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Ausgabe 18-2/1984

ECHT TU MATSCH

Produktion: DENKMAL-Film / Sender Freies Berlin, BRD 1983/84 – Redaktion: Pierre Le Page – Drehbuch und Regie: Claus Strigel – Co-Regie: Bertram Verhaag – Kamera: Michael Teutsch – Ton: Lothar Kreutzer – Schnitt: Clans Strigel – Musik: NEUMANN – Darsteller: Mine Gruber, Ulrike Neumann, Michael Gahr, Astrid Boner, Ottfried Fischer, Willy Lenik u.v.a. – Laufzeit: 93 Min. – Farbe 16mm- und 35mm-Verleih: atlas film + av, Duisburg

Also echt: Sprüche haben die drauf, die DENKMAL-Leute, da würde selbst Erich Kästner anerkennend grinsen, und dem ist ja auch einiges eingefallen. Nee, wirklich, du: Ich frag mich echt, wo die das hernehmen, die sehen doch eigentlich gar nicht aus wie so Sprücheklopfer. Die wirken doch eher ernst und ruhig. Na ja, die machen sich wohl ziemlich viel Gedanken, und was andere Leute höchstens als Plakette am Auto kleben haben, das haben die live: Herz für Kinder. Und Ohr dazu. Echt geil.

Aber mal im Ernst: die haben da ein dolles Ding gedreht, so'n richtigen Kinofilm. Heißt "Echt tu matsch". Zuerst konnte ich mir nicht soviel darunter vorstellen, aber neugierig hat mich der Titel schon gemacht. Klingt irgendwie motivierend. Und wenn man dann noch überall die Leute mit den Buttons rumlaufen sieht, und diese kleinen Sticker kleben an allen Ecken, dann fährt man eigentlich schon voll drauf ab. Von Werbung verstehen die Typen eben auch noch was. Echt.

Und der Film selber? Echt Spitze, könnt ihr glauben. Aus einem Schüler-Traum wird Wirklichkeit: Die Schüler bestimmen, was im Unterricht dran ist, und die Lehrer mit ihrem Kopf voll Wissen haben sich unterzuordnen. Aus der "Dante-Schule" (hab sowieso nie gewusst, was der Name soll) wird die "Schüler-Schule", eigentlich ganz normal, nicht? Und was da nun so alles läuft, das kann man gar nicht beschreiben, das muss man sehen. Also, mich hat der Film richtig hei gemacht, als wenn ich "Coca Cola im Blut" gehabt hätte. So heißt nämlich ein Song in dem Film, den so 'ne starke Schüler-Playback-Band da abzieht. Das Experiment mit der Schüler-Schule, das ja eigentlich – wie heißt das? – ach ja, das ja eigentlich so 'ne Art Utopie ist, kann eigentlich nicht gut gehen. Zu viele sind dagegen, vor allem die Lehrer, ist ja klar. Nur eine Lehrerin ist da, die voll hinter der 7 a steht, Frau Radke. Die ist richtig sympathisch (Astrid Boner), vor allem beim Hühnereier-Ausbrüten. Aber der Direktor Zander, das ist so'n richtiger Weichkopf, der ist hin und her gerissen und weiß eigentlich nicht, was er will (Michael Gahr). Na ja, der hat aber auch einiges im Nacken, die Eltern, den Schulrat, das Kollegium. Also in dem seiner Haut möchte ich nicht stecken, ehrlich. Dabei gehen die Schüler noch ganz passabel mit ihm um, versuchen ihn auf Kooperation zu trimmen. Aber der Typ ist wohl schon zu verkalkt, der kapiert einfach nichts. Da ist der Hausmeister von der Schule schon menschlicher, der hält sich aus allem raus und macht, was ihm gesagt wird. Aber wie! Das ist schon irre komisch. Der zieht da so 'ne bayerische Privat-Posse ab, so richtig mit Viktualienmarkt-Schalk im Nacken (Ottfried Fischer). Solche hintersinnigen Typen mit ihrem irren Lachen haben die Bayern ja schon oft gehabt, brauchst nur an den Valentin zu denken, oder an den Polt Gerhard.

Und der Mine Gruber und die Ulrike Neumann als Schüler Bastian und Schülerin Uli, das sind auch beide fetzige Typen. Wie die versuchen, ihre Meerschweinchen dazu zu bringen, sich zu lieben, und sich dabei selbst verlieben, das ist schon Klasse. Das hätte ja alles auch eine fürchterliche Schüler-Klamotte werden können, so richtig mit Klamauk und Schau. Ist aber nicht. Das ist ein echt peppiger und witziger Film geworden, bei dem man sich sogar was denken kann. Die Kinder können sich mal eineinhalb Stunden lang vorstellen, wie das wäre, wenn sie das Sagen hätten (das haben die DENKMAL-Leute schon mal vorgeführt in ihrem Kurzlustspiel "Wer wohnt im Wohnzimmer?"). Und die Erwachsenen sollten sich den Film ruhig auch mal ansehen, die könnten, wenn sie nachdenken könnten, einiges daraus lernen. Na ja, irgendwas wird bestimmt hängen bleiben, und vielleicht könnte man wenigstens mal den Versuch machen. Auf jeden Fall kann man sich gut unterhalten.

Was das nun wirklich mit dem Titel auf sich hat? Den Spruch hat so'n schlaksiger Schüler-Typ drauf, dem die ganze Hektik in der Schule echt "too much" ist und der seine Ruhe haben will – die nervende Ruhe einer normalen Schule.

Also, ich finde, der Film kann einem beibringen, alles nicht so eng zu sehen. Und das täte eigentlich allen gut, oder? Na gut, manchmal gehen einem die Schülersprüche schon ein bisschen auf den Geist, und acht Minuten hätte der Film ruhig kürzer sein können. Aber man kann nicht alles haben. Dafür, finde ich, ist der Film trotz der wenigen "Produktionsmäuse" ganz schön professionell geworden. Und darum kann ich auch echt nicht verstehen, warum der Film keinen Preis in Berlin gekriegt hat. Na ja, Märchenfilme sind wohl sicherer. Fragt sich nur, ob sie auch soviel Spaß machen.

Bernt Lindner

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 18-2/1984 - Interview - "Es hat sich auf jeden Fall gelohnt"
KJK 18-2/1984 - Interview - "Es war eine schöne Atmosphäre von Geduld, auch Diskussion miteinander"
KJK 17-2/1984 - Interview - echt tu matsch

 

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