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Ausgabe 18-2/1984

"Das Blaue vom Himmel"

Gespräch mit Ota Koval

(Interview zum Film DAS BLAUE VOM HIMMEL)

"Das Blaue vom Himmel" wird man beim 24. Filmfestival für Kinder in Gottwaldov nicht verschenken, obwohl – wer würde sich nicht ein Stückchen dieser "Bläue" zu besitzen wünschen? Der Film "Das Blaue vom Himmel" des tschechischen Regisseurs Ota Koval (das Drehbuch schrieb Josef Hanzlík nach dem Märchen "Die echte Himmelsbläue" des ungarischen Autors Béla Balazs) wird auf dem Festival "nur" projiziert und wird sich, gemeinsam mit den übrigen am Wettbewerb beteiligten Filmen, um die Gunst der Jury und der Zuschauer bemühen. Bevor dies jedoch geschieht – das 24. Nationale Festival für Kinderfilme in Gottwaldov/CSSR findet vom 14. bis 18. Mai 1984 statt – lesen Sie das Gespräch mit dem Regisseur, der Filme über Kinder, mit Kindern und für Kinder dreht, und der als seinen neunten Film "das Blaue vom Himmel" verfilmte.

KJK: Ich bringe dir das Blaue vom Himmel, ich gebe dir das Herrlichste, aber gleichzeitig das unerreichbarste Geschenk ... So ist es im Film gemeint?
Ota Koval: "Dies ist e i n e Bedeutung. Die weitere ist in der unerfasslichen und ungeheuren Zartheit gewisser Beziehungen oder Grundzüge. Es ist 'das Blaue vom Himmel' immer um uns, kann es jedoch jemand in die Hand nehmen? Die dritte Bedeutung beruht eben in dem 'Blauen', es handelt sich nämlich um die blaue Farbe, um die blaue, welche jedoch ungewöhnliche Fähigkeiten besitzt."

Welche Fähigkeiten?
"Da müsste ich das ganze Szenarium hersagen. Also wenigstens in Kürze: Es ist die Geschichte des Knaben Thomas, der schrecklich gern zeichnet, aber es fehlt ihm an blauer Farbe. Da jedoch die kindliche Phantasie grenzenlos ist, erträumt sie sich auch ihre ungewöhnlichen Fähigkeiten; dank dieser blauen Farbe kann die gemalte Zeichnung lebendig werden. Daraus entsteht nachher eine Reihe dramatischer und komischer Situationen."

Es ist also das Ereignis eines Traumes?
"'Das Blaue vom Himmel' ist ein Film von der Sehnsucht. Von einer großen Sehnsucht, die sich im wirklichen Leben nicht erfüllen kann, und sie überträgt sich in einen Traum und vom Traum zurück in die Wirklichkeit. Es ist eigentlich eine reale Begebenheit, aber alles Geschehen und alle Erscheinungen sind mittels kindlicher Phantasie in einen Traum 'durchfiltriert'. Dies ist übrigens normal – wenn das Kind etwas um keinen Preis in der Wirklichkeit bekommen kann, überträgt es diese Sehnsucht in den Traum, wo sie sich verwirklicht. Die Sehnsucht ist die gleiche, ob sie wirklich oder erträumt ist."

Sie sind also für das Träumen?
"Selbstverständlich. Das Träumen bereichert den Menschen um neue Gefühle, Empfindungen, Erlebnisse. Ein Mensch, der nicht träumen kann – und ich hoffe, es gibt deren sehr wenige – ist unermesslich arm, ist um vieles betrogen."

Das Träumen hängt mit Phantasie zusammen ...
"Es ist sogar durch die Phantasie bedingt. Träume und Phantasie beeinflussen sich gegenseitig. Besonders Kinder ragen in dieser Richtung hervor. Sie arbeiten mit vertrauten Begebenheiten oder Gestalten aus dem wirklichen Leben, schalten sie ein und lassen sie in sehr ungewöhnlichen Situationen handeln. Ich möchte hier erwähnen, dass das Kind einen ungewöhnlich entwickelten Sinn für Gerechtigkeit hat, so dass die Erwachsenen nicht in Situationen geraten, in welchen sie erniedrigt oder verspottet werden. Alles geschieht lächelnd, humorvoll. Es ist bestimmt nicht wahr, dass Kinder programmmäßig hassen. Nehmen Sie nur eine gewöhnliche Lausbuben-Prügelei – die endet in dem Augenblick, wenn der Gegner k.o. ist. Kinder sind an und für sich ungewöhnlich ehrlich. Auch im Rahmen ihrer Vorstellungen, ihrer Träume."

Sie sprachen davon, dass im Film ein gemaltes Bild lebendig wird. Wie?
"Es war die Rede von der blauen Farbe. Mit blauer Farbe malt man auf Zeichnungen meistens den Himmel, so dass vor allem der Himmel belebt wird. Ein solches zauberhaftes Bild wird zu einem Kennzeichen, einem Indikator der Stimmung. Wenn alles lächelt, die Beziehungen gut sind, dann ist der Himmel auf der Zeichnung blau und die Sonne scheint. Wenn jedoch im Gegensatz im Raum oder in der Nähe der Zeichnung jemand ist, der sich ärgert oder unschöne Dinge vollführt, dann verfinstert sich der Himmel auf der Zeichnung, es beginnt zu regnen, zu stürmen und der Blitz des Gewitters kann die Zeichnung auch verbrennen."

Das setzt eine Trickbearbeitung voraus ...
"Hier werden die Tricks scheinbar auf dem einfachsten Prinzip gemacht – der Animation. In diesem Film jedoch haben die Tricks einen völlig anderen Sinn. Hier fungieren sie als ein 'Bedeutung bildendes' Element der Szene."

Wie suchten Sie die Kinder?
"Wir schrieben einen Wettbewerb aus und gemeinsam mit meinem Regieassistenten saßen wir in den heißen Junitagen des vergangenen Sommers im Klubzimmer des Kulturhauses und suchten die Kinder aus. Dann kamen die Ferien, und erst danach konnten wir die Auswahl fortsetzen. Für die Knabenrolle fanden wir den Darsteller ziemlich bald, schlimmer war es mit den Mädchen, aber auch die fanden sich. In den kindlichen Hauptrollen sehen Sie Martin Filip, Lucia Novotná, Pamela Knoschková und Karel Slaby. Außer den Kindern spielen in diesem Film selbstverständlich auch Erwachsene. Manche von ihnen haben eine doppelte oder dreifache Rolle: Da sich das Kind auch beim Träumen auf Gestalten stützt, wie es sie aus dem wirklichen Leben kennt, dichtet es ihnen weitere Rollen in seinen Vorstellungen an."

Wo überall drehten Sie den Film?
"In Franzensbad – der Vorgang spielt sich nämlich in einem kleinen Badeort in den 30er-Jahren ab – dann verschiedentlich in Prag, z. B. auf der Kampa, im Baumgarten ..."

Und haben Sie selbst das Gefühl, dass Sie mit Ihrem Film den Zuschauern "das Blaue vom Himmel" gebracht haben?
"Ich glaube, dass sowohl in diesem Film, als auch in allen meinen vorangehenden Filmen irgendein 'Blaues vom Himmel' enthalten ist."

Das Gespräch führte Nora Grumlikova

 

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