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Ausgabe 47-3/1991

DER HIMMEL IST MEIN HAUS

LANGITKU RUMAHKU

Produktion: Ekapraya Film, Indonesien 1989 – Regie: Slamet Rahardjo Djarot – Drehbuch: Slamet Rahardjo Djarot, Eros Djarot, Harry Tjahyono – Kamera: Soetomo G. S. – Schnitt: Sentot Sahid – Musik: Eros Djarot, Choquie Hutagalung – Darsteller: Sunaryo (Gempol), Banyu Biru (Andri), Pietrajaya Burnama (Dimik), Andri Sentanu (Peris), Reynaldo Thamrin (Andris Vater) u. a. – Laufzeit: 102 Minuten – Farbe – Weltvertrieb: Ekapraya Film Jakarta – Altersempfehlung: ab 8 J. – Auszeichnungen: UNICEF-Preis, Kinderfilmfest Berlin 1991

Mit seiner Geschichte führt der Film in die gegensätzlichen Welten der indonesischen Hauptstadt Jakarta: Während Andri, der zwölfjährige Sohn eines wohlhabenden Geschäftsmannes, von Dienstboten umsorgt und verwöhnt im komfortablen Zuhause aufwächst, lebt der gleichaltrige Gempol mit seiner Familie in einer der ärmlichen Wellblechsiedlungen, gleich vielen vom Land in die Stadt mit der Hoffnung auf ein besseres Leben Zugewanderten. Und während für Andri der tägliche Unterricht eine Last ist und er eigentlich nur in die Schule geht, weil er einmal Präsident werden möchte, haben Gempols Eltern für eine Ausbildung kein Geld. So bleibt ihm, der durch den Verkauf von Altpapier die Familie mit versorgt, nur der sehnsüchtige Blick ins Klassenzimmer, doch selbst daran wird er gehindert und des Diebstahls verdächtigt. Andri ergreift Partei für den Jungen, der sich nicht unterkriegen lässt, und freundet sich mit ihm an. Durch Gempol lernt Andri ein Leben kennen, das ihm bisher fremd war. Seine Anteilnahme wächst, als städtische Räumkommandos eines Tages die Blechdachsiedlung niedergewalzt und die Bewohner, so auch Gempols Familie, umgesiedelt haben. Den Zurückgebliebenen bleibt nur noch der Himmel als Haus. Spontan entschließt er sich, Gempol bei der Suche nach seiner Großmutter aufs Land zu begleiten. Angeblich auf Klassenfahrt, ist Andri mit Gempol nach Surabaya, am "anderen Ende" der Insel Java, unterwegs. Auf ihrer Reise treffen sie freundliche und hilfsbereite Menschen, aber auch undurchsichtige und gewalttätige. Am Ende ihrer Odyssee kehrt zwar Andri in sein Zuhause nach Jakarta zurück und Gempol geht in sein Heimatdorf, aber beide haben durch die Begegnung wichtige Erfahrungen gemacht. Der Film entlässt den Zuschauer mit der Hoffnung, dass sie sich nicht aus den Augen verlieren werden.

"Der Himmel ist mein Haus" ist der erste Kinderfilm aus Indonesien, der hierzulande auf Festivals (Berlin, München) zu sehen war. Er überrascht durch seine realistische Milieuschilderung der krass nebeneinander existierenden Gegensätze. Das 1949 von der holländischen Kolonialregierung unabhängig gewordene, kapitalistisch orientierte Land, ist sowohl in seiner geografischen Gestalt (über 13.000 Inseln, von denen die Hälfte bewohnt sind) als auch in seiner Bevölkerungsstruktur (ca. 80 Prozent islamisch, außerdem Angehörige hinduistischer, buddhistischer, christlicher und verschiedener Naturreligionen) äußerst vielschichtig. Filmmotive wie der im Gebet ausgedrückte Glaube an das universelle Leben der Seele, Zitate aus der "Pancasila" (die u. a. zu Toleranz im Zusammenleben der verschiedenen Religionen verpflichtet), die lakonische Feststellung, dass die "Säuberungen" in den Armenvierteln immer am Unabhängigkeitstag vorgenommen werden, um weiteren Repräsentativgebäuden Platz zu machen, oder die Schulstunde über die Ziele der Weltgesundheitsorganisation WHO – mit hartem Schnitt zu den hygienischen Verhältnissen in den Behausungen der sozial Benachteiligten – spiegeln die vielen Facetten des heutigen Indonesien. Zudem verweist die Szene im Dorf, als Gempol nach seinen Verwandten sucht, auf die Vielsprachigkeit des Landes (neben einer Haupt- und mehreren Regional sprachen gibt es rund 250 Einzelsprachen).

Im Mittelpunkt aber steht die Freundschaft der beiden Jungen Gempol und Andri, die gegenseitig Respekt und Gefühl entwickeln – und damit entwirft S. R. Djarot eine soziale Utopie, die in engagierten Kreisen der indonesischen Gesellschaft zu verwirklichen versucht wird. Er erzählt diese nahe gehende Geschichte ohne Sentimentalität, mit einprägsamen Bildern, einer faszinierenden Musik, und mit Sinn für Unterhaltung (der geschnalzte Erkennungsgruß, den Andri und schließlich das ganze Hauspersonal von Gempol lernt, machte auch bei den hiesigen Zuschauern die Runde). Nach dem Willen des Regisseurs soll sein Film für das indonesische Publikum, das mit vornehmlich amerikanischem Filmimport konfrontiert wird, eine Rückbesinnung auf die eigenen kulturellen Wurzeln sein – für Europäer ist er ein sehenswerter Blick in eine fremde Welt, der Verständnis und Mitgefühl schafft. Hoffentlich nimmt sich bald ein Verleih seiner an und macht ihn auch außerhalb von Festivals einem größeren Publikum zugänglich.

Christel Strobel

 

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