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Ausgabe 49-1/1992

HERZLICH WILLKOMMEN ODER UNBEFUGTEN ZUTRITT VERBOTEN

DOBRO POSTSCHALOVAT ILI POSTORONNIM VCHOD VOSPRESCHTSCHEN

Produktion: Studio Mosfilm, UdSSR 1964 – Regie: Elem Klimow – Drehbuch: Semen Lungin, Ilja Nusinow – Kamera: Anatolij Kuznezow – Musik: Mikael Tariverdiev, I. Jakusenko – Darsteller: Evgenij Evstignev, Arina Alejnikova, Lidija Smirnova u. a. – Laufzeit: 74 Min. – s/w – Altersempfehlung: ab 12 J.

In einem sowjetischen Kinderferienlager hat – trotz der freundlichen Begrüßungfloskel "Herzlich willkommen" am Eingangstor – eiserne Disziplin zu herrschen. Dafür setzt sich jedenfalls der strenge Lagerleiter Dynin ein. Umso lieber tanzen einige Kinder aus der Reihe. Als der freche Kostja es wagt, einen Schutzzaun am Strand zu missachten, wird er aus dem mustergültig organisierten Freizeitbetrieb ausgeschlossen. Aus Angst vor der Großmutter, die in seiner Phantasie wegen seiner Ungezogenheit bereits der Schlag trifft, versteckt sich der Sünder und sorgt damit für einige Unordnung. Eine verschworene Gruppe von Kindern und einige mitleidige Lagermitarbeiter versorgen ihn heimlich mit Lebensmitteln. Doch ein Verräter macht Kostja einen Strich durch die Rechnung. Bei einem mit großem Pomp inszenierten Besuchstag der Eltern und Angehörigen, Kostjas Großmutter eingeschlossen, kommt es am Ende zu unvorhergesehenen Ereignissen.

Der 26 Jahre alte Film des sowjetischen Regisseurs Elem Klimow sorgte beim Kölner Filmfestival 1991 für eine Überraschung. Die Verantwortlichen der Kinder- bzw. Jugendfilmreihe hatten mit dem angekündigten cineastischen Leckerbissen nicht zuviel versprochen. Der von Hans-Joachim Schlegel ausgegrabene Kinderfilm stellte sich als ebenso amüsante wie beißende Satire auf die Disziplinierungssucht eines stalinistischen Ordnungsfanatikers heraus.

Klimows Diplomfilm wurde kurz nach seiner Entstehung als "antisowjetisch" verboten. Den Zensoren darf man heute ein feines Gespür für geschickt verpackte Gesellschaftskritik attestieren. Denn dem Spielfilmdebütanten gelang es mit den naiven, aber subversiven Streichen der Kinder in einem vermeintlich mustergültigen Pionierlager wie beabsichtigt, "ein Modell der Gesellschaft in komischer Form zu zeigen", wie Klimow in Köln erläuterte. Nach seinen Angaben stellte der Kinderfilm in der Sowjetunion der 60er-Jahre eine Art Refugium für Filmschaffende dar, die dort mittels einer "exotischen Sprache" auch soziale und politische Anliegen ausdrücken konnten. Klimow berichtete in Köln unter anderem, dass er zu Beginn der ideologischen Liberalisierung unter Nikita Chruschtschow eine Drehgenehmigung erhalten habe, die zuständigen Behörden aber mit dem Ergebnis keineswegs zufrieden waren. Die Filmemacher hätten damals versucht, Zensureingriffe während der Produktion zu umgehen, indem sie schneller gedreht hätten als ursprünglich geplant. So konnte der fertige Film nicht mehr so einfach manipuliert werden. Klimow hatte Pech: Seine Risikobereitschaft machte sich damals nicht bezahlt. Wahrscheinlich war der metaphorische Schluss von "Herzlich willkommen" mit seiner kollektiven Befreiungsaktion trotz der phantastischen Verschlüsselung zu deutlich.

Als Zensur-Opfer trug Klimow, der im Mai 1986 auf dem 5. Filmkongress zum ersten Sekretär des Verbandes der sowjetischen Filmschaffenden gewählt wurde, maßgeblich zur Freigabe der bis dahin verbotenen Filme bei. Der filmpolitische Wortführer der Perestroika ist bei uns vor allem durch den erschütternden Anti-Kriegsfilm "Komm und sieh" (1985) bekannt geworden. Seine Komödie "Herzlich willkommen oder Unbefugten Zutritt verboten", die nicht zuletzt mit hinreißend inszenierten Slapstick-Nummern und grotesker Situationskomik Unterhaltung im besten Sinne bietet, verdient es, selbst ein Vierteljahrhundert nach ihrer Uraufführung den Weg in unsere Kinos zu finden.

Reinhard Kleber

 

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