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Ausgabe 44-4/1990

DER FRÜHLINGSAUSFLUG

CORSA DI PRIMAVERA

Produktion: Clemi Cinematografice, Italien 1989 – Regie: Giacomo Campiotti – Drehbuch: Giacomo Campiotti, Lucia Maria Zei – Kamera: Carlo Tafani – Schnitt: Roberto Missiroli – Musik: Stefano Caprioli – Darsteller: Alessandro Borelli, Giusi Cataldo, Roberto Citran u. a. – Laufzeit: 100 Min. – Farbe – Internationaler Vertrieb: Impact Film Group, Via Bertoloni, 41, Rom, Italien

Der achtjährige Isacco zieht mit seiner Mutter in ein kleines italienisches Dorf, während sein Vater in Venedig zurückbleibt. Isacco lernt in der Schule den pfiffigen Arbeitersohn Fiorello und den adretten Arztsohn Gabriele kennen und freundet sich mit ihnen an. Während die beiden anderen mit Geschwistern aufwachsen, ist Isacco oft allein zu Hause. Weil seine Mutter tagsüber als Friseuse arbeitet, muss er sich alleine versorgen. Doch auch seine beiden Freunde haben Familienprobleme: Fiorellos älterer Bruder streitet immer wieder mit seinem Vater, weil er noch keine Arbeit gefunden hat, und Gabriele muss in der gutbürgerlichen Familie stets das große Vorbild sein, das er gar nicht sein möchte.

Zum Glück können sich die drei in der Umgebung des idyllischen Dorfes austoben. So entdecken sie bei einem Streifzug durch die Wälder die Höhle, in der der Heilige Augustinus einst gelebt haben soll. Ein anderes Mal zeigt Fiorello dem Neuling Isacco, wie man angelt. Als in ihrer Schule entdeckt wird, dass ein Unbekannter regelmäßig Seifenstücke aus der Toilette stiehlt, machen sich die Kinder daran, die geheimnisvolle Diebstahlserie aufzuklären. Bei der Suche nach dem Täter erleben alle eine Überraschung ...

über Weihnachten besucht Isacco seinen Vater, mit dem er sich prächtig versteht. So will er es nicht hinnehmen, dass seine Eltern getrennt leben und plant, sie wieder zusammenzubringen. Zuvor kommt ihm jedoch ein Zirkuslöwe dazwischen, der ausgebrochen ist und das ganze Dorf durcheinander wirbelt. Als Isacco zufällig auf das Raubtier trifft, kann er dazu beitragen, den Ausreißer wieder einzufangen. Nach der Abreise des Zirkus beschließen die drei Jungen, von zu Hause auszureißen und dem Zirkus zu folgen. Doch am nächsten Morgen wartet Isacco am vereinbarten Treffpunkt vergeblich auf die beiden Kameraden. An ihrer Stelle kommt ein ganz Anderer.

Noch nie habe ich es erlebt, dass Kinder am Ende der Vorstellung eines Kinderfilms immer wieder "Zugabe" riefen. Als "Der Frühlingsausflug" beim diesjährigen Frankfurter Kinderfilmfestival gezeigt wurde, passierte genau das. Die Kinder der Jury ließen sich von diesem Beifallssturm jedoch nicht beeindrucken, denn der italienische Film ging bei der Preisverleihung leer aus.

Der italienische Regisseur erzählt keine geradlinige Heldengeschichte, sondern verknüpft drei Geschichten zu einer. Dabei leistet es sich Giacomo Campiotti sogar, Umwege zu machen und sich bei Nebenhandlungen Zeit zu lassen. So schleichen sich in der Mitte des Films ein paar unnötige "Hänger" ein, für die wir allerdings gleich wieder entschädigt werden durch stille Landschaftsbilder in warmen Farben. Die sensible Inszenierung des 1957 geborenen Regisseurs wirkt sehr lebensnah: Zum einen hat er eigene Erlebnisse verarbeitet, vor allem in der Figur des Gabriele, zum anderen lässt er ein ausgeprägtes Gespür für die kindliche Erlebniswelt erkennen.

Alles in allem ist Campiotti in seinem ersten Kinospielfilm ein Film fürs Herz gelungen, wie ihn wohl nur Italiener drehen können – sentimental, aber wunderschön. Ein viel versprechendes Debüt! Den Namen Campiotti wird man sich merken müssen.

Reinhard Kleber

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 44-4/1990 - Interview - "Kinder brauchen Identifikationsmöglichkeiten"

 

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