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Ausgabe 18-2/1984

"Beim Fernsehen gibt es keine Romantik"

Gespräch mit dem CIFEJ-Präsidenten Predrag Golubovic

Interview

Ende vergangenen Jahres fand die Generalversammlung des Internationalen Zentrums für Kinder- und Jugendfilm (Centre International du Film pour l'Enfance et la Jeunesse), CIFEJ, zum ersten Mal außerhalb Europas statt – im indischen Calcutta. Wie wir bereits meldeten, wurde dabei der jugoslawische Regisseur und Drehbuchautor Predrag Golubovic, Direktor des Jugoslawischen Film-Instituts in Belgrad, für die nächsten drei Jahre zum neuen Präsidenten des CIFEJ gewählt.

Als Filmemacher ist Golubovic bereits über fünfzig Mal bei Kurzfilm- und Spielfilmfestivals preisgekrönt worden: 1973 etwa erhielt er in Berlin den "Silbernen Bären" für der ersten seiner insgesamt sechs Spielfilme "Biografija Jozefa Sulca" / "Das Leben des Josef Schulz". Außerdem ist er Begründer und Chefredakteur einer Filmzeitschrift in Belgrad, "wo es sehr viel Arbeit gibt, die mich jetzt vom Filmemachen abhält", wie er sagt. Das wird in Zukunft noch verstärkt der Fall sein: Als Präsident des CIFEJ erwartet Golubovic eine Vielzahl von Aufgaben und Problemen.

Jürgen Woldt sprach bei den diesjährigen Filmfestspielen in Berlin mit Predrag Golubovic über Pläne und Ziele, Hoffnungen und Schwierigkeiten des neuen CIFEJ-Präsidenten.

KJK: Wieviele Nationen gehören dem CIFEJ an, wie ist es organisiert und wie wird es finanziert?
Predrag Golubovic: "Das CIFEJ, 1955 gegründet, ist eine regierungsunabhängige Organisation, die der UNESCO angeschlossen ist. Es gehört dabei zur sogenannten Kategorie B, was etwas über die Art der Finanzierung aussagt. So werden die Organisationen der Kategorie A grundsätzlich von der UNESCO finanziert, während die der Kategorie B nur jeweils für einzelne Projekte oder Programme Geld erhalten. Zurzeit sind 57 Länder aus allen Kontinenten Mitglieder des CIFEJ, d. h. 57 nationale Zentren für Kinder- und Jugendfilm haben sich im CIFEJ zusammengeschlossen und arbeiten in ihm zusammen. Damit ist das CIFEJ wohl die größte Filmorganisation der Welt. Neuestes Mitglied ist bei der letzten Generalversammlung in Calcutta im November 1983 Portugal geworden. Und wir bemühen uns, die Zahl der Mitgliedsländer weiter zu vergrößern, beispielsweise ist die Volksrepublik China daran interessiert, Mitglied zu werden. Vermutlich wird sie bei der nächsten Generalversammlung aufgenommen. Darüber hinaus gibt es zehn internationale Organisationen, wie zum Beispiel UNICEF oder den Verband der Internationalen Verleih- und Produktionsverbände, internationale demokratische Jugendverbände, katholische Jugendverbände, internationale demokratische und katholische Frauenverbände, die die Programme des CIFEJ mittragen oder daran teilnehmen."

In welchem zahlenmäßigen Verhältnis stehen dabei die Länder aus Ost und West und der "Dritten Welt"?
"Im Moment setzt sich das CIFEJ in der Mehrheit aus weitgehend industrialisierten Ländern zusammen, wobei ich zu diesen auch die sozialistischen Länder, wie die Sowjetunion oder Polen und die CSSR zähle. Auf der anderen Seite natürlich die großen Industrieländer wie die USA, Großbritannien, BRD, Frankreich, Schweden, alle skandinavischen Länder, auch Australien."

Und die afrikanischen und lateinamerikanischen Länder?
"Eines der Hauptprobleme des CIFEJ und gleichzeitig eine meiner Hauptaufgaben als Präsident des CIFEJ ist es, Aktivitäten in den Ländern zu fördern, die sich in der Entwicklung befinden. Das heißt, diesen bei cinematographischen Initiativen zu helfen, die alle Bereiche des Kinderkinos berühren: Produktion, Vertrieb oder Verleih von Kinderfilmen, sowie auch Produktion von Filmen, die von Kindern gemacht werden. Es geht im Ganzen um die Förderung dessen, was wir Filmkultur nennen."

Wie können Sie dabei konkret vorgehen? Haben Sie Geld zur Verfügung, um die einzelnen nationalen Zentren zu unterstützen?
"Nein. Zunächst einmal ist es die Aufgabe des CIFEJ, die Arbeit der nationalen Zentren zu koordinieren und deren Zusammenarbeit zu unterstützen. Die Hauptarbeit wird also in den einzelnen nationalen Zentren geleistet, die Mitglieder des CIFEJ sind. Aber da das CIFEJ als Organisation alle diese Aktivitäten wiederum zusammenführt, gibt es auch verschiedene Programme, die im Namen des CIFEJ realisiert werden. Eins davon ist zum Beispiel alle zwei Jahre das Festival des von Kindern gemachten Kinos 'Décima Musa' (10. Muse), ein Festival, das durch wechselnde Länder "spazieren geht" wenn man so will. Dabei präsentieren die Mitgliedsländer des CIFEJ Filme verschiedener Kategorien: Dokumentation, Fiktion, Zeichentrick, Reportage. Und die besten Filme werden ausgezeichnet mit dem Preis der "Zehnten Muse" der internationalen Jury. Außerdem machen wir Seminare und Tagungen, auf denen etwa aktuelle medienpädagogische Fragen, allgemein die Problematik Kino und Kinder behandelt werden. Einer der Schwerpunkte des CIFEJ ist auch der "Prix CIFEJ", der auf großen Kinderfilmfestivals verliehen wird, zum Beispiel in Berlin, Moskau, Vancouver. Dieser Preis will Filme unterstützen, die die internationale Verständigung fördern. Er ist mit einer Empfehlung an die nationalen Zentren verbunden, den preisgekrönten Film in die jeweiligen Programme zu übernehmen. Das ist für einen solchen Film sehr wichtig.
Zur Finanzierung ist zunächst zu sagen, dass das CIFEJ nicht viel Geld zur Verfügung hat, sehr wenig sogar. Bei einigen Projekten konnte CIFEJ auf UNESCO-Mittel zurückgreifen, das aber leider sehr selten und dann auch in sehr bescheidenem Maße. Die meisten Veranstaltungen werden von den einzelnen nationalen Zentren finanziert, die sie im Namen des CIFEJ durchführen. Auch wenn wir eine Generalversammlung abhalten, übernimmt das jeweilige Veranstalterland alle anfallenden Kosten. Das gleiche gilt für Festivals. Auch bei der zweimal im Jahr erscheinenden Informationsschrift des CIFEJ stellt sich die Frage der Finanzierung – und die der Vorbereitung und Gestaltung. Für die nächsten zwei Jahre haben das die skandinavischen Zentren übernommen. Wir wünschen uns, dass möglichst alle Länder diese Arbeit unterstützen und gleichzeitig alle davon profitieren."

Wer übernimmt die Kosten des CIFEJ in Paris – Personal, Büro, wer zahlt den Präsidenten?
"Das CIFEJ selbst bezahlt überhaupt niemanden. Da das CIFEJ seinen Sitz in Paris hat, werden die dortigen Aufenthaltskosten von dem französischen Kinderfilmzentrum getragen. Dieses zahlt auch das Generalsekretariat, einen der Sekretäre, sowie die Bürokosten. Alle anderen Funktionen – Präsident, Vizepräsident und Delegierte – sind ehrenamtlich, ich zum Beispiel bin immer noch beim Belgrader Filminstitut angestellt. Aber zusammengefasst: Die Probleme der Finanzierung sind sehr, sehr groß und ernst. Insbesondere suchen wir im Moment zusätzliche Mittel, um interessierten Ländern mit Fachleuten beizustehen oder durch Überlassung von Material ganz praktische Hilfe zu leisten, um dort überhaupt erst einmal ein nationales Kinderfilmzentrum zu gründen."

Was sind Ihre persönlichen Hauptanliegen als Präsident des CIFEJ? Was wollen Sie fördern, was verändern?
"Zunächst sind alle Anstrengungen darauf gerichtet, die Position des CIFEJ, was die Organisation und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsländern angeht, zu stärken. In diesem Sinn stehen wir dieses Jahr zunächst vor einer großen Aufgabe: Das österreichische Zentrum ist im Namen des CIFEJ Organisator eines weltweiten Wettbewerbs, der mit Unterstützung der Vereinten Nationen ausgetragen wird. Dieser Wettbewerb findet unter dem Namen 'Wir sind jung' aus Anlass des von der UNO ausgerufenen "Internationalen Jahres der Jugend" 1985 statt. Er teilt sich in vier Kategorien auf: Dokumentation, Zeichentrick, Spielfilm und Reportage. Und er ist ausgeschrieben für junge Cineasten bis zu 25 Jahren – gestaffelt in die Gruppen bis zu 14 Jahren, bis zu 17 und bis zu 25 Jahren. Das ist eine große Sache. Die Vereinten Nationen und das CIFEJ würden gern sehen, dass auch junge professionelle Filmemacher daran teilnehmen."

Es handelt sich also nicht um ein Festival für Kinder- und Jugendfilme, sondern eines für Filme, die von Kindern oder Jugendlichen gemacht sind?
"Ja, so sieht es das Reglement vor. Bis Oktober sollen die einzelnen nationalen Zentren ihre Filme in eigenen Wettbewerben auswählen. Dann werden die nationalen Programme, die aus bis zu neun Filmen bestehen können (drei je Kategorie) beim großen Festival in Wien Anfang Februar 1985 zusammengefasst. Die dort verliehenen Preise werden so eine Art 'Oscar' für junge Filmemacher darstellen. Dieses Unternehmen wird mindestens zehntausend junge Filmemacher aktivieren – und das im Übrigen nicht nur in den Ländern, die dem CIFEJ angehören, sondern auch in UNO-Ländern, die noch kein nationales Kinderfilmzentrum aufbauen konnten. Wir haben zum Beispiel von neun Ländern erfahren, dass sie gern teilnehmen möchten, aber keine Mittel dafür haben, Bangladesh zum Beispiel. Meine Aufgabe wird es jetzt sein, bei der UNO Mittel zu besorgen, um diesen Ländern helfen zu können. Meines Erachtens lässt dieser Wettbewerb äußerst interessante Resultate erwarten, denn erstmals wird uns dabei unsere Epoche in einem großen Spiegel, soziologisch und psychologisch aus der Sicht der Jungen, vorgehalten."

Ist es Ihre persönliche Politik, dass Sie eher den von Kindern und Jugendlichen gemachten Film fördern wollen und erst in zweiter Linie den für Kinder und Jugendliche gemachten Film?
"Es gibt verschiedene Schwerpunkte für die Arbeit in den Ausschüssen und in der Generalversammlung des CIFEJ. Ein Punkt ist die Produktion und der Austausch von Filmen für Kinder und Jugendliche: Wir sind daran interessiert, dass die überall in der Welt professionell produzierten Filme ein Niveau haben, das den Bestrebungen des CIFEJ entspricht. Dass sie also in erster Linie humanitäre Ziele propagieren. Auf der anderen Seite geht es ebenso um die Förderung von Filmen, die von Kindern oder Jugendlichen gemacht sind. Nicht etwa, um zu erreichen, dass alle Kinder kleine Filmemacher werden, sondern weil das Kino ein Teil der modernen Kultur ist und wir glauben, dass die Kinder sich damit auseinander setzen sollten. Genauso wie mit der Literatur oder der Malerei. Außerdem führt das Filmemachen zu einer Auseinandersetzung mit den Medien überhaupt, wobei wir nicht nur das Kino für interessant halten, sondern auch das Fernsehen. Und besonders jetzt auch Video.
Was nun weitere Projekte für dieses und nächstes Jahr angeht, so möchten wir versuchen, einen zusätzlichen Wettbewerb – vielleicht im UNESCO-Palais in Paris – zu organisieren. Da wollen wir dann alle zwei Jahre die besten Filme aus den verschiedenen internationalen Kinderfilm-Festivals zeigen. Das könnte auch dazu beitragen, den CIFEJ-Preis als eine Art 'Oscar' des Kinder- und Jugendfilms populär zu machen.
Außerdem ist es unser Ziel, ein Archiv für Filme zu gründen, die von Kindern gemacht sind. Früher wäre es sehr schwierig gewesen, eine derartige 'Cinemathek' oder ein solches Museum zusammenzubekommen. Allein schon wegen der unterschiedlichen Techniken: 8mm, Super 8, 16mm. Jetzt aber wird das mit Video leichter möglich sein. Wir können damit zwei Dinge erreichen: einerseits mit Filmen aus einer Vielzahl von Ländern ein Zeugnis unserer Epoche geben; andererseits wird es möglich sein, durch die einfache Art der Vervielfältigung dieses Museum selbst zu vervielfältigen und es ebenso beispielsweise in Berlin, Belgrad, Paris, München oder Moskau einzurichten. Zunächst allerdings sind wir es in Belgrad, die das forcieren und möglicherweise werden auch wir es sein, die damit beginnen.
Eine gute Gelegenheit, all diese Projekte voranzutreiben und unsere Arbeit und ihre Fortschritte zu überprüfen, wird unsere nächste Generalversammlung sein. Dank der wertvollen Hilfe des sehr agilen bundesrepublikanischen Kinderfilmzentrums, an dem große Enthusiasten arbeiten, und auch dank der Unterstützung des Familienministeriums können wir diese Versammlung im Oktober in München abhalten."

Erschwert es Ihre Arbeit, dass die einzelnen nationalen Filmzentren nach sehr unterschiedlichen Mustern strukturiert sind und sehr unterschiedliche Zielsetzungen haben? Dass zum Beispiel in England die Produzenten die Initiatoren sind, während etwa in der BRD die Arbeit eher wissenschaftlich betrieben wird?
"Ja, jedes dieser Länder arbeitet auf seine eigene Weise und nach seinen jeweiligen Möglichkeiten. Aber gerade deswegen glauben wir, dass die Beteiligung am CIFEJ all diesen unterschiedlichen Richtungen einen gemeinsamen Rahmen geben kann. Und dieser Rahmen ist eben die Förderung der besten Kinderfilme, der besten Filme, die von Kindern gemacht werden, und die Förderung von Veröffentlichungen über all diese Einzel-Projekte. Ich habe dementsprechend in Calcutta sehr darauf gedrängt, dass die Beziehungen zwischen den einzelnen Mitgliedern unbedingt verstärkt und auch häufiger wahrgenommen werden sollten. Es gibt im CIFEJ eben Kinderfilmzentren, die Enormes leisten können, wie zum Beispiel das bundesrepublikanische, das schwedische, auch das französische und das sowjetische, und daneben die anderen ohne größere Mittel, ohne die Möglichkeit zu größeren Aktivitäten, die aber für uns auch sehr wichtig sind als Ausgangspunkte für Initiativen und Ideen. Das sollte besser koordiniert werden. Und wenn ich vom deutschen Kinderfilmzentrum rede, dann nicht nur deshalb, weil ich im Moment in der Bundesrepublik Deutschland bin, sondern weil ich finde, dass alles, was hier getan wird, von hohem Wert für das CIFEJ ist – trotz der ganz speziellen Schwierigkeiten hier in der BRD, vor allem was die Produktion von Kinderfilmen angeht."

Welcher Art von Kinder- und Jugendfilmen gelten Ihre ganz persönlichen Vorlieben? Welche Filme halten Sie nach dem Verständnis des CIFEJ für besonders gelungen?
"Sie wissen, ich bin ja selber Filmemacher, und ich habe auch drei Kinder. Ich bin also beim CIFEJ Delegierter von drei Kindern. Ich finde es wichtig, dass zuerst mal ein Bezug der Kinder hergestellt wird zu diesem Medium Kino, ein Bewusstsein geschaffen wird dafür, was das ist. Danach kommt alles andere. Was die einzelnen Filme angeht, spreche ich nicht so gern vom Kinderfilm, sondern eher von Filmen für junge Menschen, wobei ein guter Film für Kinder oder für junge Menschen eben ganz einfach auch ein guter Film ist. Und wir wollen eben die Produktion von guten Filmen fördern. Da wird nun oft gesagt, dass solche Filme nicht kommerziell sein dürften. Aber dazu erzähle ich Ihnen mal einen Fall, den wir beim Festival in Belgrad hatten: Da gab es zusätzlich auch eine Kinderfilmschau, für die wir im letzten 'E.T.' vorgesehen hatten. Nun hatte aber das große Festival diesen Film ausgewählt, ihn nicht dem Kinderfilmfestival überlassen. Was doch zeigt: Ein guter Kinderfilm ist auch ein guter Film für alle."

Trotzdem kann man sich doch nicht so einfach auf den Begriff "guter Film" festlegen. Sie kennen die übliche Auseinandersetzung: Konservative sagen, ein guter Film müsse zuallererst unterhalten, andere meinen, beim guten Film sind pädagogische Inhalte wichtiger, und wieder andere betonen, dass die Phantasie gefördert werden sollte, oder das politische Verständnis, oder der realistische Blick auf Alltagsprobleme – was auch immer ...
"Ich glaube, dass man Film nicht mit Erziehungsmaßnahmen verwechseln sollte, und ich finde, dass die schlechtesten Filme diejenigen sind, die von Pädagogen gemacht werden. Ich meine, dass man den Film den Filmemachern überlassen sollte, genauso wie die Bücher den Schriftstellern und nicht den Literaturprofessoren. Wichtig ist nur: Der Film sollte humanitäre Haltungen entwickeln helfen und damit zu einem neuen Menschenbild beitragen, ohne Hass und Intoleranz. Im Kinderfilm und im Film für Jugendliche hat sich, glaube ich, viel geändert. Diese Filme können nicht nur noch Märchenfilme sein – obwohl auch diese weiter bestehen sollten. Denn ich glaube, auch die innere Welt der Kinder hat sich geändert. Sie ist nicht mehr so eng, sie ist sehr viel weiter als früher, was die Beziehungen zu Mitmenschen angeht, die Gefühle, auch die Liebe. Darauf muss der heutige Kinderfilm natürlich Rücksicht nehmen. Deshalb mag ich zum Beispiel nicht besonders die Filme, die nur schöne Bilder von irgendwelchen Abenteuern zeigen. – Wenn ich also Filme zitieren soll, die ich besonders mag: Wie schon gesagt 'E.T.' Das ist zwar ein Märchenfilm, aber gleichzeitig auch ein Film, der die tiefsten menschlichen Gefühle anspricht. Natürlich aber auch Filme wie 'The Kid' von Charlie Chaplin oder 'Der Krieg der Knöpfe' von Yves Robert. Auf jeden Fall sind es immer Filme, die menschliche Werte betonen."

Und wie halten Sie es mit der Dokumentation, der Abbildung von Realität, auch wenn sie überhaupt nicht ideal oder menschlich ist?
"Natürlich muss man Kindern auch eine Vorstellung unserer Zeit vermitteln, natürlich sollen sie auch Bewusstsein für die Realität entwickeln. Ich glaube, dass es die gefährlichste Sache sein würde zu versuchen, ihnen eine völlig irreale Welt zu liefern. Ich bin aber Optimist, dass in unserer Epoche, die derartig hart und kompliziert ist, trotz allem die menschlichen Werte und Empfindungen überleben werden. Und ich glaube, dass die jungen Menschen auch alle Optimisten sind. Sie wollen in diesem Leben bestehen. Das CIFEJ setzt nicht auf Grenzen politischer oder ideologischer Art. Ich bin sehr glücklich darüber, dass das CIFEJ seit seinem Bestehen alle großen Krisen überstanden hat, selbst die, die zwischen Mitgliedsländern ausbrachen. In der Arbeit des CIFEJ haben sich internationale Krisen niemals niedergeschlagen."

Mit Video, Kabel- und Satellitenfernsehen wird sich die Situation völlig verändern. In einigen Jahren, so kündigte die Deutsche Bundespost an, werden in einer Großstadt wie Hannover wahrscheinlich über fünfzig Fernsehprogramme zu empfangen sein. Wie kann sich angesichts dieser Zukunftsaussichten der Kinderfilm, wie Sie ihn wollen, behaupten oder überhaupt entwickeln?
"Gerade angesichts derartiger Attacken und Möglichkeiten muss man heute und in Zukunft versuchen, in jungen Menschen unabhängige Haltungen zu stützen. Wenn ich von Kinokultur spreche, dann gerade in diesem Sinn: sich zu behaupten gegen Angriffe von Filmen, die Intoleranz predigen, die alle möglichen, keineswegs edlen Züge im Menschen ansprechen. Ich bin Filmemacher, liebe das Fernsehen nicht besonders, abgesehen von Sportsendungen. Aber ich glaube, wir sollten in Video eine große Möglichkeit des Mediums Fernsehen erkennen: Damit könnte man einen großen Reichtum im Programmangebot aktivieren und reaktivieren, mit alten und mit neuen Filmen. Ich habe aber auch keine Angst um das Kino, schon deshalb nicht, weil Kino in einem abgedunkelten Saal stattfindet – und das ist immer noch ein Platz, wo junge Leute sich die Hände halten können. Beim Fernsehen gibt es keine Romantik."

Ich habe auf karibischen Inseln Beispiele gesehen, wie das Medium Film Einzug in die "Dritte Welt" hält. Es gibt dort jetzt Holzschuppen, in denen erstmals mit Videoapparaturen Filme gezeigt werden – fast ausschließlich Kung-Fu-Filme oder Filme wie "Ein Mann sieht rot". Damit lernen dort die Kinder, in der Mehrzahl Besucher dieser Kinos, zum ersten Mal das Medium Film kennen. Wie wollen Sie in diesen Ländern dann sozusagen nachträglich Filmkultur entwickeln? Was kann das CIFEJ in solchen Fällen konkret tun?
"Wir haben ein Projekt begonnen: Ein Programm, zusammengestellt aus etwa 15 Filmen verschiedener Nationen, soll mit Hilfe der UNESCO in derartigen Ländern gezeigt werden. So ein Programm zu machen, ist überhaupt kein Problem, das geht schnell. Das Problem ist vielmehr, Geld aufzutreiben, um jemanden zu bezahlen, der mit diesen Filmpaketen um die Welt reist. Sozusagen einen Animateur des Programms und der Filmkultur überhaupt, der in den einzelnen Ländern auch Amateure begeistert, damit diese dort anfangen, mit Film zu arbeiten. Wir haben verschiedene Länder deswegen angesprochen und eben auch die UNESCO. Und wir sind sicher, dass wir Hilfe bekommen werden. Auch haben wir eine zugegebenermaßen etwas utopische Idee entwickelt: Wir wollen eine Zusammenarbeit herstellen von potenten Mitgliedern mit Ländern der 'Dritten Welt', die interessiert daran sind, mit der Kinderfilmarbeit zu beginnen. Ich bin sicher, dass ein Kinderfilmzentrum wie das schwedische beispielsweise solchen karibischen Staaten helfen könnte, dort Filmaktivitäten zu fördern. Kino ist, wie das Fernsehen oder die Zeitung, die erste Stufe der Kultur. Deshalb ist es so enorm wichtig. Ich denke, wenn man das so sagen darf, dass das CIFEJ da eine durchaus missionarische Rolle spielen sollte. Es gibt überall Gruppen, es gibt viele Menschen, die sich dementsprechend engagieren – es ist Aufgabe des CIFEJ, alle diese Einzelinitiativen zu einer großen, gemeinsamen Sache zu koordinieren."

Interview: Jürgen Woldt

 

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