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Ausgabe 16-4/1983

ICH BIN MARIA

JAG ÄR MARIA

Produktion: Svenska Filminstitutet / Drakfilm AB / Treklövern HB / Wedel-Film, Schweden 1979 – Drehbuch: Karsten Wedel und Göran Setterberg, nach einer Erzählung von Hans-Eric Hellberg – Regie: Karsten Wedel – Kamera: Rune Ericsson – Musik: Thomas Holewa, Martin Kjellberg – Schnitt: Karsten Wedel – Darsteller: Lise-Lotte Hjelm (Maria), Peter Lindgren (Jon), Claire Wikholm (Mutter), Helena Brodin (Maj-Britt) u. a. – Laufzeit: 100 Min. – Farbe

Unter den fünfzehn Filmen, die das Kinderkino München für sein "Festival des schwedischen Kinderfilms" (22.-29.7.83) ausgewählt hatte, beeindruckte besonders der 1979 von Karsten Wedel gedrehte Film "Ich bin Maria". Obwohl es sich hierbei um ein hervorragendes Beispiel eines für die Kinderfilmarbeit geeigneten Films handelt, war er in der BRD bisher nur im Rahmen von Festivals zu sehen: Kinderfilmfest Berlin 1980, Internationales Kinderfilmfestival Frankfurt/Main 1980, Nordische Filmtage Lübeck 1981. Da der Film bei uns trotz mehrmaliger Ankündigung noch nicht im Verleih ist, stellte das Schwedische Filminstitut für das Festival des schwedischen Kinderfilms in München eine Originalfassung mit englischen Untertiteln zur Verfügung, die bei der Vorführung deutsch eingesprochen wurde.

Der Film beschreibt die Erlebnisse, Träume und Wünsche der zwölfjährigen Maria aus Stockholm. Ihre Mutter hat vorübergehend "keinen Platz" für sie, ist mit dem Umzug in eine neue Wohnung und eigenen Problemen beschäftigt. Deshalb verbringt Maria eine Zeit lang bei Verwandten in einer Kleinstadt. In der von engstirniger Moral und Bigotterie geprägten Umgebung fühlt sie sich nicht wohl. So hält sie sich lieber bei der Familie ihrer Freundin auf, die sie in der neuen Schulklasse kennen gelernt, wo es viel lustiger und freier zugeht.

Eines Tages lernt Maria auch Jon kennen, einen stadtbekannten alten Mann, vor dem die Kinder gewarnt werden, der als Trunkenbold verschrien ist und ein Außenseiterdasein am Rande der Stadt führt. Marias Hilfsbereitschaft und eine gewisse Neugier führen sie zu Jons Haus. Sie entdeckt in Jon einen kreativen, aber unglücklichen Menschen: einen Maler, der den Verlust seiner Frau und der beiden Töchter durch einen Unfall nie überwunden hat und im "Heiligen Zimmer" das Andenken an sie auf seine Weise bewahrt. Zwischen Maria und Jon entwickelt sich eine Freundschaft, und Maria ist es auch, die Jons wunderbare Bilder bekannt macht. Ein Vertreter des Nationalmuseums Stockholm reist an, und nachdem die Zeitung unter dem Titel 'Der naive Künstler aus Tunbro' über Jon Ersson berichtet hat, kramen auch die Bewohner Bilder hervor, die sie irgendwann mal von ihm erhalten und achtlos behandelt haben. Doch der Annäherungsprozess wird jäh unterbrochen, als ein Fernsehteam mit der ihm eigenen Dynamik und Respektlosigkeit in die Welt von Jon einbricht. Der alte Mann kann sich nur wehren, indem er das Team mitsamt den Apparaturen hinauswirft. Nach dieser dramatischen Entwicklung begleitet ihn Maria in ein psychiatrisches Altenheim, sie selbst kehrt zurück zu ihrer Mutter und ist ein Stück erwachsener geworden.

Karsten Wedel hat die Geschichte – nach einem in Schweden populären Buch – einfühlsam ins Bild gesetzt: Das Befinden eines Mädchens zwischen der unbürgerlichen Welt ihrer Mutter und den spießigen Lebenswerten ihrer Verwandten in einem Lebensabschnitt, der selbst so viele Fragen aufwirft, Sexualität, Sehnsucht nach der Geborgenheit bei der Mutter, Freundschaft von Mädchen, Vertrauen fassen zu einem Außenseiter der kleinbürgerlichen Gesellschaft. Zudem zieht die Darstellerin des Mädchens Maria – Lise-Lotte Hjelm – alle Sympathie auf sich und ist eine ideale Identifikationsfigur.

Der Film "Ich bin Maria" war Bestandteil des von BAG und Kinderkino München veranstalteten Begleitseminars "Der Kinderfilm in Schweden". Dabei wurde festgestellt, dass der Film eine Bereicherung des Kinderfilmangebots bedeuten würde und angeregt, ihn bald für die Spielstellen bei uns verfügbar zu machen.

Allgemein hat das "Festival des schwedischen Kinderfilms", das in München durchgeführt wurde, gezeigt, dass sich die Vorstellung eines strukturierten Programms mit Schwerpunkt auf einem 'Kinderfilmland' lohnt. Zum Festival ist ein Sonderdruck erschienen, der Interessierte über die Entwicklung der Kinderfilmproduktion in Schweden, Abspielsituation, Kinderfilmorganisationen usw. informiert sowie detaillierte Angaben zu den fünfzehn Filmen des Münchner Festivals enthält. Bezug über: Kinderkino München e.V.

Christel Strobel

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 49-4/1992 - Interview - Eine neue Erfahrung
KJK 16-4/1983 - Interview - "Wir müssen Menschenfilme machen"
KJK 1-4/1980 - Hintergrund - Mädchenfilme – Stiefkinder der Filmproduktion

 

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