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Ausgabe 28-4/1986

DER SOMMER IN DER MUSCHEL

POLETJE U SKOLJKI

Produktion: Viba-Film Ljubljana, Jugoslawien 1986 – Drehbuch: Tugo Stiglic, Vitan Mal – Regie: Tugo Stiglic – Kamera: Rado Likon – Schnitt: Jaka Judnic – Musik: Jani Golov – Darsteller: Denis Sluga, Kaja Stiglic, Boris Kralj, Marjana Kraner, Dare Valic – Laufzeit: 90 Min. – Farbe – Vertrieb: Jugoslavija-Film, Belgrad

Thomas durchlebt die letzte Phase seiner Kindheit. Unter den Erwachsenen gibt es keinen, der seine Fragen und ihn versteht. Die Eltern leben getrennt, haben genug mit ihren eigenen Problemen zu tun und nehmen sich kaum Zeit für ihn. Außer Lukas, einen erfahrenen Fischer, der Meeres-Muscheln züchtet, hat Thomas nur einen alten Computer seines Vaters zum Freund; ihm vertraut er sich an, ihn programmiert er, von ihm erwartet er Rat und Trost in vielen Situationen. Später trifft er ein Mädchen, das die Ferien am Meer verbringt, und verliebt sich. "Vedi", so der Name des Computers, entpuppt sich auch als perfekter Stratege in der Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Kinderbanden in einer aufgelassenen Meeres-Saline. Als jugendliche Motorradfahrer in dieses Paradies eindringen, das weitab vom Touristenrummel liegt, verbinden sich die beiden Banden zu einem gemeinsamen Kampf. Mit Hilfe des Computers stellen sie die Muschel-Diebe, wobei im Kampf Thomas' Anlage zerstört wird. Nun muss er seine Entscheidungen selbst treffen.

Diesem Film haben die 122 Mitglieder der Kinder-Jury des Giffoni Film Festivals 1986/Italien den Hauptpreis zuerkannt. Das hat manchen Journalisten, Filmkritiker und Fachmann für Kinder- und Jugendfilme etwas überrascht – vielleicht, weil dieser Film schlichtweg ordentliche handwerkliche Arbeit darstellt und auch keine sensationelle Geschichte anzubieten hat. Vielleicht ist die Reserve der Erwachsenen aber auch darin begründet, dass der Film Elemente enthält, die etwas irritieren: Da ist zunächst der Trailer – noch vor dem Titel – etwas laut, grell und popig aufgezogen, mit Anklängen an Touristenwerbung für einen Badeort an der jugoslawischen Adria; dann stellt der Film offensichtlich ganz bewusst szenenhafte Beziehungen zu dem erfolgreichen Jugendfilm "Die blaue Lagune" her; und schließlich gibt es im Zusammenhang mit der Liebesromanze zwischen Hauptdarsteller Thomas und seinem Mädchen eine ganze Reihe von verkitschten Postkartenfotos – und Sonnenuntergangs-Aufnahmen! Etwas weniger Schablonen, ein bisschen mehr Nüchternheit hätten dem Film in der Tat ganz gut getan.

Der Film hat aber auch Aspekte, von denen sich 8- bis 14-Jährige durchaus angesprochen fühlen. Die Film-Story selbst gehört wohl dazu: Ein Junge, am Ende der Kindheit, leidet darunter, dass seine Eltern getrennt leben, den eigenen Interessen nachlaufen und nur wenig Zeit für ihn und seine Alltagsprobleme haben. Umso wichtiger wird für Thomas die Beziehung zu dem alten Fischer, der im Meeresbecken Muscheln großzieht, und zu seiner "Bande", die ihm wenigstens zum Teil die Nestwärme ersetzt. Von jemandem ernst genommen werden, Solidarität bei der Bewältigung von Konflikten erfahren, Freundschaft und erste Liebe erleben, aber auch Gefühle von Nichtverstandenwerden und Einsamkeit, wie Probleme mit den Eltern durchstehen – auch das sind Themen aus der Welt der Heranwachsenden. Hinzu kommt, dass der Film eine Reihe "moderner" Elemente geschickt einsetzt: Die Atmosphäre an einem Badeort am Meer, eine Motorrad-Gang, Aerobic-Szenen und schicke Mode, flotte Pop-Musik; und schließlich noch den Computer, der zum Ratgeber, Seelentröster und Freund wird – was Kinder und Jugendliche in der Diskussion über den Film bestätigt haben. Computer, das haben mehrere Filme auf den Festivals des Jahres 1986 gezeigt, lösen zunehmend Puppen als Bezugsobjekte ab. Da dieser Computer im Verlaufe einer Auseinandersetzung aber zerstört wird, wird auch seine Funktion als deus ex machina bzw. als Ersatz für realistische Problemlösungen aufgehoben. So muss Thomas seine Entscheidungen selbst treffen, und seinen eigenen Weg ins Leben gehen.

Anton Täubl

 

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