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Ausgabe 55-3/1993

DIE BÖSEN BUBEN

Produktion: Bea Cuttat / Bruno Moll, Schweiz 1993 – Regie und Buch: Bruno Moll – Kamera: Edwin Horak, Helena Vagnières – Schnitt: Georg Janett – Musik: Armando + Rock Flames – Länge: 95 Min. – Verleih in der Schweiz: Look Now! Zürich – Altersempfehlung: ab 14 J.

Auf einem Felsen über dem schweizerischen Aarburg steht eine massive Festung. Seit Jahrhunderten ist sie als Zeichen der Macht von weitem zu sehen. Früher war sie der Sitz von Habsburgern und bernischen Vögten. Vor hundert Jahren wurde sie zur "Zwangserziehungsanstalt für jugendliche Verbrecher und Taugenichtse" umfunktioniert. Alle paar Jahrzehnte wechselten die Namen: Erziehungsanstalt, Erziehungsheim und seit 1989 Jugendheim.

Für den in Aarburg und Olten aufgewachsenen Dokumentarfilmer Bruno Moll ist diese Trutzburg ein Stück Heimat. Wer als Kind nicht gehorchen wollte, dem drohten die Erwachsenen in der Region Aarburg mit der Festung für "böse Buben". Als 1989 auf der Festung eine neuartige Abteilung für schwer erziehbare Jugendliche eröffnet wurde, stand für Bruno Moll fest, dass er Leben und Erziehungsversuche in dieser "Anstalt für Nacherziehung" auf Film dokumentieren wollte. Über drei Jahre hinweg hat Bruno Moll sowohl Jugendliche wie Erzieher und Erzieherinnen dieser "Anstalt für Nacherziehung" begleitet. In exemplarischen Ausschnitten dokumentiert er den Tagesablauf, zeigt erzieherische Konflikte, und in Gesprächen mit den Betroffenen beider Seiten lässt Moll diese Menschen Zwischenbilanz ziehen. Sein Film ist ein mit Geduld, aber auch Ausdauer gestaltetes Dokument über erste Lebensläufe innerhalb dieses neuen Modells von Erziehungsarbeit.

Mit der Kamera macht uns Bruno Moll zu Besuchern dieses "Jugendheims". Vor allem zu den Jugendlichen, ihren Erfolgen und Rückschlägen, ihren Beweggründen und Hoffnungen gewinnen wir eine informative Nähe, der sich die Inhaftierten vor der Kamera gelegentlich zu entziehen versuchen. Mehr Auseinandersetzung, mehr Einblicke und Diskurse wären dagegen im Bereich der anstehenden Erziehungsfragen wünschenswert. Bruno Moll stellt zwar die wichtige Grundsatzfrage, ob mit Erziehungskonzepten, die mehr ausgrenzen als den Ursachen nachspüren, diesen Jugendlichen überhaupt geholfen werden kann. Über die Methoden, die aufbauend wie zerstörend wirken können, erfahren wir aber zu wenig.

Erfolg und Scheitern sind wiederkehrende Elemente in den dokumentierten Biografien. Erfolg und Scheitern gehören aber auch zur Annäherung des Filmschaffenden mit seiner Kamera. Was das eigene Scheitern, die eigenen Rückschläge in der filmischen Annäherung betrifft, bleibt uns Bruno Moll leider einiges schuldig. Dies liegt am Konzept des Films: Oft fließen Rückschläge in der filmischen Annäherung nur verbal über den Kommentar in den Film ein, während der dramaturgische Ablauf die Brüche und Umwege eher versteckt als sichtbar und damit erlebbar macht. Lebensläufe, die quer zum Konzept lagen, wurden bei der Montage herausgeschnitten. Damit verpasst der Film die Chance, den Boden unter den Füßen von uns Zuschauern wirklich ins Wanken zu bringen.

Robert Richter

 

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KJK-Ausgabe 55/1993

 

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