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Ausgabe 40-4/1989

EIN JUNGE AUS KALABRIEN

UN RAGAZZO DI CALABRIA

Produktion: Italian International Film U.P. Schermo Video, Carthago Film, Italien 1987 – Regie: Luigi Comencini – Drehbuch: Ugo Pirro, Francesca Comencini, Luigi Comencini – Kamera: Franco Di Giacomo – Schnitt: Nino Baragli – Musik: Antonio Vivaldi – Darsteller: Gian Maria Volonte, Diego Abatantuono, Therese Liotard, Santo Polimeno, Giada Faggioli – Laufzeit: 106 Min. – Farbe 35mm – Intern. Vertrieb: SALIS Film Rom/Italien – Vertrieb BRD: Taurus Film

Italien 1960. Die Hauptstadt Rom bereitet sich auf die Olympischen Spiele vor. In einem kleinen Dorf in Kalabrien bereitet sich der Junge Mimi vor, ein großer Sportler zu werden. Der Junge mit dem kuriosen Namen ist ein wahres Laufwunder. Jeden Tag liefert er dem alten, klapprigen Bus, der die Dorfkinder zur Schule fährt, auf den engen Serpentinen der Bergstraße ein Rennen, das er sogar meist gewinnt. Eines Tages bietet ihm der hinkende alte Busfahrer an, mit ihm regelmäßig zu trainieren. Weil der Außenseiter wegen seiner Behinderung vereinsamt ist, ermutigt er den Jungen sozusagen stellvertretend zum Wettlaufen gegen die Konkurrenten.

Als Mimis Laufleidenschaft erst geweckt ist, gibt es für ihn kein Halten mehr. Eisern trainiert er sogar mitten in der Nacht. Doch sein patriarchalischer Vater, der in einer Nervenheilanstalt angestellt ist, will ihm diese "Flausen" austreiben. Der Junge soll in der Schule möglichst der Beste werden, damit aus ihm einmal etwas Besseres wird. Bei den harten Auseinandersetzungen steht die Mutter ihrem Sohn heimlich bei – offenen Widerspruch wagt sie jedoch nicht. Trotz eines väterlichen Verbots nimmt der Junge an einem lokalen Wettbewerb teil und gewinnt ihn unter Aufbietung aller Kräfte. Jetzt gibt der sture Vater doch nach. Mimi darf zu den "Jugendspielen" nach Rom. Dort siegt er im entscheidenden Lauf, der ihm eine große Sportlerkarriere eröffnet. Sein Vater und der Busfahrer-Trainer sind stolz auf ihn.

Der 73-jährige Luigi Comencini erzählt seine Geschichte spannend und kindgerecht. Die willensstarke Hauptfigur bietet reichlich Gelegenheit zur Identifikation. Allerdings sind die ausgedehnten Dauerlauf-Aufnahmen dem vermutlich sportbegeisterten Regisseur doch etwas lang geraten. Hier hätten einige Kürzungen dem Rhythmus des 106 Minuten langen Films gut getan.

Der zentrale Generationenkonflikt zwischen dem talentierten Sohn und dem bornierten Vater ist scharf herausgearbeitet. Besonders deutlich wird der vermeintlich gut gemeinte Eifer des Vaters, den Filius auf die "richtige" Bahn zu zwingen, in einer Szene, in der er den Jungen für eine Nacht in eine Zelle der Nervenheilanstalt sperrt. Doch das kalabresische Laufwunder ist am Ende stärker. Mit der Unterstützung des hartnäckigen Busfahrers überzeugt Mimi den Vater durch seine sportlichen Leistungen. Dieses versöhnliche Happy End, das durch den wichtigen Medaillengewinn des Marathontalents noch gesteigert wird, wirkt etwas aufgesetzt. Das ging denn doch alles ein wenig zu glatt.

Insgesamt wirkt die Botschaft des Films – gerade auf Kinder – ermutigend: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Oder: Was, es gibt Schwierigkeiten? Dann erst recht!

Reinhard Kleber

 

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KJK-Ausgabe 40/1989

 

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