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Ausgabe 45-1/1991

KEVIN – ALLEIN ZU HAUS

HOME ALONE

Produktion: John Hughes Produktion, USA 1990 – Regie: Chris Columbus – Drehbuch: John Hughes – Kamera: Julio Macat – Schnitt: Raja Gosnell – Musik: John Williams – Darsteller: McCaulay Culkin (Kevin), Joe Pesci (Harrt'), Daniel Stern (Marv), John Heard (Peter), Robert Blossom (Marley), Catherine O'Hara (Kate) u. a. – Laufzeit: 105 Minuten – Farbe – FSK: ab 6, ffr. – Verleih: Twentieth Century Fox (35mm) – Altersempfehlung: ab 10 J.

Im Haus der McCallisters ist Action angesagt. Weihnachten steht vor der Tür, Hektik und Chaos breiten sich aus. Zu den fünf Kindern kommen noch eine Unmenge von Verwandten, Freunden und Nachbarn, die sich alle unbedingt mal wieder treffen müssen. Da in diesem Jahr der Vater sich als Christkind spendabel zeigte und die Familie nebst Onkel und Tante sowie deren Nachwuchs, zwei Jungen und vier Mädels, zu einer Paris-Reise einlud, bleiben Komplikationen nicht aus. Alles geht drunter und drüber. Und als Kevin, das Nesthäkchen der McCallisters allen im Weg steht und obendrein auch noch Zoff macht, schickt ihn die resolute Mama bis zum Abflug auf den Dachboden. Kevin mault vor sich hin: "Ich wünschte, ich bräuchte euch nie wieder zu sehen." Am nächsten Morgen findet er sich wirklich ganz allein im riesigen Haus wieder. "Es hat geklappt", jubelt der Knirps und tobt im Bewusstsein seiner "magischen" Kräfte begeistert durch die leeren Räume. Was er nicht weiß: Seine Familie hat ihn im Abfahrts-Tohuwabohu einfach vergessen. Während der Achtjährige das Alleinsein genießt, merkt die Mama im Flugzeug plötzlich, dass sie ihren Filius vergessen hat und setzt bei ihrer Ankunft in Paris Himmel und Hölle in Bewegung, um wieder nach Hause zurückfahren zu können – bei dem Weihnachtstrubel keine leichte Angelegenheit.

Inzwischen merkt Kevin, dass nicht alles so in Butter ist, wie er es sich vorgestellt hat. Um das Haus schleichen ständig ein paar undurchsichtige Typen, Einbrecher, die an den Feiertagen leer stehende Anwesen ausräumen und als Markenzeichen nach getaner Arbeit die Häuser unter Wasser setzen. Kevin wird plötzlich zum "Mann" und zeigt den Ganoven, wie man sein Heim verteidigt, auch wenn ihm die Knie dabei schlottern. Und als er die Störenfriede endlich in die Flucht geschlagen hat, kommt auch der Familienclan wieder und schließt den Sohnemann in die Arme ...

Regisseur Chris Columbus beschreibt die Geschichte als eine "Mischung aus den Ängsten und Phantasien, die ein Kind entwickelt, wenn es allein in einem großen Haus ist". Und die Spannung steigt deshalb auch sukzessive. Am Anfang sieht man Kevin die Freuden des Alleinseins genießen: stundenlanges Fernsehgucken mit Cola und Popcorn, ein Blick in den 'Playboy', Treppengeländerrutschen, die Entdeckung von Schränken und Schubladen, das Benutzen von Erwachsenenshampoo und Aftershave. Doch nach und nach reicht die Freiheit nicht, fehlen die familiären Bezugspersonen, steigern sich die Ängste, fühlt sich Kevin einsam, wenn er im Supermarkt einkaufen und die schweren Tüten allein nach Hause schleppen muss, denn auf den Straßen ist weihnachtliche Ruhe eingekehrt, da bleiben selbst die Straßenköter im Warmen, wenn es draußen schneit und vor Kälte klirrt.

Aus dem verspielten Jungen wird aber plötzlich ein verantwortungsbewusster Sohn, als es darum geht, das Zuhause zu schützen. Natürlich setzt Regisseur Chris Columbus auf Action und lässt Rambo-Assoziationen "en miniature" aufkommen. Für Kinder sind die Waffen dann aber doch nicht so bedrohend – ein heißes Bügeleisen, das einem Einbrecher im Gesicht landet, geteerte Kellerstufen, auf denen er Schuhe und Socken verliert, vereiste Außentreppen, auf denen die Ganoven nur so herumpurzeln, oder die Hausspinne des älteren Bruders, die für Schrecken sorgt. Das ganze Schreckensarsenal wird in Slapstick-Manier präsentiert, so dass es mehr komisch als grauenvoll wirkt, zumal der Held ja – auch wegen des oft verwandten 12mm-Weitwinkelobjektivs, das ihn sehr klein in den großen Räumen erscheinen lässt – immer noch ein Kind ist, was allerdings im Laufe der Handlung erwachsen wird.

Spaß macht den kleinen Zuschauern wohl vor allem die Tatsache, dass einer der ihren die bösen Erwachsenen reinlegt und sich nicht unterkriegen lässt, der mit seinem Ideenreichtum den tollpatschigen Gaunern weit überlegen ist. Natürlich hat "Kevin – allein zu Haus" Schwächen, und so mancher Pädagoge wird seine Vorstellung von Kinderfilm wohl nicht wiederfinden und die althergebrachten Formen von Gut und Böse missen. Doch gerade die "Bösartigkeit" des Jungen macht auch seinen Charme aus, indem er nicht weinerlich zu anderen läuft, um sich helfen zu lassen, sondern selbst die Initiative ergreift, auch wenn's dem Unhold ein Brandmal beschert. Und wenn am Ende die Familie den verloren geglaubten Sohn umso fester ins Herz schließt und Kevin einsieht, dass Familie doch das Schönste auf der Welt ist, dann ist auch die Welt der an das Gute glaubenden Oma wieder in Ordnung. Ende gut, alles gut ...

Margret Köhler

 

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