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Ausgabe 27-3/1986

DER GLÜCKS-BÄRCHI-FILM

THE CARS BEARS MOVIE

Zeichentrickfilm – Produktion: Nelva Ltd. Toronto für American Greetings Corporation, USA 1985 – Drehbuch: Peter Sauder – Regie: Arna Selznick – Künstlerische Gestaltung: Charles Bonafacio – Schnitt: Rob Kirkpatrick, John Broughton – Musik: John Sebastian, Carol King, Patricia Cullen – Laufzeit: 76 Min. – Farbe Verleih: Filmwelt – FSK: ohne Altersbeschränkung

Es scheint, als hätten Regisseurin Arna Selznick und ihr art director kein Drehbuch, sondern einen Himbeerlutscher verfilmt. Nicht "Pretty in Pink" (wie John Hughes' letzte Teenie-Komödie), sondern süßlich in Bonbonrosa. Dabei lässt sich über die Story (Drehbuch: Peter Sauder) noch einiges Positive sagen: Ein Geschwisterpaar und der jugendliche Gehilfe eines Zirkuszauberers sind in der gleichen traurigen Situation – sie sind einsam, ohne Zuneigung und ohne Freunde. Das Geschwisterpaar hat Glück. Die Bärchis, irgendwo über den Wolken in einem lieblichen Land beheimatet, finden sie und geben ihnen – trotz des anfänglichen Misstrauens der Kinder – all die Liebe, die sie bisher entbehren mussten. Für den Zauberlehrling hingegen kommt die Hilfe zu spät: Bevor das ausgesandte Bärchi ihm helfen kann, ist er bereits einem bösen Geist verfallen, der sein Herz verhärtet und ihn dazu bringt, sich an allen glücklichen Menschen, besonders an allen Kindern, zu rächen und sie ebenfalls zu einsamen, hartherzigen Menschen zu machen. Die Bärchis, unterstützt durch das Geschwisterpaar und viele andere Tiere, schaffen es, den bösen Geist zu bannen und den unglücklichen Zauberlehrling, der sie alle bedrohte, in ihre Gemeinschaft aufzunehmen.

Immerhin: Der bedrohliche Jugendliche und die bedrohten Geschwister haben die gleiche Vorgeschichte, und im Ansatz versteht man die Beweggründe des Zauberlehrlings, der nicht das Glück hatte, von den Bärchis Liebe und Zuneigung zu erfahren, sondern der die Erlösung in Aggression und Rache suchte.

Aber dieser durchaus akzeptable Ansatz verschwindet unter einer dicken Schicht filmischen Zuckergusses und geht unter in den tausendmal gesehenen und kritisierten Klischees, mit denen Gut und Böse charakterisiert werden, mit denen eine vermeintlich kindertümliche Handlung vorangetrieben wird. Eine Kostprobe? Etwa die Namen der Tiere: Lämmlein Sanftherz, Leo Löwenherz, Waschbär Sonnenherz und Watschel Paddelherz. Oder die Umsetzung des Gefühls der Zuneigung: Da überfluten Hunderte von knallbunten Herzen die Leinwand. Kurz gesagt, ein Film, der wieder einmal meint, Kinder seien auch mit Gefühlsschablonen zufrieden zu stellen, wenn sie nur bunt und unverschämt genug präsentiert werden.

Der Verleih Filmwelt und die Spielzeugfirma Parker haben es sich eine runde Million kosten lassen, diesen Film und die unvermeidlichen Begleitartikel (die Bärchis gibt's als Kuscheltiere; in den USA übrigens schon vor dem Film) in die Kinos und Spielwarengeschäfte zu bringen: Anzeigen in den Comic-Zeitschriften, große PR-Kampagne in Tageszeitungen und Illustrierten, das Buch zum Film im Bastei-Verlag, Preisausschreiben in Kindergärten und als "abverkaufsstarke Aktionsunterstützung für Ihr Geschäft" (so eine Werbebroschüre für den Handel) Schaufenster-Dekorationen, Gewinnspiele und Video-Kassetten. Der Erfolg: Nur eine Woche nach dem Anspieldatum rangierte der Glücks-Bärchi-Film immerhin auf Platz 9 der bundesdeutschen Box-Office Notierung. Sehr viel Aufwand, um einen Film in die Kinos zu bringen, der sich mühelos durch eine Rolle Drops ersetzen ließe.

Albert Schwarzer

 

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KJK-Ausgabe 27/1986

 

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