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Ausgabe 44-4/1990

GUTE NACHT, HERR LANDSTREICHER

GODNATT, HERR LUFFARE

Produktion: AV Svensk Filmindustri / SVT1, Schweden 1988 – Regie: Daniel Bergman – Drehbuch: Astrid Lindgren – Kamera: Danne Myhrman – Schnitt: Jan Persson – Musik: Steve Dobogosz – Darsteller: Peter Hall (Sven), Stina Lindmark (Kari), Astrid Bräne (Inga), Robert Broberg (Papa), Lena T. Hansson (Mama), Björn Gustafson (Landstreicher) – Laufzeit: 29 Min. – Farbe – Verleih und Vertrieb: Matthias-Film (16mm)

Es ist an einem Abend kurz vor Weihnachten. In dem kleinen gemütlichen Haus herrscht rege Betriebsamkeit. Die Eltern wollen zu einer Beerdigungsfeier und ermahnen ihre drei Kinder Sven, Kari und Inga, schön brav zu sein. Vor allem sollen sie die Haustür von innen gut verriegeln, damit niemand herein kann. Als die Eltern dann mit Pferd und Wagen davongefahren sind, machen es sich die Kinder gemütlich. Nach einiger Zeit miaut draußen die Katze, und Sven, der Älteste, lässt sie herein. Dabei vergisst er aber, den Türriegel wieder einzuhaken und prompt betritt ein fremder, schäbig gekleideter Mann das Haus und fragt, ob er sich aufwärmen dürfe. Die Kinder drücken sich vor Schreck in eine Ecke und wagen kaum einen Blick auf den Eindringling. Der aber richtet sich häuslich ein und entpuppt sich als ein freundlicher Mann mit Namen Manfred. Nach und nach verlieren die Kinder ihre Scheu vor ihm. Nachdem der neue Freund gegessen, getrunken und geschlafen hat, verabschiedet er sich mit den Worten: "Ich besuche euch wieder, wenn die Sonne eine bunte Zwiebel ist und der Mond ein Radieschen und wenn es in der Woche zwei Freitage gibt." – "Gute Nacht, Herr Landstreicher", antwortet Sven und schließt die Tür hinter ihm, nicht ohne sorgfältig den Riegel einzuhängen.

Der Kurzspielfilm ist in einer Zeit angesiedelt, die irgendwann vor der unseren liegt und in der es noch Behaglichkeit und Geborgenheit gibt. Gedämpftes, warmes Licht beleuchtet die Szenerie des nostalgisch anmutenden Interieurs. Der gute alte Holzfeuerherd steht mitten in der Stube, und an den Wänden hängen altmodische Töpfe und Pfannen aus Kupfer. Der Blick der Kamera in diese liebevoll gepflegte kleine Welt gleicht dem staunenden Blick von Kindern in den Mikrokosmos alter Puppenstuben, in den sie sich mit sehnsüchtiger Phantasie hineinversetzen mögen. Das Leben darin geht einen geruhsamen Gang, es kennt keine Hektik und keinen Lärm. Die Menschen darin sind freundlich, fröhlich und in Liebe offen einander zugewandt.

Daniel Bergman, Regisseur des Films und Sohn des berühmten Vaters Ingmar, hat diese Miniaturwelt mit Gespür für Stimmung und Bildwirkung sorgfältig in Szene gesetzt und seine Schauspieler, die Kinderdarsteller eingeschlossen, zu einem kammerspielhaft leisen, auch in den burlesken Szenen nie überzogenen Sprach- und Spielgestus angehalten. So ist eine Filmgeschichte entstanden, die Kindern (ab 5 Jahren) und Erwachsenen gleichermaßen Freude bereiten wird. Es mag besorgte Eltern geben, die sich Gedanken darüber machen, ob das Bild des freundlichen Landstreichers im Film, das so gar nicht mit dem häufig vorhandenen landläufigen Vorurteil gegenüber gesellschaftlichen Randgruppen oder Fremden mit ungewöhnlichem Äußeren übereinstimmt, geeignet ist, ihre Kinder in ähnlichen Situationen vor Schaden zu bewahren. Aber die aus Gesprächen über den Film gewonnene Sensibilität kann dazu beitragen, solche Sorgen vernünftig zu relativieren. Dass letzte Sicherheit im Leben nicht zu haben ist, muss Eltern und Kindern früh bewusst sein. Denn gäbe es sie, so gäbe es keine Märchen, keine Phantasie und auch nicht einen Film wie diesen.

Bernt Lindner

 

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KJK-Ausgabe 44/1990

 

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