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Ausgabe 36-4/1988

PAN TAU – DER FILM

Produktion: Plaza, Tele F.A.Z., Studio Barrandov / Prag, im Auftrag des WDR, BRD / CSSR 1988 – Regie: Jindrich Polák – Drehbuch: Ota Hofman, Jindrich Polák – Kamera: Emil Strotek – Schnitt: Dalibar Lipsky – Ton: Karel Jaros – Musik: Manfred Schoof – Darsteller: Otto Simánek, Dana Vavrova, Ute Christensen, Jan Vlasak, Jakub Drocar u. a. – Laufzeit: 90 Min. – Farbe – Verleih (35mm): Cineplus – Vertrieb: Filmkonto Atlas GmbH, Graf-Adolf-Str. 108, 4000 Düsseldorf

Eigentlich war "Ab morgen zaubere ich nicht mehr" (der auch unter dem Titel "Pan Tau nimmt Abschied" immer wieder im Programm der Kinderkinos zu finden ist) der letzte Film einer über Jahre erfolgreichen Serie. Nach 33 Fernsehfolgen und zwei Kinospielfilmen hatten Regisseur Jindrch Polák und Drehbuchautor Ota Hofman, die "Väter" der populären Figur, Pan Tau verabschiedet. Ota Hofman: "Deshalb haben wir auch seine Melone zum Schluss ein bisschen kaputtgemacht. ... Doch nachdem wir 15 Jahre mit großer Passion zusammengearbeitet haben, waren wir alle traurig beim Abschied. Und auch die Zuschauer waren traurig. Viele Kinder schrieben uns: Das ist nicht möglich, das darf nicht sein, Pan Tau muss weiterleben."

Jetzt lebt Pan Tau auf – auf der Leinwand. In "Pan Tau – Der Film" und wieder – wie könnte es anders sein – ein Film zwischen Phantasie und Wirklichkeit. Die Wirklichkeit: Auch Pan Tau alias Otto Simánek ist älter geworden, reifer und nachsichtiger, auch den Fehlern und Schwächen der Erwachsenen gegenüber. Der Anfang des Films erinnert an den Ursprung der ereignis- und ergebnisreichen Zusammenarbeit der beiden Filmschöpfer. Und so, wie einst deren "Clown Ferdinand und die Rakete" 1962 eine Zweitauswertung der aufwändigen Kulissen des Science-Fiction-Films "Ikarie XB "1 (Regie: Jindrich Polák) im Barrandov-Studio war, beginnt "Pan Tau – Der Film" im Film: Weil ein Pyrotechniker in seinem Übereifer die Kulissen gesprengt hat, entschließen sich die Studiobosse, in den Kulissentrümmern einen Kinderfilm zu drehen, mit Pan Tau, dem einst Erfolgreichen. Die Suche nach dem Darsteller Karásek führt in ein Vorstadttheater für Kinder, in dem er als Pan Tau mehr schlecht als recht seinen Ruhm aufrecht erhält. Die Chance, an den Erfolg noch einmal anzuknüpfen, naht in Gestalt von Alena, der engagierten wie liebenswerten Regieassistentin. Karásek unterschreibt den Vertrag für die Hauptrolle, seine Gefühle schwanken zwischen Dankbarkeit und Eitelkeit. Doch die Dreharbeiten sind für alle ernüchternd. Der Schauspieler ist alt geworden, ungelenk, und er trinkt ein bisschen zu viel.

Ein Double wird gesucht – und von Alena in Gestalt des Altwarenhändlers Novák gefunden, ein skurriler, freundlicher Mann, der mit seinem Hund namens "Mensch" durch die Prager Altstadt zieht. Karásek ahnt davon nichts, umso peinlicher ist er berührt, als ihm Novák im Studio begegnet. Doch der schafft es auf geheimnisvolle Weise, dass Karásek nicht nur vom Wein ablässt, sondern auch sein Selbstvertrauen, die Lebensfreude und die Beweglichkeit des Pan Tau früherer Zeiten zurückgewinnt. Die Filmpremiere im Film wird zum Riesenerfolg für Karásek, den er mit Novák teilen möchte. Doch das Double Pan Tau ist unauffindbar, war da, als man ihn brauchte, hat Gutes bewirkt ohne große Worte, auf zauberhafte, aber sehr menschliche Weise, und ist spurlos verschwunden – wie seinerzeit Pan Tau.

Pan Tau wurde vor gut zwanzig Jahren "geboren" als sanfter, korrekt gekleideter Herr, meist lächelnd und stumm, der in der Gegenwart lebt, Verständnis für Alltagsprobleme hat, der aber auch durch eine Handbewegung an seiner Melone Phantastisches bewirkt. Eine Figur zwischen Phantasie und Wirklichkeit, die unaufdringlich wie nachhaltig das Leben der Kinder verändern und sie in die Lage versetzen kann, Situationen zu meistern, mit Problemen fertig zu werden, aber nur, wenn es nicht erwartet wird. Pan Tau – ein Freund der Kinder. Bisher jedenfalls, erst im neuen Film hat er auch ein Herz für Erwachsene, für einen Menschen, der Schwierigkeiten mit dem Älterwerden hat und mit seinen Mitmenschen, mit seiner Tochter ebenso wie mit seinen Enkelkindern. Doch mit Menschlichkeit und Wärme gelingt es Pan Tau, nicht nur die Generationen zu vereinen, sondern auch aus einem verbitterten wieder einen glücklichen Menschen zu machen, der selbst Gutes bewirkt. Und das – wie immer – auf stille, poetische Weise.

Doch der allererste Pan Tau – ein Objekt der Abschreibung fürs italienische Finanzamt Anfang der 60er-Jahre – war alles andere als poetisch. Das lag nicht an den tschechischen Schöpfern, sondern an den Produktionsbedingungen und dem Produzenten Carlo Ponti. Der wollte ein in aller Welt gedrehtes und in alle Welt zu verkaufendes Fernsehspektakel mit ein bisschen Aladin, ein bisschen Slapstick, vielen italienischen Schauspielern und ein wenig Pan Tau. Diese 821 Pilotfilmmeter verschwanden im Archiv und wurden 1967 von Gerd Müntefering vom WDR im Studio Barrandov wiederentdeckt. Seiner Initiative ist zu danken, dass Jindrich Polák und Ota Hofman "ihren" Pan Tau verwirklichen konnten – eine zwanzigjährige Zusammenarbeit, die jetzt in "Pan Tau – Der Film" mündete.

Otto Simánek, seit 20 Jahren Pan Tau, spielt alle drei Rollen im neuen Film selbst: den frühen, beweglichen, Pirouetten drehenden Pan Tau, den verbittert-melancholischen Pan Tau-Darsteller Karásek und das optimistisch-verschmitzte Double Novák. Er braucht kein Double. Ein Film, der professionell gemacht ist, nicht routiniert auf bewährte Erfolgsstrukturen zurückgreift, sondern durch seine persönliche Sichtweise Kinder wie Erwachsene überzeugt. Darüber hinaus vermittelt er einen amüsanten Einblick ins Filmemachen.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

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