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Ausgabe 42-2/1990

VERSCHIEDENE WELTEN

EN VERDEN TIL FORSKEL

Produktion: Nordisk Film Production AS/ L & M Filmproduktion ApS / Danish Film Institute, Dänemark 1989 – Regie und Drehbuch: Leif Magnusson – Kamera: Steen Veileborg – Schnitt: Janus Billeskov Jansen – Ton: Henrik Langkilde – Musik: Thorbjörn Tuvom, Yevgeni Doga, The Birds, The Supremes, Iggy Pop, Simcess, Eric Burdon, The Animals – Darsteller: Adam Kozlowski (Jens), Boguslaw Linda (Daniel), Kirsten Lehfeldt (Bente), Hilda Jensen (Vicky), Miroslaw Dymitrow (Hassec) u. a. – Laufzeit: 96 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Pathé-Nordisk AS, 1 Skelbaekgade, DK-1717 Kopenhagen K – Altersempfehlung: ab 10 J.

Der dänische Spielfilm "Verschiedene Welten" von Leif Magnusson kann seine Notwendigkeit mit seiner Geschichte begründen. Geht es doch um das Schicksal von Heimkindern, die nichts sehnlicher wünschen – und brauchen – als ein Zuhause, als die Geborgenheit einer Familie.

Der zwölfjährige Jens kam, als sich sein polnischer, in Kopenhagen lebender Vater von der dänischen Mutter trennte, zu seinem Großvater nach Jugoslawien. Und dort wurde der Junge dann einfach in ein Heim gesteckt, als der Großvater starb. Das ist die Vorgeschichte, jetzt beginnt der Film: Oft abseits von den anderen Heimkindern baut sich Jens im Wald phantastische Burgen und Schlösser aus Sand, in denen sich seine Träume und Sehnsüchte manifestieren. Gemeinsam mit dem etwas älteren Hassec, der unbedingt zu seinem Bruder nach Hamburg will, macht er sich eines Nachts auf und davon. Als Anhalter geht die Reise los, quer durch Europa, mit dem Zug von Belgrad nach Kopenhagen, als blinde Passagiere! Hassec nimmt die Polizei schon auf dem Bahnsteig in Hamburg fest. "Es bricht einem fast das Herz" – wie rührend hatte sich bis jetzt der Ältere um den Jüngeren gekümmert, und was ist sein Verbrechen? Er wollte zu seinem Bruder ... Es spricht für den hohen Grad an künstlerischer und gestalterischer Kraft dieses "Kinder"-Films, dass selbst Nebenfiguren so eindrucksvoll haften bleiben.

Jens findet seinen Vater in Kopenhagen, der im Hinterzimmer einer tristen Eckkneipe als Berufsspieler "arbeitet". Er ist stolz auf seinen Sohn, freut sich, dass er gekommen ist, aber die Hoffnung ist illusorisch, beide könnten zusammen bleiben. Vater Daniel hat nämlich keine eigene Bleibe. Er ist bei seiner Freundin Bente untergekommen. Die Szenen zwischen Jens (Adam Kozlowski) und seinem Vater (Boguslaw Linda) sind faszinierend. Boguslaw Linda gelingt die atemberaubende Studie eines labilen, entwurzelten Spielers, eines Träumers, der nie erwachsen wurde. In der Kneipe hat auch die 14-jährige blonde Vicky, frühreif, kess und überhaupt nicht ängstlich, eine Art Zuhause gefunden. Mutter ist im Krankenhaus, Vater gibt's wohl nicht. Mit Hilfe dieser pfiffigen Lolita gelingt es Jens tatsächlich, einigen Halunken das Geld wieder abzujagen, das sie dem Vater gestohlen haben. Der könnte sich damit einen Traum erfüllen: ein eigenes Restaurant. Aber er verspielt das Geld.

Suggestiv filmisch, voller Spannung und Poesie und frei von jeglicher Beliebigkeit, führt Leif Magnusson seinen kleinen Hauptdarsteller, der schmerzlich erkennen muss, dass er beim Vater keine Geborgenheit finden kann. Jens verlässt mit dem nächsten Zug Kopenhagen. Die vorsorgliche Bente hatte bereits eine Fahrkarte nach Jugoslawien gekauft. "Ich werde ganz anders werden", schwört sich Jens, als der Zug anfährt und sein Vater in letzter Minute auf den Bahnsteig hetzt ...

Dorothea Holloway

 

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KJK-Ausgabe 42/1990

 

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