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Ausgabe 47-3/1991

"Ich denke, die Leute sind es langsam leid, immer Filme wie 'Rambo' zu sehen"

Gespräch mit Anne Wheeler, Regisseurin des Films "Angel Square"

(Interview zum Film TOMMY – DER TRÄUMER)

In den letzten Jahren hat sich Kanada zu einem Produktionsland interessanter Kinderfilme entwickelt. Nicht nur der renommierte Rock Demers, sondern auch andere Produzenten haben dort längst erkannt, wie wichtig Filme für Kinder sind. Die Regisseurin Anne Wheeler hatte es zum Beispiel satt, mit ihren beiden Söhnen immer nur Filme im Kino zu sehen, wo entweder Körper herumflogen oder die Leute miteinander wie Zombies redeten.

Mit "Angel Square" schuf sie deshalb für ihre Söhne und alle anderen Kinder eine unterhaltsame Mischung aus Abenteuer, Romanze, Humor und Spannung: Im Jahr 1945 kommen die Träume der Kids noch aus dem Lautsprecher der Radios, wenn die beliebten Figuren aus Comic-Heften dort ihre aufregenden Auftritte haben. Beim zwölfjährigen Tommy schieben sich immer wieder Traumbilder aus Comic oder Radio in den Alltag, zum Beispiel wenn eine neue, betörende Mitschülerin ausgerechnet den gleichen Namen trägt wie die weibliche Hauptfigur der Radio-Show: Da geraten dann Wirklichkeit und Phantasie schon mal durcheinander. Als der Vater seines besten Freundes Sammy von einem Unbekannten angegriffen und tödlich verletzt wird, findet die Polizei keinerlei Spuren und auch keinen Verdächtigen, deshalb beginnt Tommy mit eigenen Nachforschungen ... Eine hervorragende Komödie, die in ihren traumhaften Sequenzen an "Bugsy Malone" erinnert, mit witzigen Anspielungen auf alte Humphrey-Bogart-Filme, Verfolgungsjagden, einer romantischen Nacht und einem Tanz "cheek to cheek", als wäre die ganze Welt ein Comic-Strip.

KJK: In den letzten Jahren sind in Kanada viele Kinderfilme entstanden. Wie schätzen Sie die Zukunft des kanadischen Kinderfilms ein?
Anne Wheeler: "Kinder stellen die größte Zuschauermenge für Kinofilme und sie sind es auch, die sehr viel fernsehen. Aber das meiste was sie sehen, ist voller Gewalt und Aggression. Für mich ist es deshalb wichtig, dies zu ändern: Ich denke, die Leute sind es auch langsam leid, immer Filme wie 'Rambo' zu sehen. Meine Filme sind sehr intime Filme, sie haben einen leisen Humor und sie handeln von Leuten, die es auch so in der Realität gegeben hat. Bei alledem sollte man die Intelligenz der Kinder nicht unterschätzen: Nach den Vorführungen von 'Angel Square' beim Kinderfilmfest Berlin bin ich gefragt worden, ob Kinder nicht Schwierigkeiten haben, alles zu verstehen. Kinder sitzen doch soviel Zeit vor dem Fernseher und mit der Fernbedienung springen sie von einem Film in den anderen oder von der Gegenwart in die Zukunft oder Vergangenheit, sie sind es also längst gewöhnt, von einer Realität in eine andere zu gehen. Deshalb darf man ihnen auch nicht länger naive Geschichten erzählen."

Die großen Box-Office-Hits der letzten Monate aus den USA sind Filme wie "Kevin – Allein zu Haus" oder "Kindergarten Cop". Sind diese Erfolge nur eine Art Episode oder vielleicht der Beginn eines Trends zur verstärkten Produktion von Kinderfilmen?
"Ich denke schon, dass dies der Anfang eines Trends ist, denn die Leute haben langsam die Nase voll von Gewalt und Action um jeden Preis. Wenn ich zum Beispiel an so eine teure Produktion wie 'Darkman' denke, den meine Kinder auch gesehen haben, dann ist der so gewalttätig, dass die Darstellung von Brutalität zum Selbstzweck wird. Die Zeit für solche Filme ist abgelaufen, meine Söhne haben 'Kevin' gesehen und waren ganz begeistert davon."

Warum haben Sie ein Buch von Brian Doyle als Vorlage für Ihren Film gewählt?
"Mein Mann arbeitet in einem Verlag und beschäftigt sich mit Jugend- und Kinderliteratur. Er kommt immer mit einem großen Stapel von Manuskripten nach Hause und meine beiden Zwillinge und ich müssen dann immer unsere Urteile abgeben. Und meine Kinder waren in der Vergangenheit immer enttäuscht, dass meine Filme keine Geschichten für Kinder erzählen. Deshalb habe ich nach einem Stoff gesucht, der auch meine beiden Söhne begeistert. Und so habe ich ein Buch von Brian Doyle ausgesucht, das wir alle sehr mögen. Brian Doyle ist ein sehr populärer und beliebter Autor, weil er in seinen Büchern die wichtigen Dinge mit viel Humor erzählt. Meine Kinder haben den fertigen Film gesehen und sie mögen ihn sehr."

War es denn schwierig, den Jungen für die Hauptrolle zu finden? Und wie konnte er sich in die Zeit der 40er-Jahre hineinversetzen?
"In allen meinen Filmen haben schon immer viele Kinder mitgespielt, auch wenn es gar keine Kinderfilme waren. So habe ich also schon Erfahrung darin, Kinder für einen Film auszusuchen. Doch Jeremy Radick, der den Tommy spielt, war ein Glücksfall, denn er kannte alle Stars der 40er-Jahre wie Humphrey Bogart, er kennt und liebt die Filme dieser Zeit."

In den Fantasy-Träumen erinnert Ihr Film ein wenig an "Bugsy Malone" ...
"Oh ja, ich liebe 'Bugsy Malone', es ist absolut einer meiner Lieblingsfilme für Kinder. Und es ist kaum zu glauben, wie sehr es die Kinder mögen, sich zu verkleiden und in den Kostümen großer Stars aufzutreten. Kinder lieben es, solche Szenen zu spielen und sie lieben es, solche Szenen zu sehen."

Der Film "Angel Square" spielt vor über 45 Jahren: Hatten die Kinder damals mehr Phantasie?
"Ich glaube schon, dass das Radio und auch die Comic-Bücher jener Jahre die Vorstellungskraft der Kinder stärker angeregt haben, sie entwickelten ganz eigene Vorstellungen von irgendwelchen Figuren. Das Radio mit seinen Hörspielen war auch sehr inspirierend: Ich bin selbst mit dem Radio aufgewachsen und habe so meine Vorstellungen vom Aussehen bestimmter Personen entwickelt. Fernsehen und Film sind da schon eher Feinde der Vorstellungskraft, deshalb bemühe ich mich bei meinen Kindern auch darum, dass sie viel lesen, denn es muss für sie möglichst viele Freiräume für Phantasie geben."

Das Gespräch führte Manfred Hobsch

 

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