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Ausgabe 29-1/1987

EMIL UND DIE DETEKTIVE – 1931

EMIL UND DIE DETEKTIVE – 1931

Produktion: Ufa Berlin, Günther Stapenhorst, Deutschland 1931 – Drehbuch: Billy Wilder, nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Erich Kästner – Regie: Gerhard Lamprecht – Kamera: Werner Brandes – Ton: Hermann Fritzsching – Musik: Allan Grey – Darsteller: Fritz Rasp (Herr Grundeis), Käthe Haack (Frau Tischbein), Rolf Wenkhaus (Emil Tischbein, ihr Sohn), Olga Engl (Großmutter), Inge Landgut (Pony Hütchen), Hans Schaufuß (Gustav mit der Hupe), Hubert Schmitz (Professor), Hans Richter (Fliegender Hirsch) u.v.a. – Laufzeit: 74 Minuten – schwarzweiß – FSK: ohne Altersbeschränkung – Verleih: atlas film + av, Duisburg

Inhalt

Emil Tischbein, ein aufgeweckter Junge aus Neustadt an der Dosse, fährt in den Ferien zu seiner Großmutter nach Berlin, 120 Mark hat ihm die Mutter für die Reise von ihrem mühsam Ersparten mitgegeben. Im Zug schenkt ein seriös aussehender Herr dem Jungen Bonbons. Emil isst einen – und weiß dann gar nichts mehr. Er erwacht erst, als der Zug in Berlin angekommen ist. Der Herr ist weg und mit ihm Emils Geld. Eigentlich ein Fall für die Polizei. Aber um die macht Emil lieber einen Bogen, denn in Neustadt hat er einiges angestellt, die Sache mit dem Denkmal – harmlos zwar, aber man weiß ja nie, wie Erwachsene darauf reagieren ... Plötzlich entdeckt er in der Menschenmenge den Täter und folgt ihm. Doch er weiß nicht recht, wie er an den Dieb herankommen soll. Emil ist ratlos, aber bald lernt er einen gleichaltrigen echten Berliner Jungen kennen, frech, helle und gewitzt. Ihm erzählt er seine Geschichte. Durch Gustav mit der Hupe alarmiert, strömen Freunde aus allen Straßen herbei. Nun beginnt eine Verfolgungsjagd, bis in alle Einzelheiten vorbereitet und organisiert. Die Kinder bauen ein perfektes Nachrichtensystem auf mit ausgefuchsten detektivischen Tricks, und Emil steht dabei den Großstadtkindern an Phantasie und Courage in nichts nach. Der Dieb wird schließlich von Emil in der Bank gestellt und überführt. Die Polizei bedankt sich für diesen "Fang", denn Herr Grundeis war kein Gelegenheitsdieb, sondern ein gesuchter Bankräuber. Emil bekommt nicht nur sein Geld zurück, sondern auch noch eine hohe Belohnung. In Neustadt an der Dosse werden die kleinen Helden gefeiert.

Über die Entstehung des Films

Im Jahre 1930 wurde "Emil und die Detektive" für die Bühne inszeniert. Theo Lingen spielte damals den Herrn Grundeis. Im selben Jahr erwarb die Ufa die Filmrechte an dem Kinderbuch. Neben Erich Kästner engagierte die Ufa als Drehbuchautor den Ungarn Emmerich Pressburger. Die beiden Enthusiasten arbeiteten in den Kitzbühler Bergen am Drehbuch für den Film. Damals war es bei der Ufa üblich, ungeachtet der Qualität des Drehbuchs, einen dritten Drehbuchschreiber zu engagieren. Dieser dritte Mann hieß Billy Wilder.

Die Uraufführung fand am 2. Dezember 1931 in Berlin statt. Der Film wurde ein Riesenerfolg und lief auch noch nach 1933 in den Kinos, als Kästner bereits verboten war.

In seinem Klassiker "Von Caligari zu Hitler" schreibt Siegfried Kracauer über den Film "Emil und die Detektive": "Die literarische Figur des Detektivs ist eng mit demokratischen Institutionen verbunden. Durch sein Loblied auf die jugendliche Detektivspielerei suggeriert "Emil und die Detektive" daher eine gewisse Demokratisierung des deutschen Alltags. Diese Folgerung wird sowohl durch die Unabhängigkeit und Selbstdisziplin der Jungen als auch durch dokumentarische Kameraarbeit unterstützt. Saubere, unprätentiöse Dokumentaraufnahmen von Berliner Straßenszenen porträtieren die deutsche Hauptstadt als eine Stadt, in der demokratische Grundrechte blühen und gedeihen. Die helle Atmosphäre, die in diesen Passagen herrscht, kontrastiert mit dem Dunkel, das um Fritz Rasp als Dieb unweigerlich herrscht. Er trägt einen schwarzen Mantel und ist jeder Zoll der Bösewicht aus dem Kindermärchen."

1954 gab es in der BRD ein Remake von "Emil und die Detektive". Man versuchte, den großen Erfolg des Originals zu wiederholen – vergeblich. Als eine lieblos hingeschlampte Sache erschien die Berolina-Produktion im Urteil der Filmkritik. Auch die anderen Wiederverfilmungen, 1935 in England, 1956 in Japan, 1958 in Brasilien, 1964 in den USA, konnten die Qualität des Originals nicht erreichen.

Zeitgenössische Filmkritik

"Das Stück hat etwas Lustiges, Lebendiges in sich. Und etwas hat mir sehr gefallen, das Zusammenhalten der Jungen, denn wenn sie nicht alle dem Dieb nachgerannt wären, dann hätten sie ihn nie gekriegt. ... Und dann etwas, was nicht schön ist. Das Stück endet, als wenn es ein Sonntagsmärchen ist, dass der arme Junge tausend Mark Belohnung kriegt, das gefällt mir nicht, da so etwas in unserem Leben gar nicht passiert."
(Kinderkritik von Vera, 11 Jahre, in: Die Rote Fahne, Dezember 1931)

"Der Ufa-Tonfilm läuft mit unvermindertem Erfolg im Ufa-Cosmopolitan New York. Er wurde am Ende der zweiten Woche noch für die dritte Woche prolongiert. Die New Yorker Zeitungen äußern sich äußerst lobend über den Film. So bezeichnet es der 'Herold' als einen der vielen Vorzüge des Films, dass er gänzlich von der konventionellen Filmliebe frei bleibt und lobt die große Einfachheit in Motiv und Ausführung, die vollkommene Natürlichkeit und Abkehr von jener besonderen sentimentalen Verlogenheit und Gespreiztheit, die vielfach geradezu als unvermeidliche Voraussetzung eines Filmwerks angesehen werden. Im 'New Yorker American' konstatiert Regina Crewe, der Film zeige, dass Amerika kein Monopol auf begabte kindliche Schauspieler und ebenso wenig auf Regisseure besitze, die sie richtig zu behandeln verstehen. ... Selbst der Kritiker von 'N.Y.Sun', der sich nach seiner eigenen Erklärung aus Kinderfilmen sonst gar nichts macht, muss zugeben, dass ihm dieser Film sehr gefallen hat."
(Licht Bild Bühne, Illustrierte Tageszeitung der Filmindustrie,13.1.1932)

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.EMIL UND DIE DETEKTIVE – 1931 im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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