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Ausgabe 48-4/1991

DIE COMMITMENTS

Produktion: Beacon Communications, USA 1991 – Regie: Alan Parker – Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais, Roddy Doyle, nach dem Roman "Dublin Beat" von Roddy Doyle – Kamera: Gale Tattersall – Schnitt: Gerry Hambling – Musiküberwachung: G. Mark Roswell – Darsteller: Robert Arkins (Jimmy Rabbitte), Michael Aherne (Steven Clifford), Angeline Ball (Imelda Quirke), Maria Doyle (Natalie Murphy), Dave Finnegan (Mickah Wallace), Bronagh Gallagher (Bernie McCloughlin) u. a. – Laufzeit: 116 Min. – Farbe – Verleih: TCF – Altersempfehlung: ab 14 J.

"Have you got Soul? If so, the World's Hardest Working Band is looking for you. Contact ..." Jimmy Rabbitte setzt diese Anzeige in die Zeitung, weil er den Soul nach Dublin bringen, den Dublin-Soul kreieren will. Aus vielen Kandidaten sucht er sich die Talente heraus. Da ist Deco, den er sturzbetrunken auf einer Hochzeit singen hört, Dean, der mit dem Saxophon seines Onkels aufkreuzt, Billy Mooney, der gerade sein Schlagzeug versetzt hat, Steven, der sich mal kurz das Klavier der Großmama "borgt" und Joey "Lippe" Fagan, der erzählt, er habe schon mit Elvis, Otis Redding und den Beatles Trompete gespielt. Den Boys stellt Jimmy dann die "Commitmenttes" vor, Imelda, Natalie und Bernie, die Mädchen der Gruppe. Zu Beginn passt nichts zusammen. Alle sind zwar guten Willens, das reicht aber noch nicht, um eine Band auf die Beine zu stellen. Außerdem lässt die Ausrüstung zu wünschen übrig. Und Jimmy muss den Newcomern erst einmal drastisch klarmachen, was Soul eigentlich ist: "Eure Musik sollte davon handeln, woher ihr kommt und von was für Leuten ihr abstammt. Sie sollte die Sprache der Strasse sprechen. Sie sollte von Kämpfen handeln und von Sex. Und ich mein' nicht so schmalzige Scheißliebeslieder ... ich mein' vögeln, ficken, Pimmel, Muschis, Mösen – die ganze Palette." Das kapieren die Jungs dann und finden's "saugut". Musik aus dem Bauch, das passt in ihr Leben, in ihre Direktheit, denn von schönen Worten halten sie nichts.

Nach einigen Monaten ist es soweit: In einem schmuddligen Saal des Gemeindezentrums im Armenviertel von Dublin stehen sie auf der Bühne und heizen dem Publikum, zumeist Freunde, Verwandte und Jugendliche, so richtig ein. Alles klappt, bis plötzlich ein Kurzschluss dem Auftritt ein frühzeitiges Ende bereitet. Aber das tut der Freude keinen Abbruch, man macht weiter. Allerdings nehmen die Meinungsverschiedenheiten hinter der Bühne zu, je mehr der Erfolg auf der Bühne wächst. Es gibt Eifersüchteleien, Vorwürfe und handgreifliche Auseinandersetzungen. Als sie musikalisch ihren Höhepunkt erreichen und vom Publikum bei einem Konzert frenetisch gefeiert werden, bricht die Band auseinander. Jimmy, der Mentor, packt seine Sachen und geht. Am Schluss erzählt er in einem "Interview" vor dem Spiegel, was aus den Bandmitgliedern geworden ist.

Alan Parker zeichnet in diesem Musikfilm wie beiläufig auch ein Stück Sozialgeschichte aus einem der ärmsten Länder Europas. Aber nicht larmoyant, sondern lebensnah. Seine Protagonisten kommen aus der Arbeiterklasse, sind arbeitslos oder schlagen sich so durch, haben ihr "proletarisches" Bewusstsein bewahrt, ihre Charaktere bleiben eckig, die Kanten können nicht glatt geschliffen werden. Auch ihre Sprache verrät ihre Herkunft, auf die sie stolz sind. Die Musik ist ihre Ausdrucksform, manchmal vulgär, laut, aber immer das Gefühl ansprechend. Die "Commitments", das sind aber auch Jugendliche wie überall auf der Welt, die ihre Hoffnungen, Träume und Sehnsüchte in Noten verpacken, die ihren Frust rausschreien. Musik wird zum Katalysator. Und die Soul-Songs aus den 60ern gehen auch heute noch unter die Haut, bei "Needles and Pins", "Please, Please, Please" oder "In the Midnight Hour" wippt nicht nur der Alt-68er nostalgisch mit den Hüften, sondern auch den 17-Jährigen im Boss-Outfit des Jahres 1991 hält es da nicht mehr vorm Computer. Die "Commitments", die auch real als Band spielen, vermitteln das Lebensgefühl einer Jugend, die sich nicht unterkriegen lässt. Die Darsteller, bis auf eine Ausnahme alle aus Irland, waren zum größten Teil schon als Musiker tätig, was allerdings nicht verwunderlich ist, gab es doch ca. 1200 Bands in Dublin, als Alan Parker mit den Dreharbeiten begann. Allein 1500 Jugendliche bewarben sich für eine Rolle. Da viele ähnliche Erfahrungen mit Bands hatten, konnten sie sich schnell in die Atmosphäre hineinfinden, was dem Film zusätzliche Authentizität verleiht.

Margret Köhler

 

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KJK-Ausgabe 48/1991

 

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