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Ausgabe 47-3/1991

DIE SPRUNGDECKELUHR

Produktion: DEFA, Gruppe "Berlin", DDR / Bundesrepublik Deutschland 1990 – Regie: Gunter Friedrich – Drehbuch: Manfred Freitag, Jochen Nestler – Kamera: Wolfgang Braumann – Schnitt: Vera Nowark – Musik: Bernd Wefelmeyer – Darsteller: Toni Spengler (Hansi), Antje Salz (Rosi), Günter Schubert (Pfundinger), Jörg Kleinau (Hundinger), Jürgen Mai (Vater) – Laufzeit: 85 Min. – Farbe – FSK: ab 6 -Verleih: Progress (35mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Der Film spielt im Jahr 1933, als die Nazis in Deutschland begannen, mit Terror ihre Macht auszubauen. In Anlehnung an die Lebensgeschichte des Widerstandskämpfers Hans Beimler und seiner beiden Kinder erzählt der Film die Geschichte der Geschwister Hansi, 12, und Rosi, 14, die plötzlich auf sich allein angewiesen sind, nachdem ihre Eltern aus politischen Gründen untertauchen mussten. Zurückgeblieben ist eine Sprungdeckeluhr, in der Hansi eine geheime Botschaft für seinen Vater vermutet, und die er mit aller List versucht, dem Vater zuzuspielen. Für beide Kinder beginnt eine abenteuerliche, teilweise lebensgefährliche Reise durch das Nazi-Deutschiand, von zwei – etwas zu tölpelhaft gezeichneten, aber deswegen nicht weniger gefährlichen – Gestapo-Beamten verfolgt. Schließlich gelingt den Kindern mit Unterstützung eines elterlichen Freundes die Flucht in die Schweiz.

Gunter Friedrich, Regisseur u. a. der Filme "Pianke" (1983), "Unternehmen Geigenkasten" (1984), "Hasenherz" (1987), hat mit der "Sprungdeckeluhr" einen politischen Kinderkrimi gemacht, der eindringlich zeigt, was es heißt, in einer Diktatur zu leben, gleichzeitig aber dem Zuschauer das Gefühl gibt, diesem System nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Hans und Rosi wehren sich mit Kraft und Klugheit gegen ein Menschen verachtendes System und seine willfährigen Helfershelfer. Für die Kinder bedeutet das eine oder andere auch eine besondere Form des Abenteuers, ohne dass sie sich immer der Gefährlichkeit bewusst sind. Außerdem haben sie aufgrund ihrer Sozialisation im Elternhaus bereits gelernt, in etwas größeren Zusammenhängen zu denken. Dabei werden sie von einer Reihe von Personen unterstützt.

Der Film setzt die unterhaltenden Aspekte eines Krimis ein, um gesellschaftliche Zusammenhänge emotional begreifbar zu machen. Wenn das auch nicht in jeder Einstellung gelungen ist, bleibt doch das Erlebnis eines Films zurück, der den Zuschauer gefühls- und verstandesmäßig ernst genommen und Kindern ein realistisches Bild der jüngeren deutschen Geschichte vermittelt hat. "Die Sprungdeckeluhr" führt die wichtige Tradition des antifaschistischen Films im deutschen Kinderfilmschaffen fort, wozu als herausragende Beispiele zählen: "Die Kinder aus Nr. 67" (Usch Barthelmeß-Weller / Werner Meyer, BRD 1980), "Jan auf der Zille" (Helmut Dziuba, DDR 1986), "Sie nannten ihn Amigo" (Heiner Carow, DDR 1959) und "Stern ohne Himmel" (Ottokar Runze, BRD 1987).

In dem mit Geist und Humor inszenierten Kinderkrimi "Die Sprungdeckeluhr" wird Geschichte durch Geschichten erlebbar und für Kinder nachvollziehbar. Eine Form, die von Kindern verstanden und akzeptiert wird, weil sie ihrem Unterhaltungsbedürfnis entgegen kommt und ihren Sehgewohnheiten Rechnung trägt. Ein Film, der Kinder politisch etwas klüger macht.

Hans Strobel

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 47-3/1991 - Interview - "... ich werde diesen Film machen, weil er eine antifaschistische Grundposition hat"

 

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