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Ausgabe 57-1/1994

FREE WILLY – RUF DER FREIHEIT

FREE WILLY – RUF DER FREIHEIT

Produktion: Warner Bros. Productions / Regency Enterprises, V.O.F. / Le Studio Canal+, USA 1993 – Regie: Simon Wincer – Buch: Keith A. Walker und Corey Blechman – Kamera: Robbie Greenberg – Schnitt: O. Nicholas Brown – Musik: Basil Poledouris – Darsteller: Jason James Richther (Jesse), Lori Petty (Rae), Jayne Atkinson (Annie), August Schellenberg (Randolph), Michael Madsen (Glen) u. a. – Länge: 111 Minuten – Farbe – Farbe – FSK: ab 6, ffr. – Verleih: Warner Bros. (35mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Die Kombination Tiere/Kinder gilt als Erfolgsgarant für einen Familienfilm. So ist es nicht verwunderlich, wenn Produzenten nach immer neuen Konstellationen suchen. Diesmal ist es ein Zwölfjähriger und ein Wal. Jesse, ein Straßenjunge, hat kein Zuhause, seit ihn seine Mutter verlassen hat. Bei einer seiner nächtlichen Touren beschmiert er mit einigen Freunden ein Wal-Bassin im Vergnügungspark. Beim Graffiti-Sprayen erwischt ihn die Polizei. Sein Sozialarbeiter stellt ihn vor die Alternative, entweder in den Jugendknast zu wandern oder die Graffiti abzuwaschen und bei Pflegeeltern einen Neuanfang zu versuchen. Nur widerwillig geht Jesse an die Arbeit, stößt alle, die es gut mit ihm meinen, vor den Kopf: seine Pflegeeltern, die Tier-Trainerin Rae, den "Mann für alles" im Vergnügungspark, den Indianer Randolph. Einzig bei dem Killer-Wal Willy fühlt er sich wohl, und auch der ist geneigt, ihn als "Menschenfreund" zu akzeptieren. Jesse holt Fische vom Markt, füttert Willy damit und bringt ihm nach und nach kleine Kunststücke bei. Dies bringt den habgierigen Vergnügungspark-Besitzer auf den Plan, der in Jesse eine Möglichkeit wittert, den bislang unwilligen Wal als Attraktion zu vermarkten.

Am Tag der Premiere sind alle Plätze ausverkauft. Doch Willy spielt nicht mit. Als Jesse am Abend enttäuscht alles hinschmeißen und nach Kalifornien abhauen will, realisiert er, was seinen Freund bedrückt. Das Tier will zurück ins Meer, zu seinen Artgenossen. In einer spannenden und Aufsehen erregenden Aktion gelingt es Jesse, gemeinsam mit Rae, Randolph und seinen Pflegeeltern das Tier zu befreien und ins Meer zurückzubringen. Als Jesse am Ende Willy noch einmal an den gefährlichen Netzen vorbeidirigiert und der Wal auf seine Aufforderung hin in einem Riesensatz über die Mole in die Freiheit springt, erfährt Jesse, was Trennungsschmerz bedeuten kann. Aber endlich hat auch er eine Beziehung zu seinen Pflegeeltern gefunden, die ihn in dieser "illegalen Sache" unterstützt haben, fühlt er erstmals in seinem Leben so etwas wie ein "Zuhause", gehört er zu einer Familie.

Simon Wincer zeichnet publikumswirksam die Gefühlswelt eines orientierungslosen Kindes, das Angst vor Nähe hat, weil es sie nie erfahren durfte, und das seine Hoffnungen auf eine imaginäre Mutter richtet, die ihn liebt und irgendwann von der Straße holt. Wenn Jesse in dem einsamen Wal einen Freund findet, treffen sich zwei einsame Wesen, denn der Wal wird "menschlich" gezeigt, weckt deshalb (nicht nur) bei Kindern Emotionen. Spielt der Junge auf der Mundharmonika, reagiert Willy, lässt sich streicheln. Parallelen zwischen beider Leben werden konstruiert. Das mag natürlich an den Haaren herbeigezogen sein, geht aber dennoch unter die Haut. Denn "Free Willy" ist mehr als eine 08/15 Geschichte aus der Flipper-Kategorie. Zwar setzt die Geschichte auf große Emotionen – und nicht nur bei Kindern werden die Tränchen rollen – aber der Film geht über die simple Kind/Tier-Freundschaft hinaus, weckt Bewusstsein für die Umwelt, bezieht die Funktionen der Natur in den Plot mit ein (außergewöhnlich: die Kamera von Robbie Greenberg). Der Film problematisiert die Einsamkeit eines Kindes, die Schwierigkeit, sich wieder in ein "normales" Leben einzufinden, die ambivalente Haltung zwischen dem Reiz der Straße und der Sicherheit einer Familie, dem tief verwurzelten Misstrauen gegen alle und der verdrängten Suche nach Vertrauen, der Abneigung gegen Bindung und dem Wunsch nach Liebe. Der sukzessive Prozess der Annäherung zwischen Kind und Wal ist Motor und Symbol für die Annäherung Jesses an eine verloren geglaubte Kindheit.

Besonders informativ für Kinder sind auch einige Szenen, in denen klar herausgestellt wird, dass es nicht Tierliebe, sondern Tierquälerei ist, einen Wal in einem Bassin zu halten. Wenn am Tag der Premiere Horden von Kindern aus Neugier an die Glaswand des Bassins schlagen, um ihr Interesse zu bekunden, laut rufen und schreien und dabei nur das Tier verschrecken, lernt der Zuschauer allein in dieser Szene schon viel von falsch verstandener Tierliebe und nicht artgemäßer Tierhaltung.

"Free Willy" ist ein perfekt gemachter Unterhaltungsfilm (mit einem originalgroßen, freischwimmenden animatorischem Wassertier, vom "echten" Willy nicht zu unterscheiden), eine gefühlvolle Story mit wunderschönen Tier- und Naturaufnahmen und einer ökologisch orientierten "Message". Das ist mehr, als man im Allgemeinen von "Familienfilmen" erwarten kann.

Margret Köhler

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.FREE WILLY – RUF DER FREIHEIT im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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