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Ausgabe 48-4/1991

DER REISEKAMERAD

VANDRONIK

Produktion: Omnia Film / Slovensky Film / RAI Due / TVE / Films du Sabre / FR3 / ZDF, CSFR 1990 – Regie: Ludvík Ráza – Drehbuch: Michael Schulz, Ludvík Ráza, nach dem Märchen von Hans Christian Andersen – Kamera: Jiri Macak – Musik: Petr Hapka – Darsteller: Tomas Valik (Jan), Matthias Habich (Magus, der Magier), Fritz Bachschmidt (Reisekamerad), Mapi Galan (Hexe),Sergio Fiorentini (König), Eva Vejmelkova (Prinzessin) – Laufzeit: 90 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Beta-Film (Kirch Gruppe) – Altersempfehlung: ab 6 J.

Der junge Schafhirt Jan muss nach dem Tode des Vaters sein Elternhaus, das zusammen mit der Herde einem Wucherer zufällt, verlassen. Auf der Wanderschaft begegnet er einem freundlichen Mann, der über Zauberkräfte verfügt. Als Jan vom Rätsel der schönen Prinzessin Agnes erfährt, hilft ihm der wohlmeinende Reisekamerad, es zu lösen. Wer die Hand der Königstochter gewinnen will, muss dreimal ihre Gedanken erraten. Bei einer falschen Antwort erstarrt der Verehrer zu Stein. Obwohl schon viele Statuen im Park des Königsschlosses stehen, wagt Jan nach anfänglichem Zögern die schwierige Aufgabe. Zweimal flüstert der Reisekamerad ihm die richtige Antwort zu, die jener bei den heimlichen Ausflügen der Prinzessin erfahren hat. Agnes steht nämlich unter dem Bann eines schwarzen Ritters, den sie jede Nacht in seiner düsteren Höhle besuchen muss. In der dritten Nacht stellt Jan den Bösewicht, der ein geheimnisvolles Rubinherz von ihm erlangen will. Im Kampf um den Zauberstein, der – mit seinem Gegenstück vereint – ewiges Leben verheißt, bleibt Jan der Sieger. Weil damit der böse Bann gebrochen ist, gelingt es dem verliebten Jüngling, den dritten Gedanken der Prinzessin zu erraten: Liebe. Bevor die beiden ein Paar werden, erweckt Jan die versteinerten Verehrer durch eine Schlüssel-Frage wieder zum Leben. Und wenn sie nicht gestorben sind ...

Ludvík Rázas Verfilmung des Märchens von Hans Christian Andersen setzt die bewährte Tradition deutsch-tschechoslowakischer Kinderfilmproduktionen fort. Der Film, der beim diesjährigen Münchener Filmfest gezeigt wurde, bietet die gewohnte handwerkliche Qualität, aber keine besonderen Höhepunkte. Selbst die zahlreichen Zaubertricks, die bekannte Motive variieren wie fliegende Pferde, versteinerte Menschen, unsichtbar machende Blumenkränze oder eine verwandlungsfreudige Hexe, bleiben im Rahmen des Genreüblichen. Trotz der gelegentlichen Auftritte zweier tollpatschiger Wegelagerer kommt der Humor in dieser langatmigen Inszenierung zu kurz, denn die simple und nur mäßig spannende Geschichte schleppt sich mit einigen Wiederholungen nur mühsam über anderthalb Stunden. Außerdem wirken die Botschaften reichlich plump. Während der erste Appell des Reisekameraden an den furchtsamen Jan, vor seiner Aufgabe nicht davonzulaufen, noch Mut machte, ist der Ratschlag am Schluss, "mit Liebe und Güte im Herzen" zu leben und zu regieren, selbst im Märchen-Kontext fragwürdig. So werden die beiden ertappten Diebe am Ende nicht festgesetzt, sondern laufengelassen. Sollen wir daraus schließen, dass sich eine kriminelle Tat zwar nicht lohnt, aber auch nicht bestraft wird?

Immerhin bietet das biedere Filmmärchen gerade für jüngere Zuschauer einen gewissen Schau- und Unterhaltungswert, wozu neben den farbenprächtigen Kostümen vor allem die aufwändig inszenierten visionären Passagen beitragen. Zieht man jüngere ostdeutsche Märchenfilme wie "Rapunzel", "Die Gänseprinzessin", "Das Licht der Liebe" oder gar "Verflixtes Missgeschick" zum Vergleich heran, so stellt sich angesichts der mageren künstlerischen Erträge die Frage, wie zeitgemäß derartig konventionelle Verfilmungen heute noch sind. Unübersehbar ist dabei insbesondere der Mangel an Phantasie.

Reinhard Kleber

 

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