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Ausgabe 32-4/1987

AUF WIEDERSEHEN KINDER

AU REVOIR LES ENFANTS

Produktion: N.E.F. Filmproduktion GmbH / STELLA Film GmbH, München / NOUVELLES EDITIONS DE FILMS S.A. / M.K. 2 Productions Paris, Frankreich/BRD 1987 – Regie und Drehbuch: Louis Malle – Kamera: Renato Berta – Schnitt: Emmanuelle Castro – Ton: Jean-Claude Laureux – Musik: Franz Schubert (Moment Musical Nr. 2), Camille Saint-Saens (Rondo Capricioso) – Darsteller: Gaspard Manesse, Raphael Fejtö, Francine Racette, Philippe Marier-Genoud u. a. – Laufzeit: 100 Min. – Farbe – FSK: ab 6, ffr. – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Concorde (35mm)

"Auf Wiedersehen Kinder" ist der erste Film, den der 55-jährige französische Regisseur Louis Malle nach seinem zehnjährigen Aufenthalt in den USA wieder daheim in Frankreich realisierte. Louis Malle: "Der Film basiert auf einer Erinnerung aus meiner Kindheit, die sich mir als die am meisten dramatische eingeprägt hat. Im Januar 1944 war ich elf Jahre alt und Schüler eines katholischen Internats in der Nähe von Fontainebleau."

Der Film beginnt im Frankreich des Januar 1944 in Paris. Der elfjährige Julien (Gaspard Manesse) kann sich nur schwer von seiner Mutter trennen. Nach den Weihnachtsferien geht es zurück ins Internat. Dort sind drei neue Mitschüler eingetroffen. Julien, einer der Klassenbesten, bekommt Konkurrenz. Bonnet (Raphael Fejtö) heißt einer der drei Neuankömmlinge. Er ist hoch intelligent und von Anfang an für Julien von einem Geheimnis umwittert. Juliens Instinkt trügt nicht. Bonnet heißt eigentlich Kippelstein, ist Jude und wird von den Mönchen, die das Internat betreiben, wie die beiden anderen neuen Mitschüler vor den deutschen Besatzern versteckt.

Louis Malle hat aus der kleinen Episode seiner Kindheit einen großen Film geschaffen. Malle: "Ein Teil der Beziehung von Julien und Bonnet ist ganz sicher nur auf den Drehbuchschreiber in mir zurückzuführen – ohne Zweifel habe ich da auch hineingelegt, was ich gerne mit diesem Jungen erlebt hätte." Authentisch ist jedenfalls soviel: Louis Malles Schulfreund starb in Auschwitz, der Priester, der ihn zu verbergen suchte, im KZ Mauthausen. "Auf Wiedersehen Kinder", der jetzt im November in unsere Kinos kommt, beschreibt sehr präzise und liebevoll die Welt heranwachsender Kinder, die von den Gemeinheiten und Grausamkeiten der Welt der Erwachsenen noch abgeschirmt ist. Der Krieg, die Besatzung, alles ist für sie nur ein Abenteuer, bis zu jenem Januarmorgen, an dem die Gestapo auftaucht und Bonnet und die zwei anderen jüdischen Flüchtlinge verhaftet.

Der Moment im Film, wenn Bonnet, der ahnt, was ihn erwartet, stumm von seinen Klassenkameraden Abschied nimmt, wenn er von der Gestapo in dem Augenblick brutal weggerissen wird, da er Julien zum letzten Mal die Hand reichen will, dieser Moment gehört in seiner Schlichtheit zu den ergreifendsten Szenen, die man seit langem im Kino gesehen hat. Louis Malle hat ihn nie vergessen und sieht heute in ihm das Schlüsselerlebnis für seine Berufswahl als Filmregisseur.

Der junge Küchengehilfe, der im Film die jüdischen Flüchtlinge denunziert, erinnert sehr stark an jene Figur, die Malle vor dreizehn Jahren in seinem Film "Lacombe Lucien" beschrieben hat: einem naiven französischen Kollaborateur, der damals im Zentrum der Geschichte stand. Noch einmal Louis Malle: "Ich dachte einmal, die Geschichte von 'Auf Wiedersehen Kinder' könnte der Prolog für 'Lacombe Lucien' werden. Doch dann schien es mir, als ob diese Geschichte ganz allein einen Film tragen könnte. All diese Jahre habe ich sie mit mir herumgetragen, mit dem vielleicht naiven Gefühl, ich sei noch nicht alt genug, um sie erzählen zu können. Jetzt bin ich alt, und es ist nur natürlich, dass ich zu meiner Vergangenheit zurückkehre."

Auf den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig empfand die Jury das jüngste Werk Louis Malles als die beeindruckendste Arbeit unter vielen anderen und zeichnete "Auf Wiedersehen Kinder" mit dem ersten Preis, dem Goldenen Löwen, aus. Eine Entscheidung, die unter den versammelten internationalen Filmjournalisten eine seltene einheitliche Zustimmung fand.

Bodo Fründt

 

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