterziehung. Als Studienabschluss habe ich mit Kindern einen kurzen 16mm-Film über Ladendiebstahl gemacht. Dann habe ich einige Zeit an Hamburger Gymnasien unterrichtet, dabei auch immer wieder optische Medien verwendet. Zwei Jahre lang habe ich dann als Fernsehjournalistin beim Südwestfunk und beim Südfunk gearbeitet. Das war mir aber zu sehr mit Schreibtischarbeit verbunden. Darum bin ich in die Filmproduktion gegangen und habe bei Ottokar Runze Regieassistenz gemacht (bei 'Stern ohne Himmel' und 'Feine Gesellschaft'). Der 'Konrad' ist meine erste eigene große Filmarbeit."

Wie kam es zu der Idee des "Konrad"?
"In Berlin gibt es einen Arbeitskreis 'Roter Elefant', der mit Kindern auf den Gebieten des Films und der Literatur sehr aktiv arbeitet. Ich habe dort eine Zeitlang mitgemacht. Uns kam sehr bald die Idee, selber einen Kinderfilm zu produzieren. Als Vorlage dafür gefiel uns die Geschichte von Christine Nöstlinger am besten. Wir nahmen mit ihr Kontakt auf, und sie hatte nichts gegen die Filmpläne. So fingen wir zu sechst an, das Drehbuch zu schreiben. Das war natürlich nicht leicht, weil die gruppendynamischen Prozesse zwar spannend, aber für das angepeilte Endprodukt eher hinderlich waren. Zuletzt habe ich das Buch allein in die Endfassung gebracht."

Wie habt ihr den Film finanziert?
"Wir haben das Drehbuch bei den Gremien eingereicht. Die Produktion war mit 900.000 DM veranschlagt. Aus der Hamburger Filmförderung bekamen wir 180.000 DM, vom Kuratorium junger deutscher Film 100.000 DM, vom Bundesinnenministerium 250.000 DM und von Berlin 300.000 DM. Da Berlin sich beteiligte, mussten wir mindestens 60 Prozent der Gesamtsumme in Berlin ausgeben. Dabei hat uns die Kreditfinanzierung ganz schön zu schaffen gemacht. Der noch fehlende Betrag wurde aus Rückstellungen finanziert. Wir haben auf 16 mm gedreht und fürs Kino auf 35 mm aufgeblasen."

Gibt es schon Publikumserfahrungen?
"In Berlin habe ich in einem Kino Probeaufführung mit zweiten und dritten Schulklassen gemacht. Die Reaktionen waren ermutigend. Einige Klassen kannten die Buchvorlage, andere nicht. Aber der Bekanntheitsgrad spielte überhaupt keine Rolle bei der Rezeption des Films; d. h. diejenigen, die das Buch kannten, sind genauso mitgegangen wie die anderen.
Am besten gefielen den Kindern die Aktionen: der Geburtstag, die Freundschaft Konrad-Kitty oder die Konrad-Hilfsaktion der Kinder. Es wurde viel gelacht und gejubelt. Der märchenhafte Anfang hat die Kinder nicht irritiert, im Gegenteil: Er hat Spannung erzeugt, die sich dann z. B. bei den gefährlichen Blaumännern fortsetzte, die die Kinder unheimlich fanden.
Beim Kinderfilm-Festival in Tomar/Portugal habe ich im Januar '83 den 2. Preis der internationalen Jury bekommen. (1. Preis: 'Der rote Strumpf', Kinderjury: 'Bananenpaul') Trotz. der Einsprechschwierigkeiten ist der Film von den portugiesischen Kindern gut angenommen worden, sie haben zwischendrin und am Schluss viel geklatscht."

Wie muss für dich ein guter Kinderfilm aussehen und was sind deine nächsten Pläne?
"Ich möchte vor allem keine pädagogischen Filme machen. Kinderfilme müssen spielerisch sein, müssen Spaß machen. Wenn man trotzdem dabei was lernen kann, finde ich das gut, es muss aber nicht sein. Aus eigenen Kindheitserinnerungen, die natürlich inzwischen reichlich verklärt sind, und aus meiner eigenen Arbeit kann ich mir vorstellen, was bei Kindern ankommt. Aber ein Rezept kann ich dafür nicht geben. Ich glaube, es ist vor allem wichtig, die Kinder bei allem Spaß ernst zu nehmen, weil die sehr schnell merken, wenn sie verschaukelt werden. Eigentlich müssten Kinder selber Filme machen. Aber ich habe erfahren, dass sie zwar tolle Ideen haben, bei der Realisation aber in Klischees stecken bleiben. Außerdem steht ihnen die Technik im Wege. Gelernt habe ich daraus, dass man mit Kindern gut Film-Geschichten erfinden kann, die dann aber mit einfachen Mitteln professionell umgesetzt werden müssen. Dabei kommt es überhaupt nicht auf die Perfektion und den Aufwand etwa von 'E.T.' an, im Gegenteil, sie erschlagen die Phantasie.
Ich möchte mehr Kinderfilme machen, weil es spannend ist, mit Kindern und für Kinder zu arbeiten. Aber ich will auch andere Filme machen. Im Grunde sind die Filme am besten, die Kinder und Erwachsene auf verschiedenen Ebenen verstehen und mögen.
Mehrere Projekte habe ich im Kopf, auch Kinderprojekte. Aber die Produktionsbedingungen dafür sind halt trotz vieler Verbesserungen bei uns noch recht entmutigend. Vor allem muss die öffentliche Diskussion darüber stärker einsetzen, damit das Bewusstsein von der Qualität des Films für die Entwicklung der Kinder wächst."

 

Das Gespräch führte Bernt Lindner

 

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KJK-Ausgabe 15/1983

 

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